Stichwort: Experte

Oh, *POPCORN*, die IVZ hat eine Abnehm­ex­per­t­in aufgetrieben, die sog­ar schon ein eige­nes Buch auf dem Markt hat. Die Kun­den­rezen­sio­nen auf Ama­zon dazu kom­men mir zwar größ­ten­teils wie Anfänger­fakes vor, aber was soll’s.

Die Heil­prak­tik­er­in meint, sie habe ein Abnehmver­fahren, das besser wirkt als “kon­ven­tionelle Diäten”. Was ist denn hier das spezielle Ele­ment, das ste­ht in der IVZ ja irgend­wie gar nicht beschrieben? Kaf­fee ver­graben? Dreimal um’s Haus ren­nen vor dem Stuhl­gang? Nein, ganz falsch: Es ist Klopfen!

Und das machen wir doch jet­zt alle mal: Entspan­nen Sie sich, lassen Sie ihre Arme leicht baumeln, heben Sie nun ihren recht­en Arm, beu­gen Sie ihn etwas und tip­peln sie sich erst­mal mit dem Zeigefin­ger ganz san­ft gegen die Schläfe. Dann lassen Sie ihre Seele ihren Klopfrhyth­mus find­en. Ganz leicht aus ihrem Inneren her­aus. Klopfen Sie immer weit­er! Jet­zt erzäh­le ich Ihnen noch, dass eine Beratungsstun­de für indi­vidu­elles Klopfen 180 € kostet, und Sie sehen: Das Klopfen hat automa­tis­ch eine viel höhere Tak­t­fre­quenz angenom­men! Die Tak­t­fre­quenz der Seele.

Paul Ulrich Unschuld vom Horst-Görtz-Stiftungsin­sti­tut an der Berlin­er Char­ité meint zu diesem Ver­fahren:

Es gibt keine ern­sthafte Forschung zur Effizienz solcher Maß­nah­men etwa bei Dia­betes — und kein ser­iöser Endokri­nolo­ge würde sich je an so etwas her­antrauen

aber für das Niveau der IVZ reicht es dann eben doch, darüber einen kom­plett kri­tik­losen und das The­ma nicht hin­ter­fra­gen­den Artikel zu schreiben.

am 28.10.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Ich habe mich ja vor Kurzem über die Gefahren bei Stream­ing-Ange­boten im Inter­net aus­ge­lassen. Die IVZ hat da jet­zt mal *POPCORN* einen Experten befragt: Stream­ing ist nicht straf­bar.

Das passiert auch nicht oft, dass schon die Über­schrift falsch ist. Stream­ing beze­ich­net einen Daten­strom über Com­put­er­net­zw­erke. Diesen kann ich emp­fan­gen oder senden, insofern spricht man auch von einem einge­hen­den und einem aus­ge­hen­den Stream. 

Das Prob­lem mit Inter­net­seit­en, die Streams zu Medi­en zur Ver­fü­gung stel­len ohne dass sie daran Veröf­fentlichungsrechte hät­ten, ist, dass viele Nutzer nicht erken­nen, ob ein angeschauter Stream nur einge­hend ist oder auch nahezu zeit­gle­ich wieder aus­ge­ht.

Generell sei gesagt, dass es kein Grund­satzurteil zum einge­hen­den Strea­men ille­gal zur Ver­fü­gung gestell­ter Medi­en gibt. Das Versenden eines Streams, an dessen Inhalt man keine Veröf­fentlichungsrechte besitzt, ist allerd­ings sehr wohl straf­bar und es sind auch schon Pri­vat­per­so­n­en wegen zur Ver­fü­gung gestell­ten Streams durch aus­ge­hen­de Streams abgemah­nt wor­den.

Noch ein Schmankerl aus dem Inter­view:

Was passiert, wenn plöt­zlich Post vom Anwalt ins Haus flat­tert?

Plegge: Dann ist es in der Regel schon zu spät.

Vielle­icht soll­te man besser sagen, was jemand tun soll­te, der einen solchen Brief bekommt: 1. Ruhe bewaren. 2. Sofort damit zum Fachan­walt gehen und — sofern man juridis­ch nicht bewan­dert ist — in keinem Fall eigen­ständig auf ein solch­es Schreiben antworten. Der­ar­tige Briefe sind oft gespickt mit zu hohen Forderun­gen und Fangfra­gen, die allein schon wieder viel Geld kosten kön­nen, wenn man auf sie antwortet. Da sind die Kosten für einen Fachan­walt oft­mals deut­lich bil­liger als ein direk­tes Einge­hen auf die Forderun­gen.

am 19.10.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Fre­un­de, holt das Pop­corn raus, die IVZ hat wieder einen Experten am Wick­el. Was ist denn das The­ma heute? Quan­ten­physik stützt die Exis­tenz Gottes. Ganz mein Humor. Gott per Quan­ten­physik beweisen, wieso nicht gle­ich über die Steuer­erk­lärung? Aber gut, lassen wir den Experten erst­mal selb­st reden:

Ich stim­me Ihnen zu, dass es im wis­senschaftlichen bzw. im natur­wis­senschaftlichen Welt­bild keinen Platz für Gott gibt. Das liegt allerd­ings weniger an der Unmöglichkeit von Gottes­be­weisen, son­dern eher am Prinzip der wis­senschaftlichen Meth­ode.

Ja, das nen­ne ich mal Experten­wis­sen. Es liegt am Prinzip der wis­senschaftlichen Meth­ode, dass Gott noch nicht bewiesen ist. Weiß der Teufel, was dieses Prinzip ist. Dass Men­schen Wis­senschaft ausüben?

Für mich ist der gesamte Evo­lu­tion­sprozess ein „Wer­den Gottes“, an dem alles Anteil hat. Ähn­lich wie Teil­hard de Chardin sehe ich im Evo­lu­tion­sprozess eine ständig anwach­sende materielle Kom­plex­ität – vom Quant bis zum Men­schen – begleit­et von einem ständig zunehmenden Bewusst­sein. Dabei ist das „Bewusst­sein“ eines Quants als rudi­men­tär zu sehen und nicht mit unserem Bewusst­sein zu ver­wech­seln.

Aha. Wir sind also kom­plexe Quan­ten? Und wer­den irgend­wann alle BMWs besitzen? Ich glaube, ich kom­me da durcheinan­der.

Die Quan­ten­physik hat mir dabei sehr geholfen, diese Sichtweise zu ver­tiefen. Das Ziel dieser Bewusst­sein­sen­twick­lung ist es, dem göt­tlichen Bewusst­sein immer näherzukom­men. Jesus hat dieses Ziel bere­its vor 2000 Jahren erre­icht.

Jesus war ein Bewusst­sein­sen­twick­ler und hat die Quan­ten­physik vor­weggenom­men?

Ich glaube, dass diese materielle Welt, die wir täglich erleben, einge­bet­tet und durch­drun­gen ist von ein­er hin­ter­gründi­gen geisti­gen Wirk­lichkeit, der wir im West­en den Namen Gott gegeben haben. Diese Überzeu­gung habe ich zum einen durch meine per­sön­liche Lebenser­fahrung gewon­nen, zum anderen leite ich sie ab von Erken­nt­nis­sen der Quan­ten­physik.

Tja, und ich glaube, dass ist im Grun­de alles 42. Das habe ich den Schriften von Dou­glas Adams und mein­er per­sön­lichen Lebenser­fahrung ent­nom­men. Außerdem leite ich sie aus dem Kaf­feep­rütt ab.

Diese in der Quan­ten­welt erkennbare Grund­struk­tur unseres Uni­ver­sums als ständi­ger Aus­tausch zwis­chen sicht­bar­er Real­isierung und nicht-sicht­bar­er Entwick­lung von Möglichkeit­en finde ich auch im Men­schen wieder: in der Inter­ak­tion zwis­chen Kör­per und Geist.

Tja, da hapert es aber auch schon wieder im Gebälk: Es ist bis­lang gän­zlich uner­forscht, wie es möglich ist, dass ein Men­sch über seinen Geist den eige­nen Kör­per steuert. Fragt man z.B. wieso man nicht genau­sogut den Kör­per eines anderen steuern kön­nte, muss diese Frage nach heutigem Wis­sen ungelöst bleiben. Und daraus fol­gt gar nichts. So wenig wie aus ein­er Annah­me über die Wahrschein­lichkeit der Exis­tenz Gottes irgen­det­was über die tat­säch­liche Exis­tenz Gottes aus­ge­sagt wird.

Im Rückschluss bedeutet das, wenn unser Experte seine Ableitun­gen der­art willkür­lich, aber gewollt her­anzieht, ist damit nichts gezeigt. Nur, dass er daran glaubt. Und das wol­len wir ihm lassen.

am 21.09.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

In der IVZ schreibt man über das Frei­funk-Pro­jekt, eine Ini­tia­tive, um an möglich­st vie­len Orten Wlan-Router zur Ver­fü­gung zu stel­len, sei es bei kom­merziel­len oder nicht-kom­merziel­len Dien­stan­bi­etern.

Der Knack­punkt, viele Mit­stre­it­er zu überzeu­gen, wird neben ein­er tech­nis­ch leicht­en und ein­wand­freien Umset­zung die Sicher­heit in rechtlichen Fra­gen sein. Das gilt es, klar her­auszuar­beit­en.

Lei­der leis­tet die IVZ in dieser Hin­sicht keinen Dien­st, son­dern lässt man jeman­den aus dem Vor­stand des Stadt­mar­ket­ing Vere­ins in Ibben­büren kri­tik­los zu Wort kom­men:

Mit dem Router der Frei­funker haben diese eine tech­nis­che Möglichkeit gefun­den, die Stör­erhaf­tung zu umge­hen. Zumal den Frei­funkern sog­ar per Gericht das Provider­priv­i­leg zuge­sprochen wur­de, das son­st nur kom­merzielle Anbi­eter genießen. Und deshalb ist dieser Weg auch rechtlich ein­wand­frei nach aktueller Geset­zes­lage.

Das klingt schön, stimmt nur lei­der nicht. Den Frei­funkern wur­de bish­er nicht per Gericht das Provider­priv­i­leg zuge­sprochen. Somit ist dieser Weg nicht rechtlich ein­wand­frei und schon gar nicht nach aktueller Geset­zes­lage. Es ist besten­falls bei Kla­gen unwahrschein­lich, wegen Stör­erhaf­tung belangt zu wer­den. Heute schon von ein­er Rechtssicher­heit bei Frei­funkern zu sprechen ist schlicht nicht kor­rekt — so sehr es zu wün­schen wäre.

Und auch bei der IVZ selb­st geht es kun­ter­bunt durcheinan­der:

Hin­ter­grund der bish­eri­gen Gericht­sentschei­dun­gen ist die nur in Deutsch­land beste­hen­de Stör­erhaf­tung nach dem Teleme­di­enge­setz.

Sie kön­nen ja mal raten, wo die Stör­erhaf­tung nicht geregelt wird. Klein­er Tipp: Nicht im Teleme­di­enge­setz.

Diese besagt, dass Unternehmen, wie zum Beispiel Hotels, Kneipen oder Cafés dafür ver­ant­wortlich sind, wenn über ihren WLAN-Zugang Nutzer Straftaten bege­hen, indem sie sich beispiel­sweise ille­gal Musik oder Filme run­ter­laden.

Das Gegen­teil ist der Fall: Die §§8–10 des Teleme­di­enge­set­zes regeln das soge­nan­nte Provider­priv­i­leg, dem zufol­ge Inter­net­zu­gangsan­bi­eter, zu denen mitun­ter auch Hotels und Cafés gerech­net wer­den, die einen Inter­net­zu­gang anbi­eten, ger­ade nicht für Straftaten von Nutzern haften, sofern sie sich an die Dien­stan­bi­eterpflicht­en hal­ten. Ob das Provider­priv­i­leg gän­zlich von der Stör­erhaf­tung befre­it, ist somit offen.

Kün­ftig kön­nte es allerd­ings für kom­merzielle Anbi­eter freier Wlan-Net­ze etwas heikel­er wer­den: Der kri­tis­che Punkt ist diese Pas­sage des abges­timmten Ref­er­ente­nen­twurfs des Bun­desmin­is­teri­ums für Wirtschaft und Energie:

(4) Dien­stean­bi­eter, die einen Inter­net­zu­gang nach Absatz 3 geschäftsmäßig oder als öffentliche Ein­rich­tung zur Ver­fü­gung stel­len, kön­nen wegen ein­er rechtswidri­gen Hand­lung eines Nutzers nicht auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men wer­den, wenn sie zumut­bare Maß­nah­men ergrif­f­en haben, um eine Rechtsver­let­zung durch Nutzer zu ver­hin­dern. Dies ist ins­beson­dere der Fall, wenn der Dien­stean­bi­eter
1. angemessene Sicherungs­maß­nah­men durch anerkan­nte Ver­schlüs­selungsver­fahren oder ver­gle­ich­bare Maß­nah­men gegen den unberechtigten Zugriff auf das draht­lose lokale Funknetz durch außen­ste­hen­de Drit­te ergrif­f­en hat und
2. Zugang zum Inter­net nur dem Nutzer gewährt, der erk­lärt hat, im Rah­men der Nutzung keine Rechtsver­let­zun­gen zu bege­hen.

Die Pas­sage soll dazu dienen, Leute zu ver­fol­gen, die Kinder­pornographis­ches aus dem Inter­net saugen, und sowas lässt sich wohl in einem öffentlichen Netz besser an als daheim. Viel Spaß also dabei, wenn die Staat­san­waltschaft auf der Mat­te ste­ht und Namen wis­sen will — denn die hat man laut Entwurf zur Sicher­heit besser zu ken­nen, will man nicht haften.

Hierzu
Thomas Stadler: Wie die Fach­welt auf den Geset­ze­sen­twurf zur WLAN-Haf­tung reagiert

am 25.03.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Mit ihren Experten hat die IVZ kein Glück, auch das The­ma Inter­net ist irgend­wie nicht ihres. In der dieswöchi­gen Ver­anstal­tung soll­te es zu “Einkaufen, bezahlen und über­weisen im Inter­net” gehen, auf gut deutsch: Um die Sicher­heit von Über­weisun­gen über das Inter­net. Dazu hat­te die IVZ Experten ein­ge­laden, die sie dann auch in der Über­schrift des dazuge­höri­gen Artikels Experten nen­nt und die sowas wohl von sich gegeben haben:

Brinkmann: Pay­pal ist aber ein Drit­ter, ein Dien­stleis­ter. Sie hin­ter­lassen dabei Ihre Daten. Wenn Sie dann im Netz bezahlen, geben Sie Ihr Pass­wort ein – mehr Schutz ist da aber nicht. Wenn es jemand schafft, an Ihr Pass­wort zu kom­men, dann ste­ht die Sche­une offen.

Falsch. Man kann seine Über­weisun­gen bei Pay­pal mit SMS absich­ern. Außerdem kann man mit Pay­pal nur über­weisen, wenn sich auf einem dor­ti­gen Kon­to Geld befind­et oder wenn eine Verbindung zu einem Girokon­to beste­ht — welche man aber auch löschen kann.

Brinkmann: […] Echte Mah­nun­gen müssen in Deutsch­land übri­gens postal­is­ch zugestellt wer­den.

Falsch. Mah­nun­gen per E-Mail sind zuläs­sig.

Noch schön­er wird es im Video zur Ver­anstal­tung, wenn Herr Brinkmann fragt, ob man für Pay­pal-Transak­tio­nen zahlt. Die richtige Antwort wäre gewe­sen, dass es Transak­tion­s­ge­bühren gibt, die manch­mal der Rech­nun­gaussteller und manch­mal der Rech­nungs­be­gle­icher übern­immt. Herr Brinkmanns Antwort auf das Zahlungsmit­tel für Transak­tion­skosten bei Pay­pal dage­gen ist:

Die Daten, ja.

Willkom­men in der Welt der Ver­schwörungs­the­o­rie: Für Brinkmann ist Pay­pal wohl eine Datenkrake, bei der Kun­den mit Daten statt Transak­tion­skosten zahlen, ohne dass diese Behaup­tung irgend­wie belegt wird. Die IVZ ver­ste­ht ihn in ihrer gedruck­ten Aus­gabe eben­so:

Ste­fan Brinkmann über Bezahl­dien­ste wie “Pay­pal”, die mit den Daten ihrer Kun­den Geld ver­di­en­ten.

Zum Schluss des Videos gibt er noch 10 Ver­hal­tensweisen zum Schutz vor nicht autorisierten Über­weisun­gen preis, von denen ihm nur drei ein­fal­l­en und die drit­te ist schon die Rückbesin­nung auf den gesun­den Men­schen­ver­stand, um auch noch zu sagen:

Eine Rück­über­weisung wird es nicht geben.

Möchte jemand raten, wer Rück­über­weisun­gen anbi­etet? Pay­pal.

Auf den Vor­trag Brinkmanns fol­gte Herr Feck:

[Feck:] bei grober Fahrläs­sigkeit – dazu gehöre übri­gens auch, ohne Viren­scan­ner zu sur­fen – habe der Nutzer selb­st den Schwarzen Peter.

Falsch. Geschädigte haften bei nicht autorisierten Über­weisun­gen nur, wenn die Bank ihnen grobe Fahrläs­sigkeit nach­weisen kann. Daher schreibt der WDR:

Sobald die Bank dies nicht nach­weise oder nicht nach­weisen kön­ne, müsse sie dem Kun­den das fälschlicher­weise über­wiesene Geld erstat­ten.

Übri­gens hat laut Chris­tian Solmecke der Bun­des­gericht­shof bis­lang immer verneint, dass es seit­ens Win­dows-Benutzer grob fahrläs­sig wäre, keinen Viren­scan­ner instal­liert zu haben.

Als Leser weiß man an dieser Stelle auch nicht, ob Fehler beim Experten oder beim Textver­fasser zus­tande kom­men, denn auch die Hil­festel­lung bei Phish­ing ist eher so…

Feck: Wenn Sie noch mal diese Mail bekom­men, dann kön­nen Sie es an den „Phish­ing-Read­er“ der Ver­braucherzen­trale senden. Wir prüfen das, gegebe­nen­falls wird die Adresse ges­per­rt.

Wenn sie jet­zt den “Phish­ing-Read­er” über Google nicht find­en kön­nen, kön­nte es daran liegen, dass er Phish­ing-Radar heis­st. Und was für eine E-Mail-Adresse da dann ges­per­rt wer­den soll, ist mir auch nicht ganz ersichtlich.

Ich habe heute viel gel­ernt. Vor allem: Man soll­te seinen Com­put­er schützen“, fasste Dr. Peter Erf, stel­lvertre­tender Leit­er der Volk­shochschule Ibben­büren, den Abend in seinem Schluss­wort zusam­men.

Und immer schön beim Kaf­feetrinken den Löf­fel aus der Tasse nehmen, damit man sich nicht ins Auge sticht.

am 24.10.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

IVZ hat ihre Ver­anstal­tung Meine ver­net­zte Welt in Wort und Ton online gestellt. Und jet­zt kann sich jed­er bestätigt füh­len, der bezweifelt hat, dass aus der Ver­anstal­tung ohne genaues The­ma irgen­det­was rauskom­men würde.

Hät­te man früher mit Pfer­dewa­genbe­sitzern eine Podi­ums­diskus­sion zur Ein­führung des Auto­mo­bils gemacht, es wäre wohl unge­fähr so ein Schmus raus­gekom­men: Da wird dem Briefeschreiben gehuldigt, beklagt, dass Leute in Region­al­bah­nen zu wenig aus den Fen­ster schauen, und dass der Emp­fang von diesem Inter­net auf dem Schaf­berg nicht gut funk­tion­iert. Und, ach ja, das Inter­net wird Dig­i­tale Welt genan­nt, da waren Kreative am Werk.

Dass der dauer­begeis­terte Ref­er­ent mit sein­er Behaup­tung, 2,4 Mio. Men­schen seien 2013 online gewe­sen sind, genau­so haarscharf daneben liegt wie mit der Behaup­tung, kein anderes Land als Chi­na habe mehr als 1,1 Mrd. Ein­wohn­er — so genau will das nie­mand wis­sen.

Es war eine Ver­anstal­tung, bei denen die betagten Zuhör­er als Kulis­se für Video- und Zeitungs­beiträge über Leute, die mal wieder vor bun­ten Plakatwän­den ste­hen woll­ten, dienen soll­ten. Ganz toll. Von sowas brauchen wir unbe­d­ingt mehr von.

am 21.03.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Dr. Renate Engel ist von Andrea Bracht in der IVZ zu Kant inter­viewt wor­den. Natür­lich wird nie­mand Kant gerecht, wenn er so kurz mal eben raushauen soll, was an Kant dran ist. Das bedeutet aber auch nicht, dass man so falsch liegen soll­te. Aber lassen wir die Inter­viewte zu Wort kom­men:

Als erstes möchte ich den Begriff der Men­schen­würde nen­nen. Kant sagt: Eine Sache hat einen Preis. Aber eine Per­son, die zu sich sel­ber “Ich” sagen kann, die Ver­ant­wor­tung übernehmen kann, hat Würde. Und die Men­schen­würde ist unan­tast­bar.

[Frage Andrea Bracht:] “Die Würde des Men­schen ist unan­tast­bar” ist der Artikel unseres Grundge­set­zes. Den ver­danken wir Kant?

Sehr gute Frage. Die Anwort ist Nein. Mir ist auch unbekan­nt, dass Kant zwis­chen Per­so­n­en, die zu sich sel­ber “Ich” sagen kön­nen, und solchen, die das nicht kön­nen, moralis­ch unter­schieden hät­te. Zur Bes­tim­mung ein­er Ver­let­zung der Men­schen­würde wird von deutschen Gericht­en oft­mals die Objek­t­formel herange­zo­gen, die sich an Kant anlehnt. Im Wort­laut Kants wird klar, worauf er aus ist:

Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquiv­a­lent geset­zt wer­den; was dage­gen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquiv­a­lent ver­stat­tet, das hat eine Würde. […] was die Bedin­gung aus­macht, unter der allein etwas Zweck an sich selb­st sein kann, hat nicht bloß einen rel­a­tiven Werth, d. i. einen Preis, son­dern einen innern Werth, d. i. Würde. (Kant, AA IV, 434f.)

Offen­bar kön­nen Men­schen nach Kant eben auch Preise haben, wie Fuss­ball­spiel­er Ablös­esum­men, sie haben eben zudem auch eine Würde.

Worauf ich mit diesem ganzen Artikel hin­aus will: Heutzu­tage legt anderen Per­so­n­en, ger­ade wenn sie tot sind und sich nicht wehren kön­nen, sehr leicht Dinge in den Mund, die sie nicht behauptet haben. Wie z.B. dass Kant

uns Men­schen auf­fordert, selb­ständig zu philoso­phieren, anstatt Wis­sen von Philosophen in uns anzuhäufen.

Wo soll Kant denn sowas gesagt haben? Selb­st philoso­phieren, statt Wis­sen von Philosophen anzuhäufen? Kant hat eigentlich selb­st das Gegen­teil getan: Jahre­lang sich an anderen abgear­beit­et, und mit diesem Wis­sen seine eigene Philoso­phie aufge­baut.

Kom­men wir zum ange­blichen Frei­heits­be­griff Kants:

[B]in ich frei genug, über meinem Impuls zu ste­hen und anders zu han­deln, als ich es spon­tan tun würde? Das ist die Idee der Frei­heit, wie Kant sie ver­standen hat.

Nein, ist es nicht. Kant definiert 6 Frei­heits­be­grif­fe, die zu erläutern an dieser Stelle nicht nötig ist. Zu diesen zählt die oben gewählte For­mulierung nicht. Die gestell­te Frage, kann ich über meinem Impuls ste­hen und anders han­deln als ich spon­tan han­dle, ist keine, die Men­schen nach Kant über­haupt beant­worten kön­nen. Wer so etwas behauptet ver­liert, den weisen Biolo­gen berechtigt darauf hin, dass Men­schen Hand­lun­gen ini­ti­ieren, bevor diese dem Men­schen im Geis­te bewußt wer­den. Kurzum: Wäre das Kants Frei­heits­be­griff, wäre er wohl nicht halt­bar.

Der Kat­e­gorische Imper­a­tiv. So in aller Munde und doch so kaum ver­standen. Ange­blich

ein nicht inhaltlich gebun­de­nes Prü­fungsver­fahren. Das heißt, mir wird nicht inhaltlich gesagt: Du soll­st nicht töten. Son­dern es wird gesagt: Prüfe, ob die Richtlin­ie, nach der Du jet­zt in dieser Sit­u­a­tion han­deln möcht­est, ein all­ge­meines Gesetz wer­den kön­nte. Ein Gesetz, das für jeden gilt, immer und auf der ganzen Welt. Wenn ja, dann kann ich danach han­deln — oder zumin­dest sagen: Das wäre eine moralis­ch gute Hand­lung nach Kant.

Falsch. Alles kann nach Kant ein Gesetz wer­den, im juridis­chen Sin­ne. Die Frage im Einzelfall ist, ob die indi­vidu­elle Per­son dies wol­len kann, genauer gesagt: wider­spruchs­frei wol­len kann. Kant zielt hier auf die nicht bloß sub­jek­tive Ein­schätzung ein­er Hand­lung, nicht auf die Instal­la­tion eines Geset­zes. Zudem: Kant ist vor­sichtig bei moralis­ch guten Hand­lun­gen. So ein­fach wie im Zitat beschrieben, würde Kant nicht von moralis­ch guten Hand­lun­gen sprechen, da Men­schen partei­is­ch sein und sich irren kön­nen.

Kant hat den Glauben zu ein­er Sache jedes Einzel­nen gemacht.

Oh, das muss ein ganz neues Ergeb­nis der Kant­forschung sein. Aber ich denke, damit schus­tert man Kant schlicht zu viel zu.

Und so müssen wir — wenn wir Gott nicht zu einem wiss­baren Ding machen wol­len, darauf ver­trauen, dass wir ihn als gute Macht in unserem Han­deln prak­tis­ch ver­wirk­lichen.

An dieser Stelle soll­te mal her­aus­ge­hoben wer­den, dass dies eine Pri­vat­mei­n­ung ist und mit Kant nichts zu tun hat. Als I-Tüpfelchen fasst die Jour­nal­istin dann das, was sie für den Kat­e­gorischen Imper­a­tiv hält, so zusam­men:

Man soll also stets ratio­nal han­deln.

am 12.02.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Ich hat­te schon ein­mal richtig nervi­gen Ärg­er mit Urhe­ber­rechtsver­let­zun­gen. Damals wandte ich mich an einen Urhe­ber­recht­sex­perten, und wenn ich lese, was in diesem Artikel in der IVZ zu den aktuel­len Schwierigkeit­en mit Urhe­ber­rechtsver­let­zun­gen auf Face­book ste­ht, bin ich glück­lich, keine Hil­fe in Ibben­büren gesucht zu haben. Der Experte dort meint,

Ste­ht ein Link auf mein­er Seite, bin ich als Täter oder Stör­er ein­er Urhe­ber­rechtsver­let­zung anzuse­hen

Falsch. Links zu Inhal­ten, die gegen Urhe­ber­rechte ver­stoßen, machen wed­er den Ver­link­enden noch den Ver­ant­wortlichen ein­er Face­book-Pin­nwand (s.u.) schlechthin zum Täter oder Stör­er.

Dem Geg­n­er der Forderung kann man zunäch­st ein­mal über den Anwalt eine Abmah­nung schick­en. Das kostet den Geg­n­er nor­maler­weise einige Hun­dert Euro – also das Hon­o­rar des Anwalts.

Hier wird ein falscher Ein­druck erweckt: Die Abmah­nung ist für Pri­vat­nutzer, und um die geht es ja in diesem Artikel, auf 100€ gedeck­elt. Nie­mand, der pri­vat abgemah­nt wird, soll­te auf Forderun­gen über 100€ einge­hen. Sind die anfal­l­en­den Anwalt­skosten höher, ist das Sache des Abmah­nen­den.

In der Face­book-Debat­te geht es ja nur ums Anschauen, in der Regel für einen beschränk­ten Kreis von Usern.

Falsch. In der Face­book-Debat­te geht es ger­ade nicht um einen beschränk­ten Kreis von Nutzern, sprich: für fremde Augen ges­per­rte Pro­file, son­dern um öffentliche, für jed­er­mann ein­se­hbare Pro­file. Es wäre schon sehr ver­wun­der­lich, wenn mich ein Fre­und wegen Urhe­ber­rechtsver­let­zung verk­lagt.

Aber der größte Lacher kommt zum Schluss:

Wie kann ich mein Pro­fil abmahn­sicher machen?

Plegge: Man soll­te auf das Bauchge­fühl hören. Das sagt einem schon, was erlaubt ist und was nicht.

Falsch. Ich soll­te ein­fach mein Pro­fil absper­ren, mein Pro­fil aus der Google-Suche ent­fer­nen, ich kann die einzel­nen Beiträge auf mein­er Pin­nwand für jeden Beitrag nur für eine geschlossene Betra­chter­grup­pe ein­se­hbar und damit nicht weit­erteil­bar machen, oder ganz grund­sät­zlich Face­book nur mit einem Pseu­do­nym nutzen. Und wenn danach noch Bedarf ist, kann ich ja mal auf mein Bauchge­fühl hören.

Zudem erweckt der Sprecher im Video unter dem Text den Ein­druck, ein Face­book-Nutzer hafte jed­erzeit für Inhal­te Fremder auf der eige­nen Face­book-Pin­wand:

Dadurch, dass das besagte Bild auf meine Pin­nwand gestellt wird — und sei es auch nur als brief­marken­großes Thumb­nail — dadurch wird es ein Inhalt auf mein­er Seite und ich bin für die Urhe­ber­rechte ver­ant­wortlich.

Ja, das ist übri­gens total sin­nvoll, dass Anwäl­te bevor sie Anwalt wer­den, Jura studiert haben, son­st kommt da so ein Geschwätz bei rum. Natür­lich bin ich nicht für das Urhe­ber­recht eines Gegen­stands ver­ant­wortlich, nur weil irgend­je­mand ihn auf meine Face­book-Pin­nwand stellt. Das wäre ja noch schön­er. Auch für eine Urhe­ber­rechtsver­let­zung auf mein­er Face­book-Pin­nwand durch Fremde hafte ich nur bei pos­i­tiver Ken­nt­nis der Rechtsver­let­zung.

Unterm Strich: Ein fürchter­licher Artikel — wed­er Jour­nal­is­ten, noch Experte sind sach­lich auf der Höhe.