Stichwort: Münsterland-Krimi

wilsbergschuss

Ein abge­sack­ter Wils­berg hat mit dem niederen Film­busi­ness zu tun und trifft auf abge­halfterte Mitar­beit­er des Gen­res. Span­nung bleibt aus, Über­raschungsef­fek­te sind nicht vorhan­den, Lokalkolorit und Fig­uren­ze­ich­nung mäßig, aber vor allem sprach­lich ist dieser Teil der Krim­irei­he ein­schläfer­nd.

Der Autor macht nicht den Ein­druck, als könne er der Fig­ur Wils­berg noch irgendwelche inter­es­san­ten Aspek­te abgewin­nen, die Serie hätte hier enden kön­nen — geht aber noch 12 Teile weit­er.

kehrerwiedertaeufer

Über den aktuellen Kehrer-Kri­mi blieb mir ja wenig Pos­i­tives zu sagen, das kon­nte ich mir qua­si für einen älteren auf­s­paren: Wils­berg und die Wiedertäufer ist vom Anfang der Krim­is­erie her gese­hen der bis­lang beste Wils­berg-Kri­mi in Buch­form.

Eine Gruppe von der Katholis­chen Kirche sich gedemütigt Füh­len­der bege­ht Anschläge zu Motiv­en der Wiedertäufer. Wils­berg schlid­dert bei der Aufk­lärung des Fall­es in die Grup­pen­dy­namik hinein so dass SPOILERALARM er auch der Liebe wegen sich vor Gericht wieder sieht und in Folge dessen pri­vat vor dem Nichts ste­ht.

Ein wenig Lokalkolorit, etwas Liebe­san­bän­delei, ein biss­chen Lokalhis­to­rie mit Fußnoten, ein angeschla­gen­er Held und tat­säch­lich so etwas wie Span­nung zum Finale, das Buch den Leser bei der Stange hal­tend inter­es­sant zu Ende erzählt wird — was will man mehr von einem Prov­inzkri­mi?

lambertuskehrer

Dies ist der zweite Teil der Bas­t­ian-Matt-Rei­he vom Wils­berg-Erfind­er, die etwas im Mün­ster­an­er Umfeld spie­len soll: Ein Frauen­mörder zieht mit seinem Camp­ing­wa­gen durchs Mün­ster­land und ori­en­tiert sich beim Töten am Lied des Lam­ber­tussin­gens.

Kehrer legt in diesem Fall Wert auf die kor­rek­te Beschrei­bung von Polizeiar­beit und Täterpsy­cholo­gie. Lei­der geht dies stark zu Las­ten der eigentlichen Geschichte, denn die ist abge­lutscht, unspan­nend, wit­z­los und vorherse­hbar. Und wenn Kehrer der asi­atis­chen Gerichtsmedi­ziner­in andichtet, dass sie dauernd deutsche Sprich­wörter anwen­det und dies kon­se­quent falsch, dann nervt das irgend­wann nur noch. Lokalkolorit besitzt das Buch keinen, die Fig­uren­ze­ich­nung ist sub­stan­z­los, es ist bei aller Span­nungslosigkeit nicht schlecht geschrieben, hier­bei auch bess­er als der Rest der Mün­ster­land­krim­is, aber ohne recht­en Pfiff.

Eine Leseempfehlung für alle, die bei dieser Serie am Ball bleiben wollen, und für Krim­i­leser, die auf Ner­venkitzel verzicht­en möcht­en.

buchleser

Weit­er­er Schritt in meinem Vorhaben, ein­mal die Wils­berg-Romane durchzule­sen: Der vierte Schmök­er der Rei­he . Ein Indus­trieller eines Vororts von Mün­ster wird ermordet aufge­fun­den. Seine Fir­ma ist in Waf­fen­liefer­un­gen ver­strickt und er hat ein per­sön­lich­es Geheim­nis. Sämtliche Fig­uren bis auf Wils­berg bleiben far­b­los, der Fall haut einen nicht vom Hock­er, Lokalkolorit ist auch kaum gegeben, einzig die Mord­meth­ode bleibt vielle­icht etwas im Hin­terkopf. Anson­sten geht sich dieser Text im Rausch alltäglich­er Infor­ma­tio­nen ziel­sich­er unter.

Der drit­ter Teil der Wils­berg-Büch­er-Serie, Gottes­gemüse

, spielt im hochbe­tucht­en Sek­ten-Milieu. Das Buch wurde nicht ver­filmt, die Hand­lung kommt einem allerd­ings auch hin­läu­fig bekan­nt vor. Vielle­icht war das in den 90ern anders, aber unterm Strich bleibt nur eine Ver­fol­gungs­jagd nach Eng­land übrig. Wed­er son­der­lich span­nend, noch sprach­lich oder inhaltlich im Gedächt­nis bleibend.

wilsbergfreundschaft

Den zweit­en Wils­berg-Kri­mi gibt es seit let­ztem Jahr auch als Com­ic-Ver­sion (die gibt es auch online), illus­tri­ert durch Zeich­nun­gen von Jörg Hart­mann. Damit trifft man neben den zwei Fernse­hermit­tlern nun auf die dritte bildliche Verkör­pe­rung des Georg Wils­berg. Würde mich ja wun­dern, wenn der es nicht noch in Mün­ster auf die Bühne schafft. 

Hart­mann gelin­gen sehr schöne Zeich­nun­gen Mün­sters und Ams­ter­dams, das hat mir sehr gut gefall­en. Der Fall ist ähn­lich span­nungsre­ich oder span­nungsarm wie der erste, hat einen ähn­lichen Ver­lauf, was aber als Com­ic dur­chaus unter­halt­sam funk­tion­iert. Die Ver­fil­mung wartet mit der beza­ubern­den Bar­bara Rud­nik auf, einem gut aufgelegten Thorsten Nin­del, Thomas Schücke und ein­er glänzen­den Rita Russek.

Worum geht’s? Wils­berg muss die Ver­strick­un­gen, in die seine alte, immer noch verehrte Jugend­liebe sich verf­ing und let­zten Endes daran zu Grunde ging, entwirren. Dabei kriegt er wahlweise derbe eins auf’s Maul (Buch/Comic) oder mit der Polizei zu tun (Film).

wilsberg1996

23 Jahre nach dem Erscheinen des Buch­es und 18 Jahre nach der Ver­fil­mung war es mal an der Zeit, den ersten Wils­berg unter die Lupe zu nehmen — wenn man schon ein­mal dabei ist, Mün­ster­land-Krim­is zu lesen.

Ein psy­chisch angeschla­gen­er Mann aus Nord­walde beauf­tragt den Münz- und Brief­marken­händler Georg Wils­berg, der zusät­zlich als Detek­tiv arbetet, den ver­meindlichen Selb­st­mord seines Brud­ers vor 11 bzw. 16 Jahren zu unter­suchen. Wils­berg kommt einem Kor­rup­tion­sskan­dal auf die Spur und löst das Geheim­nis um den fin­gierten Selb­st­mord.

Im Buch wird die Geschichte ab und an mit etwas Lokalkolorit deko­ri­ert, die Auflö­sung kommt schließlich aber etwas aus heit­erem Him­mel. Zum Mitrat­en oder -fiebern ist das nichts.

Der Film hat außer ein­er Ver­fol­gungs­jagd durch die Innen­stadt und ein paar älteren Häusern wenig Lokalkolorit zu bieten, dafür spie­len die großar­tige Hans-Mar­tin Sti­er, Ste­fan Wim­mer und Hein­rich Schafmeis­ter mit, let­zter­er der einzige, der in fol­gen­den Wils­berg-Fil­men wiederzuse­hen ist. Joachim Król spielt eigentlich so wie immer. Der Auf­tragge­ber und seine Nichte wer­den als psy­chisch angeschla­gen­er dargestellt als im Buch, was etwas über­zo­gen wird. Der böse Kom­mis­sar wird auch etwas anders dargestellt. Anson­sten entspricht der Film in vie­len Din­gen der Vor­lage.

Alles in allem: Harm­lose Unter­hal­tung, die man schnell ver­gisst.

Der Teufel von Münster

Ich bin doch einiger­maßen pos­i­tiv über­rascht von dieser Mis­chung aus Region­alkri­mi und Mys­terygeschichte. Bekker schreibt span­nend und unter­halt­sam, und mit dem Lokalkolorit ist Bekker auch gut dabei. Dabei fällt die psy­chol­o­gis­che Seite etwas lasch aus, einige Logik­brüche sind zu verze­ich­nen, der Kom­mis­sar ist erstaunlich lim­i­tiert und zum Ende geht der Geschichte die Luft aus. Aber bis dahin wird man gut unter­hal­ten. Nur wieso das Buch “Der Teufel von Mün­ster” heißt, ist mir nicht klar gewor­den.

Zur Geschichte: Kom­mis­sar und Krim­i­nalpsy­cholo­gin unter­suchen eine Mord­serie zwis­chen Tel­gte, Lad­ber­gen und Kat­ten­venne. Als ob das noch nicht skuril genug wäre, bekom­men sie Unter­stützung von einem ihrer Patien­ten, der sich für eine Sagengestalt hält. Allerd­ings scheint er ab und an mehr zu sehen als die Ermit­tler.

todgeweihtimmuensterland

Ja, Sie ahnen es schon, wir sind bei der Trash-Lit­er­atur unter den Mün­ster­land­krim­is gelandet: 

Todgewei­ht im Mün­ster­land ist die wirre, logik­strotzende Geschichte um einen Lek­tor, dem eine Daherge­laufene zuraunt, er werde gle­ich ster­ben, was er ver­trauensvoll hin­ter­her­ren­dend erst ein­mal glaubt, dann wird er fast erschossen, was seine Begleitung belusti­gend find­et, und eine Fam­i­lien­mordgeschichte gilt es auch noch zu lösen. Das alle­samt ist albern, meta­phernüber­laden („Der einzige Aus­gang war uns versper­rt. Es gab noch zwei völ­lig ver­staubte kleine Fen­ster, die höh­nin­sch auf uns her­abzublick­en schienen, denn mit gefes­sel­ten Hän­den gab es keine Möglichkeit, diese Ober­lichter zu erre­ichen.“) geschrieben und nimmt sich zu ernst, als dass es als Trash schon wieder gut wäre. Und das Mün­ster­land wird auch nur name­drop­pend ver­wen­det. Naja, immer­hin wird hier nicht ver­sucht, fernse­hfor­matig für Unter­hal­tung zu sor­gen.

Allerd­ings fehlt der Autorin genau das, was dem Roman (Leseprobe) fehlt: Ein vernün­ftiger Lek­tor.

Morgenkaffee

An Mün­ster­land-Krim­is gibt es ja inzwis­chen eine Vielzahl. Auch der geborene Mün­ster­län­der und Wahl-Berlin­er Ste­fan Holtköt­ter möchte in diesem Fahrwass­er mitschwim­men: Ein Stu­dent wird auf dem Bahn­hof der fik­tiv­en mün­ster­ländis­chen Stadt Gerten­beck zusam­mengeschla­gen und getötet. Es kommt zur Gerichtsver­hand­lung. Doch Zweifel an den ver­muteten Tätern wach­sen und so wird die Geschichte aus der Sicht des Opfers und des zuständi­gen Krim­i­nalkom­mis­sars aufgear­beit­et.

Die Geschichte ist sprach­lich nicht schlecht erzählt, krankt allerd­ings an fehlen­der Span­nung und aus­bleiben­dem Tief­gang, den vorherse­hbaren Wen­dun­gen und der unver­ständlichen Auflö­sung. Man hätte auch die Ort­sna­men an Tri­er anpassen kön­nen und es einen Tri­er­er-Land-Kri­mi betiteln kön­nen. Ein For­matkri­mi wie ein durch­schnit­tlich­er Tatort.

Ein Inter­view mit dem Autor gibt es bei lit­Borken. Und wem’s gefällt: Im Sep­tem­ber kommt der näch­ste Kri­mi des Autors.