Parallelwelt Sparkasse

Susi hat let­ztens Post von der Sparkasse bekom­men. Sie sollte doch mal drin­gend vor­beikom­men für ein Beratungs­ge­spräch. Nun hat­te Susi kein­er­lei Ahnung was das sollte, aber da es dringlich sein sollte, wollte sie sich nicht davor drück­en.

Also stiefelte sie in die Sparkasse zum Kun­den­ber­ater. Der begrüßte sie fre­undlich, ließ sie Platz nehmen und fuhr seinen Com­put­er hoch. Ob sie denn schon an irgendwelche zusät­zlichen Anlagemöglichkeit­en gedacht hätte. Hat­te Susi nicht. Schließlich war Susi ger­ade im Refendari­at auf dem Weg zur Grund­schullehrerin.

Dann schaute er in seinem Com­put­er, scan­nte mit seinen Augen fix die Kon­tenstände von Susi bei der Bank durch und meinte leicht tadel­nd

Na, für ihr Alter haben Sie aber ver­dammt wenig Geld anges­part.

Irgend­wie kann man sich bei der Sparkasse wohl nicht vorstellen, dass man als Ref­er­en­darin nur 800€ vom Staat bekommt, von denen ein winziger Betrag zum Leben übrig bleibt. Aus der Sicht eines Sparkasse­nangestell­ten ist es wohl dumm, Grund­schullehrerin zu wer­den. Dann kriegt man ja nie im Leben die Kohle zusam­men, die nor­male Leute so zusam­men kriegen. Aber so ist das wohl bei Leuten, die sich dem Prof­it ver­schrieben haben: Dass es Leute gibt, die nicht einzig nach Prof­it streben, ist ihnen unbe­grei­flich, das ist doch dumm.

Es stimmt nur etwas trau­rig, dass diejeni­gen, die wichtige Auf­gaben erledi­gen, welche für diese Gesellschaft als sozialer Gemein­schaft grundle­gend sind, von den Prof­i­teuren der Finanzwelt her­ablassend behan­delt wer­den.

Also, wenn Sie mal wieder eine Par­al­lel­welt besuchen möcht­en, holen Sie sich doch einen Ter­min bei der Sparkasse.

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