Frank Cordes - Lebenslänglich Du

Die zweite aktuelle CD eines Ibben­büren­er Musik-Acts ist das Debut-Album von Frank Cordes. Das klingt etwas komisch, denn ich habe mir seine erste Sin­gle Ende der 90er mal gekauft, aber sei’s drum. 

Und etwas muss man Schlager heute auch gle­ich zu Beginn recht­fer­ti­gen: Dass die Texte nicht son­der­lich anspruchsvoll sind, musikalisch seicht, ironiefrei und poet­isch nicht so umw­er­fend gehört zum Genre. Wer deswe­gen der Gat­tung gle­ich den Rück­en zudreht, hat mein Ver­ständ­nis. Die Ziel­gruppe ist halt eher so die WDR4-Hör­erschaft. Ander­er­seits hat Helene Fis­ch­er derzeit auch ein großes nicht über­altes Pub­likum gefun­den, so ganz liegt das Befür­worten des Gen­res dann wohl nicht an unterirdis­chen Texten. 

Zu Frank Cordes selb­st sei noch gesagt, dass er ein­er der nettesten Tis­chten­n­is­fam­i­lien des Teck­len­burg­er Lan­des entstammt, die ich kenne, und daher würde ich sagen, dass er dur­chaus hin­ter seinen Tex­ten ste­ht, ohne ver­logen zu sein. Das zieht also auch nicht. 

Wenn man die zwei Sachen ein­räumt, kann man der Musik ganz gut begeg­nen, und Dis­co­fox tanzen kann man zu ihr eben auch. Also ran an den Speck:

01. Zum ersten Mal Eingängige, unbeschw­erte Pop­num­mer aus dem let­zten Jahr. Stimm­lich passt der Song und überkan­didelt ist er auch nicht so. Guter Auf­mach­er für das Album.
02. Lebenslänglich du Zu Beginn kündigt sich mal ein etwas schlageruntyp­is­ch­er Song an, was aber durch den Refrain wettgemacht wird. Etwas mehr Mut hätte hier Wun­der getan. Überzeugt mich so gar nicht.
03. Du und ich und er und sie Der Auf­mach­er zum Album ist ein gewagter Mix aus Schlager und aktueller Lebenssi­t­u­a­tion. Der Refrain ist mit dem Reim “das ganz große Glück” auf “der Him­mel hat euch zu mir geschickt” nahe am Aus­rutschen. Dafür sind die Kid­dies im Video ganz putzig.
04. Es ist wieder Som­mer Fed­er­le­icht­es Som­mer­lied ohne Eck­en und Kan­ten im neg­a­tiv­en wie im pos­i­tiv­en Sinne. Passt Frank Cordes wie ein guter Anzug.
05. Freier Fall Gute Mis­chung aus Schlager- und Pop-Song ohne textliche Überkandeldierung.
06. Der Mor­gen mit dir Ziem­lich typ­is­che Schlager­num­mer, zu der die Stimme von Frank Cordes, die hier mal die ganz hohen Töne auss­part, ziem­lich gut passt.
07. Bis zum Ende der Zeit Guter Pop­song an der Gren­ze zu Singer-Songwriter-Nummern.
08. Durch die Hölle Jet­zt gehen wir in Rich­tung Wolf­gang Petry: Gute Pop­num­mer mit gutem Refrain.
09. Weil dein Herz die Wahrheit ken­nt Seichte, typ­is­che Schlagernummer.
10. Patch­work Fam­i­ly (Fam­i­lie von Null auf Hun­dert) Wir sind wieder beim Patch­work-Fam­i­lie-The­ma von Lied Nr. 2. Textlich ist das Lied unfall­freier und eben­so realitätsnah.
11. Mein Leben für dich Nette, unaufgeregte Dis­co-Num­mer.
12. Hier ist immer irgend­was los Tja, immer was los in so ein­er Patch­work­fam­i­lie, was? Das The­ma ist jet­zt auch so langsam durch.
13. Träume haben Flügel Oh, sehr schöne, hym­nis­che Pop­num­mer mit Dudel­sack. Passt wun­der­bar zum Sänger, der wieder am besten klingt, wenn er nicht die ganz hohen Töne anstrebt. Sehr passende Abschlussnummer.
14. You want love Ja, irgend­was war da doch let­ztes Jahr mit den Drafi-Deutsch­er-Cov­ern, die Frank Cordes machen wollte. Dieses erste Lied von den Mixed Emo­tions ste­ht dem Orig­i­nal in Nichts nach.

Faz­it: Ich habe mir Schlim­meres unter einem Schlager-Album vorgestellt, ger­ade was aus­ge­lutschte Reime ange­ht. Frank Cordes gelingt eine aus­ge­wo­gene Mis­chung aus Schlager und Pop-Songs mit weni­gen Aus­reißern nach unten und eben­so vie­len Außreißen nach oben, die aus dem aktuell typ­is­chen Schlager­tam­tam erfrischend gut aus­brechen. Er verkauft seine Ziel­gruppe nicht für blöd, das rechne ich hoch an. Eine klare Kaufempfehlung für Leute, die WDR4 hören wür­den und eine Rein­hörempfehlung für alle, die deutsch­er Pop­musik eine Chance geben. Nichts für jeden, aber für Einige sehr.

Die Geschäfts­führung der IVZ hat in der Sam­stagsaus­gabe auf Leser­briefe (s. Ernst Gold­beck) geant­wortet, die sich mit der Erhöhung des IVZ-Abon­nements wegen des Min­dest­lohns für Zeitungs­boten beschäftigten. Man sehe sich in einem Dilem­ma, denn eigentlich wollte man sie wohl lieber nicht abdruck­en, weil *hus­thus­tröchel*, doch das wäre gle­ichbe­deu­tend damit, 

der freien Mei­n­ung in eigen­er Sache das Wort zu entziehen. 

Welch hero­is­ch­er Akt. Ich hätte ja jet­zt gedacht, dass Dilem­ma bestünde darin, auf die diskred­i­tierende Argu­men­ta­tion bezüglich des Min­dest­lohns für Zeitungs­boten und der betrof­fe­nen Arbeit­nehmer noch einen drauf zu set­zen, aber sowas schafft man bei der Geschäfts­führung der IVZ spielend. 

Die Quint-Essenz des Min­dest­lohns für Zeitungs­boten bedeute wegen der Bezahlung nach Arbeitsstun­den und nicht mehr nach Anzahl aus­ge­tra­gen­er Zeitungen:

Der Fak­tor “Zeit” erset­zt den Fak­tor “Leis­tung”.

Wie kommt man nur auf so einen Stuss? Der Fak­tor Zeit erset­zt mit­nicht­en den Fak­tor Leis­tung, denn das würde bedeuten, dass die Zeitungs­boten keine Leis­tung mehr erbrächt­en. Der Min­dest­lohn set­zt ein Stöckchen­hochhal­ten einen Leis­tungsan­reiz außer Kraft, durch den Leute, die bish­er weniger als 8,50€ in der Stunde ver­di­en­ten, noch mehr Stun­den für wenig Geld arbeit­eten bis sie auf einen Betrag kamen, der sie einiger­maßen zufrieden stellt. Und das waren gemäß der IVZ-Darstel­lung Leute, die aus Spaß an der Freude nachts 4 Stun­den Zeitun­gen aus­ge­tra­gen haben, nicht weil sie das Geld drin­gend benöti­gen. Was arbeit­en eigentlich die, die Geld drin­gend benötigen?

Dabei ist dieser Leis­tungsan­reiz gar nicht gän­zlich weg. Man müsste nur Zeitungs­boten das Ange­bot machen, mehr als den Min­dest­lohn ver­di­enen zu kön­nen. Was für eine absurde Vorstel­lung. Ander­er­seits: Erhöht wird der Lohn von 8,50€ eh irgendwann.

Der IVZ jet­zt aber zu unterstellen,

die tägliche Leis­tung unser­er eige­nen Zeitungs­boten nicht wertzuschätzen, ist abwegig.

Man drückt das eben nur nicht über die Bezahlung aus.

Guten Mor­gen Ibbtown!

Die Zeitung ver­rät uns heute, dass der Beruf­ss­chullehrer, der wegen Kör­per­ver­let­zung angeklagt war, weil er einen Schüler in den Schwitzkas­ten genom­men haben soll, frei gesprochen wor­den ist, da sich der Schüler an kaum was noch erin­nern kon­nte. Der Griff muss ja gut gewe­sen sein ;-). Aber Spaß bei­seite: Ich erin­nere mich in der Tat an Raufer­eien samt Schwitzkas­ten mit einem Lehrer am Gym­na­si­um. Das war damals aus der Sit­u­a­tion her­aus vol­lkom­men okay, heute riskiert man damit wohl ein Strafver­fahren. Dabei hat doch selb­st der Papst die würgevolle Erziehung empfohlen…

Guten Mor­gen Ibbtown!

Immer schön, wenn in der IVZ mal ges­tandene Jour­nal­is­ten zu Wort kom­men. So heute Jens T. Schmidt zur Islam-Disku­sion mit Ser­ap Güler:

Schade, es hätte ein wirk­lich span­nen­der Beitrag zur Inte­gra­tions­de­bat­te wer­den kön­nen: Eine gebildete junge Frau, die an den Islam glaubt, und gle­ichzeit­ig eine christliche Partei im Land­tag ver­tritt. […] Doch es ging – mal wieder – mehr um Bur­ka, Kopf­tuch und Sau­di-Ara­bi­en. Aber auch eine mus­lim­is­che Gemeinde vor Ort muss sich fra­gen lassen, welchen Beitrag zum Dia­log sie leis­ten kann und will, wenn ihr Vor­sitzen­der bei ein­er öffentlichen Ver­anstal­tung lieber Türkisch als Deutsch spricht.

Es hat­te schon etwas Belusti­gen­des, wie der CDU-Bürg­er­meis­terkan­di­dat in sein­er Vorstel­lungsrede auf der CDU-Mit­gliederver­samm­lung vorschlug, mehr Sitzgele­gen­heit­en in der Ibben­büren­er Innen­stadt zur Ver­fü­gung zu stellen. Es geht gar nicht um den Vorschlag an sich, auch wenn das vielle­icht nicht der erste Vorschlag wäre, den ich als Bürg­er­meis­terkan­di­dat raushauen würde.

Nein, der Knack­punkt ist, dass es ja schon mal mehr Sitzgele­gen­heit­en in der Innen­stadt gegeben hat. Nur saßen dann da irgend­wann gerne die Pen­ner für ihr Früh­stücks­bier oder ein Nick­erchen. Und dann waren die Park­bänke auf ein­mal abgesägt.

Dies ist der Debutro­man von Mar­tin Walser über Mit­glieder der Mit­telschicht der 50er Jahre, denen die Moral abhan­den kommt, ohne die sie aber auch nicht können.
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Ich bin mit Walser nie warm gewor­den, und so war es auch bei diesem Schmök­er: Alles zieht sich.

Down­load

Tja, wer hätte das gedacht, dass man in diesen Reg­istrierungswirrwarr neuer Top-Lev­el-Domains bei dreibuch­stabi­gen Domains auch mal zu Zuge kommt. Jeden­falls hat es irgend­wie geklappt, und der geneigte Leser kann sich nun sat­te drei Buch­staben beim Adres­sein­tip­pen sparen. Die News sind auch inzwis­chen zu news.ibb.town ver­zo­gen, das Wiki wird wohl folgen.

Man muss halt ein­räu­men, dass die Donots Musik für Mitzwanziger­plus­mi­nus machen. Und wie sich die Donots ihrer Ziel­gruppe anbiedern, dass ist schon erstaunlich rück­grat­los, wo sie sich doch selb­st ganz ander­sherum ein­schätzen wür­den. Die Donots sind monothe­ma­tisch, ironiefrei, sprach­lich auch auf deutsch hör­bar begren­zt, textlich irgend­wo in den 80ern, nur musikalisch fall­en sie nicht aus dem Rah­men. Brüllen reißt da nichts raus. Im Einzelnen:

1. Ich mach nicht mehr mit Ver­lo­genes, ziel­grup­pe­naffines Rumge­plärre. Wer sich vom Stadt­mar­ket­ingvere­in Ibben­büren einen Preis übergeben lässt für die gute Wer­bung für ihre Heimat­stadt, der macht eben doch jeden Blödsinn mit.

2. Dann ohne mich Näch­ster Song, sel­ber Inhalt: Die Doofen sollen bess­er ohne mich weit­er­ma­chen. Schnarch.

3. Junger Mann zum mitlei­den gesucht Board­er­lin­er­song. Wenn die Gitar­ren nicht wären, nicht erwähnenswert.

04. Prob­lem kein Prob­lem Burnout­song: “Ich hab kein Prob­lem, ich bin das Problem.” 

05. Du darf­st niemals glück­lich sein Nein, auch in diesem Lied stolpert man dauernd über Sprache, so das sprach­liche Unkon­for­mität zum Stilmit­tel erhoben wer­den muss. “Wie du fällst und dich dann fängst, wie du singst, selb­st wenn du brennst…” — so ein Lied­text muss ja auch gefüllt werden.

06. Kaputt Alles muss kaputt sein, wieso warum weshalb? Weiß der Geier oder weiß er nicht.

07. Weit­er Ich-gegen-die-anderen-Durch­hal­teparolen­song, alles wie gehabt.

08. Kopf bleibt oben Das Herz bleibt an, das Hirn bleibt aus. Rosen­stolz hät­ten es nicht schlim­mer machen können.

09. Hier also weg Flotte Num­mer. Textlich muss jemand weg, wieso auch immer.

10. Straßenköter Noch so ein Ich-muss-raus-ich-werd-euch-nicht-ver­mis­sen-Song. So langsam würde man Geld bezahlen wollen für ein anderes Thema.

11. Das Ende der Welt ist längst vor­bei Ja, es geht noch sim­pler, wenn der Songti­tel den Inhalt des Songs kom­plett bein­hal­tet. Yeah, yeah, yeah.

12. Bess­er als das “Das” ist der All­t­ag, bess­er sind “wir”. Noch Fragen?

13. Immer noch I mog di. Wir kön­nen uns alles sagen. So sind wir eben, wir Kindergartenkinder.

14. Hansar­ing, 2–10 Uhr Endlich am Ende des Albums. “Das soll nie zuende gehen”, doch das sollte es bess­er. Diese Selb­stabfeierei erträgt man nicht weiter.

Wohlwol­len­der wird das Ganze hier gesehen.

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John B. Moore hat sich die englis­chsprachige Ver­sion ange­hört.

Dies ist der soundso­vielte Teil der Klölek­türen-Rei­he über ange­blich wirk­lich so abgeschick­te SMS. Unge­fähr so lustig wie die Witze-Seit­en der Tschi­bo-Hefte aus den 80ern.
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