Fastfood und Interesse

Neulich durften ein Kol­lege und ich auf Tagung nach Berlin. Alles groß, alles etwas erdrück­end dort und man kommt kaum dazu, ordentlich was zu sehen, wenn man nicht ger­ade auf Urlaub ist, son­dern zu Geschäfts­be­sprechun­gen muss. Immer­hin sieht es im Osten teil­weise so aus, als wäre die Wende noch im Gange. Da wird wenig gemacht. Dafür riesige Cafés, solche Größen kön­nten sich Café­be­treiber außer­halb Berlins niemals leis­ten. Der Osten ist inzwis­chen ja sowieso von bei­den Teilen Berlins der inter­es­san­tere, wenn Sie mich fra­gen.

Ent­täuschend ist dage­gen die Berlin­er Küche: Also, für sowas wie ein Berlin­er Schnitzel brauchen Sie aber echt mal einen guten Magen.

Das Schlimm­ste sind aber die gnaden­los gün­sti­gen Fast­food­bu­den: Die berühmte Berlin­er Cur­ry­wurst ist eine hal­b­gare Bratwurst in Ketchup­tunke. Die Bratwurst an der Ecke für 1,25€, den Dön­er für 2€ — da wis­sen Sie, dass das Tier, was da drin ist aber auch nie das Tages­licht gese­hen hat. Da möcht­en Sie auch nicht wis­sen, wo das Bil­ligfleisch herkommt. Auf den Straßen Berlins inter­essiert das nie­man­den, Haupt­sache bil­lig. Das freut die Touris aus der Prov­inz.

Immer­hin war das Parken gün­stig: 50 Cent für eine halbe Stunde — gün­stiger als daheim. Aber unter uns, Sie wis­sen schon: Beein­druck­end ist anders,

ihr Philibb
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Schokolade und Koffeein

Wenn ich Ihnen gestern mal einen Blick in meinen Arbeit­sall­t­ag gewährt habe, nun mal zu mein­er Hold­en. Ab und an frage ich mich ja schon, was man so den lieben lan­gen Tag macht in ein­er Lokalredak­tion, wo man doch haupt­säch­lich auf Unfälle und Tode­sanzeigen angewiesen ist. Man kann ja nicht immer den Göt­ter­gat­ten anrufen. Meine Holde baut da auf Kaf­fee und Leck­erlis. Irgend­wie muss der Tag ja rumzukriegen sein. Der beson­dere Kick kommt durch die Ver­pack­un­gen der Süßigkeit­en zu Feierta­gen auf oder bei neuen Schoko­ladenkreatio­nen. Schoko­lade mit Keks ste­ht da ger­ade ganz hoch im Kurs.
Gut, vielle­icht kommt dadurch hier und da die ern­sthafte Befas­sung mit der Welt unter die Räder, aber ich sage Ihnen mal was: Ein paar Lokalredak­tio­nen weit­er tauscht man Scho­ki und Kekse gegen Zicht­en und Sprit. Das grassiert beson­ders dort, wo sich die Redak­teure für verkappte Kün­stler hal­ten, die nur des Broter­werbs in die Niederun­gen dör­flich­er Dop­pelkopfrun­den abtauchen. Und aus deren Tex­ten, wenn man die mal genau liest, trieft der Zynis­mus nur noch so raus. Sowas wollen Sie gar nicht mor­gens zum Brötchen serviert bekom­men.

Dann doch eher, Sie wis­sen schon, All­t­ags­flucht­en in Schokokade und Kof­feein,

ihr Philibb

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Stalken und ignorieren

Tage gibt es, da geht einem die bessere Hälfte ja ordentlich auf den Zeiger. Aber, Sie wis­sen ja, in guten wie in schlecht­en Zeit­en, nicht wahr?

Gestern war so ein­er. Ich war kaum raus aus dem Haus, da klin­gelt mein Handy: “Du hast deine But­ter­stulle vergessen!” Ja, isja gut, dann hole ich mir halt ein Brötchen unter­wegs, mit solchen Her­aus­forderun­gen werde ich ger­ade noch sel­ber fer­tig.

Eine Stunde später ruft sie wieder an, als ich meinen Mailein­gang über­prüfe: “Und?” Was has­se gekauft?” Zwei Brötchen. “Das ist aber nicht so gut für die Gesund­heit, du sitzt eh zu viel, früher hast du mehr Sport gemacht, und dein Bauch war auch schon mal klein­er.” Da komm­ste zu nix, echt jet­zt.

Nach­mit­tags sitzen wir bei der Ten­den­z­analyse, die die Geschäfts­führung schon längst auf dem Tisch haben wollte, da klin­gelt es schon wieder. “Na, was mach­ste? Ach, ihr immer mit eueren Organ­i­sa­tio­nen und Ter­mi­nen, da kann sooooo wichtig doch gar nicht sein, haha!” Schon wieder gehen 10 Minuten durch ein über­flüs­siges Tele­fonat drauf.

Abends schafft es die Holde dann kurz vor der Tagess­chau auch mal, sich vom Rech­n­er zu lösen und ins Wohnz­im­mer zu kom­men. Da habe ich mich dann schlafen gestellt. Über was Wichtiges hätte sie mich sich­er schon per Handy informiert.

Tage wie dieser, Sie wis­sen schon,

ihr Philibb

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Heut’ mor­gen, da tre­ff ich doch beim Bau­markt auf­fem Park­platz Hoppe-Wielages Eugen von Liegen­schaft­samt. Den kenn ich ja noch von früher. Da konnste früher gut aufn Fre­itag­mit­tag hinkom­men, da wurde dicht gemacht, Schalusien runter, Pulle Schluck aufn Tisch und dann raus die Karten. Heutze­tage is ja der Fre­itag ein ganz nor­maler Arbeit­stag. Soweit iss­es schon gekom­men. Aber das wollte ich ja gar nicht erzählen.

Jeden­falls, wo war ich? Ach ja, wie ich Hoppe-Wielages Eugen tre­ffe. Da tre­ffe ich also den Hoppe-Wielages Eugen vom Liegen­schaft­samt und frag so: “Ja, sach­ma, Eugen, wie kann das denn angehn, dass da die Richter der Stadt so die Hosen run­terziehen mit die Kirmes­ge­bühren? Als ob die Verord­nun­gen noch während der Kirmes nach zu viel Kirmes­bier zusam­menge­tack­ert worn wärn. Avan­ti dilet­tan­ti oder was?”

- “Na, so war das ja nicht”, meinte der Eugen.

Wie?”

- “Na, es ist jet­zt nicht so, dass da nie­mand bei der Stadt wusste, dass das so nicht geht…”

Und warum hat da nie­mand was gesagt?”

- “Da hat schon der Zuständi­ge immer was gesagt. Aber der Zuständi­ge in ein­er Ver­wal­tung hat nicht immer das let­zte Wort. Es kann immer noch jemand kom­men, der weniger Bescheid weiß, aber auf ein­er höheren Stufe sitzt, und dann wird durchregiert.”

Und dann lassen die sich verk­la­gen, ob wohl sie wis­sen…”

- “Ach”, winkt Eugen ab, “so funk­tion­iert halt Ver­wal­tung heute. Irgend­wie wer­den die jet­zt halt ander­swo Kirmes­ge­bühren anheben. Da find­en die schon was. Die Tak­tik wäre ja auch lock­er durchgekom­men, wenn da nicht irgend­je­mand auf die Idee gekom­men wäre, sein gutes Recht einzu­fordern.”

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Früher, nech, früher, ja da hab ich mir fast immer in den Bade­schlüpfer gepullert, wenn ich im Aasee­bad dieses freudig ver­fehlte Ibb, Ibb — Hur­ra! gele­sen habe. Ich fand’s auch symath­isch, dass die CDU Teck­len­burg ihr altes TE-Num­mern­schild wieder­haben wollte, weil neue Kennze­ichen zuge­lassen wer­den kön­nen. Aber mehr Gedanken habe ich mir zur Dreibuch­stäbigkeit dann auch wieder nicht gemacht.

Nu gibt das bei Face­book eine Ini­tia­tive für ein IBB-Kennze­ichen für Autos. Und da habe ich wieder an das Aasee­bad gedacht. Und da habe ich wieder an den Bade­schlüpfer gedacht. Und an Bocholt, wo man kön­ftig mit BOH rum­fahren will. Und dann dachte ich: BOH-EY — Nee, bloß nicht. Und unsern Bürg­er­heinz meinte ja auch, dass das nicht wichtig wäre. Also, was soll’s.

Aber dann las ich, dass diese Neuetiket­tierung die Heimatver­bun­den­heit stärken soll und naja — das heißt doch auch zu Image-Grün­den. Also warum nicht?

Wussten Sie, dass das Kürzel IBB gar nicht so ungeläu­fig ist? Da gibt das die Investi­tions­bank Berlin, die sich so abkürzt. Und das Inge­nieur­büro für Beton- und Baustofftech­nolo­gie, die Ibb Mod­ul Air KG, die IBB Wohn­bau GmbH, das Inter­na­tionale Bankhaus Bodensee, das Insti­tute of Bio­math­e­mat­ics and Bio­m­e­try des GSF, das Insti­tut für beru­fliche Bil­dung, das Insti­tut für Bil­dung und Beratung und und und.

Jet­zt stellen Sie sich mal vor, die führen alle mit einem IBB-Kennze­ichen durch die Gegend. Eine bessere Image-Kam­pagne kann man sich doch gar nicht wün­schen. Und man kann das Hoch im Mün­ster­land endlich ein­stampfen. Zwei Fliegen mit ein­er Klappe. Würde ich als Bürg­er­meis­ter als erstes umset­zen. Denken Sie in der Wahlk­a­bine dran!

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Früher, nech, da saßen se bei Volks­festen alle traut beieinan­der: De Dok­tor, de Lehrer, de Pschtor, de Haus­frau, de Küs­terin, alle­mang. Da war es egal wo du herkamst oder wer du warst, man war beisam­men, drink noch eene met, so sollte es sein. Aber die Gemein­samkeit fand irgend­wann ihr Ende. Alles wurde lauter, alles musste tech­nis­ch­er wer­den, alles bess­er organ­isiert, alles, was früher neben­säch­lich war, nun drängte das sich in den Mit­telpunkt. Es musste irgend­was Beson­deres ins Prov­inzielle. Aus Spaß ver­anstal­tete man in den 90ern mal ein Okto­ber­fest. Aus Spaß. Das sollte kein Trend wer­den.

Nu’ is das Iro­nis­che ver­schwun­den, Okto­ber­feste in Preußen wieder­holen sich. Der alte Fritz würde im Grabe rotieren. Aber seien Sie beruhigt: Das preußis­che Okto­ber­fest ist auch ein Schutzwall. Denn während in unseren Bre­it­en­graden Preußen Bay­ern imi­tieren, fröh­nt man in Bocholt der Kirmes. Man nimmt sich den Fre­itag frei und wartet — auf den Wendler.

Der Wendler wurde ja dere­inst bekan­nt durch das Besinge ein­er vere­in­samten Dis­cobe­sucherin, die den Hob­by­plat­te­nau­fleger hin­ter­her­him­melt. Und seine Zuhörerin­nen him­melten dann genau­so dem Wendler hin­ter­her, auch wenn der sangestech­nisch nichts nach­le­gen kon­nte. Der Rat­ten­fänger des Ruhrge­bi­ets eben. Und weil sich Bocholt eher dem Rhein­land und dem Ruhrge­bi­et als dem Mün­ster­land zuge­hörig fühlt, gibt es jedes Jahr eine Sange­sau­dienz des Wendlers.

Und ich sage Ihnen eines: Gegen Wendlererschei­n­un­gen helfen nur ähn­lich däm­liche Aktio­nen wie preußis­che Okto­ber­feste. Da bin ich aber man fest von überzeugt. Face­book-Grup­pen, die ihn zu vertreiben suchen, wer­den das nicht schaf­fen. Um Gaby Bagin­sky-Auto­gramm­stun­den sind wir noch herumgekom­men, aber die GZSZ-Sternchen, RTL-Pro­lls und Mar­cus Schenken­bergs dieser Welt schar­ren schon mit den Hufen.

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Ich sach ja, Tach ein, Tach aus, es ist unterm Strich doch zu dunkel inne Stadt. Zu viele dun­kle Gässken. Da gehen se von ein­er beleuchteten Straße kurz in eine Gasse und schwupss, da wis­sen se doch gar nicht mehr, was man da tut, wenn da was passiert. Es müsste heller wer­den. Sich­er. Son­st zün­den da die Jun­gens gle­ich Büch­er und Zeitun­gen an, wie jet­zt.

Ja, gut ich weiß auch nicht, was diese Büch­er im Glass­chrank da ver­loren haben. Liest doch kein­er, was soll man die da nicht mal anders ver­wen­den? Früher, ja früher wurde öffentlich mehr gele­sen. Da hätte man sich bei Bücherver­bren­nun­gen auch noch mehr erregt. Zu mein­er Zeit nahm man sich die Zeitung und set­zte sich inne Stadt auffe Mauer. Dann fal­tete man sie zusam­men, schaute dem Treiben in der Stadt zu, pro­minierte etwas und dann ließ man die Zeitung irgend­wo liegen. Sollte doch ein ander­er sie fer­tigle­sen.

Das braucht man heute ja auch nicht mehr, ste­ht ja bei denen heute alles im Schaufen­ster. Fehlte nur noch, dass die den Schaufen­sterkiek­ern auch noch ein schlecht­es Gewis­sen einre­den, was ihnen denn ein­fällt, kosten­los ins Schaufen­ster zu kieken.

Auslei­h­bare Taschen­lam­p­en am Ein­gang der Stadt. Das wäre mal eine Maß­nahme. Dann müsste man auch nicht extra hell machen.

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Als langjähriger Press­esprech­er ein­er Lokalpartei füh­le ich mich dem Amt des Bun­de­spräsi­den­ten gewach­sen. Ich kann gut Geld annehmen, Hän­de­schüt­teln, bei Fre­un­den über­nacht­en, auf Mail­box­en brüllen und Flugtick­ets upgraden lassen.

Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem nor­male Men­schen wie ich nicht Bun­de­spräsi­dent wer­den.

Der Gauck will’s ja eh nicht machen, der Lanz macht Wet­ten, dass..?, Dep­pen­dorf kommt aus seinem Ver­trag nicht raus und die von der Leyen will kein­er. Sie sehen: Es bleiben nicht viele.

Wählen Sie mich! Ein­er von unten. Ein Nör­gler aus dem Volke. Warum nicht?

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Früher, als wir noch jung waren, ja da kan­nten wir nichts: Da sind wir über­all mit unsere Mofas übers Gelände gebret­tert, auf den Wegen, neben den Wegen, bis die Beine zit­trig wur­den. Da wurde keine Rück­sicht genom­men auf die Natur und die angelegten Wege.

Heute ist das ja anders. Wenn ich heute so die Straße ent­lang fiet­ze, nehme ich immer den Bürg­er­steig. Ich sag immer so: Bis 8 muss man den als Fahrrad­fahrer benutzen, ab 8 darf man. Das schont ja auch den nor­malen Straßen­teer. Als Poli­tik­er muss man auch wirtschaftlich denken. Ich mach dann auch nicht mehr Licht an abends, weniger Elek­triz­ität schont die Umwelt, sag ich immer. Man kann heute ja gar nicht mehr anders als ökol­o­gisch denken. Dafür stelle ich dann meinen Fiet­z­mo­tor höher ein, damit ich schneller an den Wiesen vor­bei bin und die Tiere scho­nen kann. Man hat halt auch Ver­ant­wor­tung den andern gegenüber.

Ja, und wis­sen Sie, was das Ganze auch noch schont? Meine Ner­ven. Denn ich muss mich nicht darüber aufre­gen, wie hoch die Parkge­bühren in der Innen­stadt sind.

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Joooooooh, ger­ade noch mal gut gegan­gen. Ich habe mich eben nach meinem Mit­tags­bier inne Stadt noch rechtzeit­ig auf meinen Draht­e­sel geschwun­gen, um vor dem Regen nach Hause zu kom­men. Das ist manch­mal ein doch schon knappes Ren­nen. Aber was ich fra­gen wollte: Sind Sie eigentlich in let­zter Zeit schon mal mit offe­nen Augen auf dem Weg aus der Stadt gewe­sen?

Wenn, dann würde Ihnen was auf­fall­en. Da latscht ein­er nach dem andern zu Fuß mit seinem Handy in der Hand und Stöpsel im Ohr her und spielt rum. Und wenn Sie jet­zt fra­gen: Ja, was machen die denn da? Da gibt es schon einen Begriff für. Das muss die Indus­trie erfun­den haben, anders kann man sich das nicht vorstellen.

Wenn so ein Jüngling sich so die Plas­tikknöpfe ins Ohr dreht und unun­ter­brochen auf seinem Handy rumditscht, dann nen­nt man das erweit­erte Real­ität. Da kön­nense sich dann, wenn Sie vor lauter aufs Handy guck­en gegen einen Lat­er­nenpfahl geschmettert sind, gle­ich den schnell­sten Weg zum näch­sten Dok­tor zeigen lassen. Erweit­erte Real­ität! Früher, ja früher musste man noch derbe viel rauchen für, bis dass die Real­i­tiät mal ordentlich erweit­ert war.

Das geht heute mit so einem Bat­terie betriebe­nen Elek­troteil. Und wenn Sie mich fra­gen: Der Bescheuerungs­grad ist der­selbe!

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