Stichwort: Donots

Zum umstrit­te­nen Neu­jahrsemp­fang der AfD in Mün­ster kamen heute 8000 Men­schen in die Innen­stadt Mün­sters, um friedlich gegen Rechts zu demon­stri­eren. Donots-Front­mann Ingo Knoll­mann dank­te den Demon­stran­ten:

am 10.02.2017 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Man muss halt ein­räu­men, dass die Donots Musik für Mitzwanziger­plus­mi­nus machen. Und wie sich die Donots ihrer Ziel­gruppe anbiedern, dass ist schon erstaunlich rück­grat­los, wo sie sich doch selb­st ganz ander­sherum ein­schätzen wür­den. Die Donots sind monothe­ma­tisch, ironiefrei, sprach­lich auch auf deutsch hör­bar begren­zt, textlich irgend­wo in den 80ern, nur musikalisch fall­en sie nicht aus dem Rah­men. Brüllen reißt da nichts raus. Im Einzel­nen:

1. Ich mach nicht mehr mit Ver­lo­genes, ziel­grup­pe­naffines Rumge­plärre. Wer sich vom Stadt­mar­ket­ingvere­in Ibben­büren einen Preis übergeben lässt für die gute Wer­bung für ihre Heimat­stadt, der macht eben doch jeden Blödsinn mit.

2. Dann ohne mich Näch­ster Song, sel­ber Inhalt: Die Doofen sollen bess­er ohne mich weit­er­ma­chen. Schnarch.

3. Junger Mann zum mitlei­den gesucht Board­er­lin­er­song. Wenn die Gitar­ren nicht wären, nicht erwäh­nenswert.

04. Prob­lem kein Prob­lem Burnout­song: “Ich hab kein Prob­lem, ich bin das Prob­lem.”

05. Du darf­st niemals glück­lich sein Nein, auch in diesem Lied stolpert man dauernd über Sprache, so das sprach­liche Unkon­for­mität zum Stilmit­tel erhoben wer­den muss. “Wie du fällst und dich dann fängst, wie du singst, selb­st wenn du brennst…” — so ein Lied­text muss ja auch gefüllt wer­den.

06. Kaputt Alles muss kaputt sein, wieso warum weshalb? Weiß der Geier oder weiß er nicht.

07. Weit­er Ich-gegen-die-anderen-Durch­hal­teparolen­song, alles wie gehabt.

08. Kopf bleibt oben Das Herz bleibt an, das Hirn bleibt aus. Rosen­stolz hät­ten es nicht schlim­mer machen kön­nen.

09. Hier also weg Flotte Num­mer. Textlich muss jemand weg, wieso auch immer.

10. Straßenköter Noch so ein Ich-muss-raus-ich-werd-euch-nicht-ver­mis­sen-Song. So langsam würde man Geld bezahlen wollen für ein anderes The­ma.

11. Das Ende der Welt ist längst vor­bei Ja, es geht noch sim­pler, wenn der Songti­tel den Inhalt des Songs kom­plett bein­hal­tet. Yeah, yeah, yeah.

12. Bess­er als das “Das” ist der All­t­ag, bess­er sind “wir”. Noch Fra­gen?

13. Immer noch I mog di. Wir kön­nen uns alles sagen. So sind wir eben, wir Kinder­gartenkinder.

14. Hansar­ing, 2–10 Uhr Endlich am Ende des Albums. “Das soll nie zuende gehen”, doch das sollte es bess­er. Diese Selb­stabfeierei erträgt man nicht weit­er.

Wohlwol­len­der wird das Ganze hier gese­hen.

____________________

John B. Moore hat sich die englis­chsprachige Ver­sion ange­hört.

Wer immer sich mal die Frage gestellt hat, was Bands in der Sche­une machen, wenn ihnen auf der Bühne der Flüs­sigkeit­snach­schub aus­ge­gan­gen ist — die Donots geben eine Antwort:

Die Donots dür­fen ger­ade auf MTV Kurz­clips zur eige­nen Bewer­bung ausstrahlen. Und so sieht das dann aus:

Die Welt hat Alex von den Donots zu einem Inter­view gebeten:

WELT KOMPAKT: Die neue CD ist Ende März erschienen — jet­zt die Tour.

Alex Sieden­biedel: Es ist der Wahnsinn. Vorher ist ja immer unklar, ob über­haupt Leute kom­men, wie viele kom­men, was für Leute kom­men. Man weiß außer­dem nie, wie die neuen Songs ankom­men. Auch wenn wir selb­st glauben, die toll­sten Lieder geschrieben zu haben, müssen sie noch lange nicht gut beim Pub­likum ankom­men. Dass viele unser­er Konz­erte ausverkauft waren und sind, zeigt, dass wir offen­bar nicht alles falsch gemacht haben. Man merkt jeden Abend, dass das Pub­likum kom­plett am Start ist. Das überträgt sich auf uns auf der Bühne. Das ist der helle Wahnsinn.

Mehr dazu hier: Der lange Weg.

Zudem hat die Lokalzeit Mün­ster­land die Donots beim Konz­ert in Biele­feld besucht: