Christine Drews – Schattenfreundin

Mal wieder zu einem Buch gegriffen, dass sich inhaltlich nach einem Münsterland-Krimi anhörte: Pustekuchen. Dieser Schmöker hat keinen Lokalkolorit, leider auch keine Spannung, keine erwähnenswerte Charakterzeichnung, triggert mit Ansage und bringt den etwas anspruchsvolleren Leser in die unangenehme Lage, sich für das Schicksal eines Entführungskindes nicht sonderlich zu interessieren. Die Vorlage hat einen ZDF-Film nach sich gezogen, den die FAZ verrissen hat.

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Stefan Holtkötter – Das Geheimnis von Vennhues

Tja, dann ist es wohl schon wieder sieben Jahre her, dass ich den Sechstling der Reihe um Kommissar Hambrock gelesen habe. An die Lesung erinnere ich mich auch noch sehr gut, an das Werk weniger. Aber wie ich feststellen kann: Da hat sich auch nichts getan. Die Geschichte des Erstlings ist etwas aufgepeppt, es ist halt auch der Start einer Reihe, der Protagonist bleibt aber blass, dick und blass, wenn man will, lässt sich von den Geschehnissen treiben, weil irgendwas merkwürdig ist, bleibt er halt am Ball.

Die Auflösung SPOILERALARM ist dann auch so unnaheliegend, dass sie den Leser weder umhaut, noch ihm sonderlich begreifbar ist. Was schon für den sechsten Teil galt: Die süffig geschriebene, aber spannungsarme Geschichte könnte auch problemlos irgendwo anders spielen, so ungenau sind die Orts- und Ureinwohnerbeschreibungen.

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Jürgen Kehrer — Wilsberg 7 & 8. Das Kappensteinprojekt | Das Schapdettenvirus

Ja, ich wunderte mich schon mal, ob der Qualität der Vorlage der ZDF-Serie, auch der Band Das Kappensteinprojekt ist ungeneim angestaubt und hat mit dem Flair der Serie nicht viel gemein. Hier ist der Titelheld unter Politikern forschend und sexuell aktiv.
Beim Band Das Schapdettenvirus hatte ich die unnötige Hoffnung, man könnte Passendes zur aktuellen Pandamiezeit geben – Pustekuchen. Ansonsten spannungslos und nicht überzeugend.

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Detlef Krischak — Falsche Brut

Der zweite Teil der Ibbenbürener Krimireihe kommt erwartungsgemäß stimmig daher: Die altbekannten Figuren haben es dieses Mal mit Mord und Entführung im Zuge familiärer Verwerfungen zu tun. Die örtlichen Beschreibungen sind gut, die Dialoge weniger: Wenn Kriminalbeamte und Befragte sich unterhalten, dann kommt viel zu schnell und seitens Verdächtiger komplett unnötig das heraus, was zu erfragen war. Spannung kommt leider keine auf, dafür wird es ganz lustig, wenn ein Unternehmer namens Engel über seinen Keller befragt wird, und im folgenden vom Autor nur noch Keller genannt wird. Das könnte man mal in Gänze romanartig verwursten, ist hier aber nur ein Fehler.

Alles in allem eine kurzweilige Lektüre, die nicht enttäuscht, aber auch nicht fesselt oder überrascht.

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Jürgen Flenker – Das Rattenorakel

Falls jemand noch ein Büchlein sucht, das er unter den Weihnachtsbaum legen möchte, hergehört: Dieser kleine Schmöker zählt zumindest sprachlich zum Besten, was das münsterländische Krimi-Genre zu bieten hat. Das kommt dann vor allem den Figuren zu Gute, die der Sprakeler Autor in seiner Geschichte zu bieten hat: Kommissar Rico Wende, der vom Leben etwas gebeutelt, solo und seine Mutter im Auge habend, eine Serie vermisster Kinder aufzuspüren hat. Ja, ein Rattenfänger wie der aus Hameln ist im Münsterland unterwegs, eine Idee, die blöde klingt und blöde ist. Das ist dann auch der Hauptmakel dieses Schmökers: Spannung kommt nicht auf; dass aus der Tätersicht erzählt wird – ein alter Regionalkrimihut; das Motiv des Täters – gänzlich unerklärlich; die Auflösung – schnell vergessen. Und dennoch: Für Interessierte an Regionalliteratur eine unterhaltsame Lektüre.

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Detlef Krischak – Der Rosenfälscher: Das zweite ich

Ich habe schon etwas länger keinen Lokalkrimi mehr in die Hand genommen, da ich, ehrlich gesagt, die Qualität nicht mehr abkonnte: Zu viele schlecht geschriebene Passagen, irrwitzige Handlungsverläufe, keine Spannung, kein Lokalkolorit, das will man nicht immer und immer wieder lesen. Aus welchem Grund ich diesen Schmöker danach dennoch wieder in die Hand genommen habe, weiß ich gar nicht mehr.

Um so freudiger ist dieser Ibbenbüren-Krimi: Viele Figuren, die charakterlich verschieden eingeführt werden, eine dramatische Handlung und das alles verziert mit Streifzügen durchs Ems- und Tecklenburger Land. Es geht um Entführung, Mord und kranke Seelen, um den Polizeialltag, bei dessen Beschreibung Klaus Burandt zur Seite stand, und schodderige Provinznasen. Die Sprache ist passend und ohne Bruch (zwei Rechtschreibfehler fallen nicht ins Gewicht). Ein Kriminalschmöker, der verfilmbar ist (wie großartig wäre das denn) und es locker mit Unter Feinden aufnehmen kann.

Die psychologische Situation des Täters (er hat doch seine Jugendliebe bekommen) wird mir inhaltlich nicht recht klar, die Spannung wird nicht durchweg gehalten, wieso die Verfolgungsjagd unbedingt in die Ibbenbürener Innenstadt führt: keine Ahnung; dass der Ibbenbürener Kommissar Carsten heißt: Großartige Idee.

Falls also noch jemand kurzfristig ein Geschenk zu Weihnachten sucht: Für Krimileser ist dies eine echte Empfehlung.

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Jürgen Kehrer – Schuß und Gegenschuß

wilsbergschuss Ein abgesackter Wilsberg hat mit dem niederen Filmbusiness zu tun und trifft auf abgehalfterte Mitarbeiter des Genres. Spannung bleibt aus, Überraschungseffekte sind nicht vorhanden, Lokalkolorit und Figurenzeichnung mäßig, aber vor allem sprachlich ist dieser Teil der Krimireihe einschläfernd.

Der Autor macht nicht den Eindruck, als könne er der Figur Wilsberg noch irgendwelche interessanten Aspekte abgewinnen, die Serie hätte hier enden können – geht aber noch 12 Teile weiter.

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Jürgen Kehrer – Lambertussingen

lambertuskehrer Dies ist der zweite Teil der Bastian-Matt-Reihe vom Wilsberg-Erfinder, die etwas im Münsteraner Umfeld spielen soll: Ein Frauenmörder zieht mit seinem Campingwagen durchs Münsterland und orientiert sich beim Töten am Lied des Lambertussingens.

Kehrer legt in diesem Fall Wert auf die korrekte Beschreibung von Polizeiarbeit und Täterpsychologie. Leider geht dies stark zu Lasten der eigentlichen Geschichte, denn die ist abgelutscht, unspannend, witzlos und vorhersehbar. Und wenn Kehrer der asiatischen Gerichtsmedizinerin andichtet, dass sie dauernd deutsche Sprichwörter anwendet und dies konsequent falsch, dann nervt das irgendwann nur noch. Lokalkolorit besitzt das Buch keinen, die Figurenzeichnung ist substanzlos, es ist bei aller Spannungslosigkeit nicht schlecht geschrieben, hierbei auch besser als der Rest der Münsterlandkrimis, aber ohne rechten Pfiff.

Eine Leseempfehlung für alle, die bei dieser Serie am Ball bleiben wollen, und für Krimileser, die auf Nervenkitzel verzichten möchten.

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Jürgen Kehrer: Kein Fall für Wilsberg

Weiterer Schritt in meinem Vorhaben, einmal die Wilsberg-Romane durchzulesen: Der vierte Schmöker der Reihe . Ein Industrieller eines Vororts von Münster wird ermordet aufgefunden. Seine Firma ist in Waffenlieferungen verstrickt und er hat ein persönliches Geheimnis. Sämtliche Figuren bis auf Wilsberg bleiben farblos, der Fall haut einen nicht vom Hocker, Lokalkolorit ist auch kaum gegeben, einzig die Mordmethode bleibt vielleicht etwas im Hinterkopf. Ansonsten geht sich dieser Text im Rausch alltäglicher Informationen zielsicher unter.

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