Stichwort: Am Rheinufer

Lorentz Drache fällt split­ter­faser­nackt aus dem 12. Stock seines Miet­shaus­es — in Zeitlupe. Das gibt genug Gele­gen­heit über die 11 vor­beiziehen­den Stock­w­erke ein paar Geschicht­en rauszuhauen. Was eine sehr pfif­fige Geschichte hätte wer­den kön­nen, erstickt lei­der zu oft in fad­er Witzelsucht.

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Vor Kurzem als Klolek­türe drüben besprochen, nun aus geson­dert. Urteil:

Woan­ders als Buch des Tages gewürdigt, sprang bei mir bei Die große Brock­laus: Das kom­plett erfun­dene Lexikon Werbelink zu Amazon

von Oliv­er Kuhn, Alexan­dra Rein­warth und Axel Fröh­lich der Funke oder, wenn man so mag, die Laus nicht über. 6 oder 7 mal habe ich schmök­ernd irgend­was ange­le­sen und wegen zu gewoll­ter Lustigkeit umge­hend weggelegt. Vielle­icht fällt die Begeis­terung für diesen Schmök­er anders aus, wenn man sich viel Zeit oder das Hör­buch zur Hand nimmt .

Was aber die Präsent­tauglichkeit ange­ht, stimme ich dem zu, der schreibt: “Zum Ver­schenken nicht geeignet.” Das Risiko, zu ent­täuschen und den Geschmack des Beschenken zu ver­fehlen, ist da ein­fach zu groß.

Dabei sind die Büch­er­schränke in Düs­sel­dorf ger­ade unge­mein gut bestückt. Entwed­er wer­den die immer beliebter, oder die Leute räu­men für Wei­h­nachts­geschenke ihre Regale frei.

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Anleitung zum Entlieben ist eigentlich ein ziem­lich pop­uläres Blog, dessen Beiträge regelmäßig in der Buchrei­he “Ein Curt-Rock-Roman” erscheinen. Ich bin mir nicht sich­er, aber aber ich glaube, dass “Anleitung zum Entlieben” 2008 das erste Buch aus dieser Rei­he war. Damals hat­te ich selb­st noch kein Blog und war ziem­lich skep­tisch dieser ganzen Blog­ger­szene gegen über. Das Buch habe ich trotz­dem gele­sen und fand es ganz witzig, wenn auch an manchen Stellen sehr anonymisiert. Heute ver­ste­he ich auch warum, da man selb­st ver­sucht, an der einen oder anderen Stelle die Dinge nicht bei ihren Namen zu nen­nen, son­dern wahrheits­ge­treu zu umschreiben. 

Kurz zum Inhalt: Die Haupt­fig­ur lernt per Online-Dat­ing einen Mann ken­nen, in den sie sich ver­liebt, wobei er sich aber nicht fes­tle­gen möchte. Natür­lich lei­det sie darunter und ver­fängt sich dabei viel zu sehr in ein selb­st­gestrick­tes Netz aus Enttäuschungen.
Wer zu spät kam und das Buch nicht mehr gekriegt hat, kann das gerne im Blog, das immer noch aktiv geführt wird, nachlesen.

Das ist auch so Spiegel-Best­sellerlis­ten-Kram. Ein Psy­chologer sal­badert sich durch dutzende Zeit­meta­phern und metapho­rischen Geschicht­en, bis der Leser es aufgibt, zwis­chen den Buchdeck­eln noch irgen­det­was Fass­bares mitzunehmen.

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Irgend­wie passt das Buch aber den­noch in den Büch­er­schrank am Rhein. Der rekon­va­lesziert immer noch. Vor eini­gen Wochen ist da sehr viel rausgenom­men wor­den. Ich weiß aber nicht, was sich da zuge­tra­gen hat. Jeden­falls find­en sich seit­dem große Lück­en in den Glas­re­galen und kaum noch lesenswerte Büch­er hin­ter den Glasscheiben.

Es emphielt sich ger­ade eher ein Gang um die Ecke zum Büch­er­schrank am Frieden­splätzchen, wo ich gestern Anna Katha­ri­na Hahns Kürzere Tage ent­deckt habe. Da schwirrt bele­senes Volk rum.

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Es geht ein gewiss­er Reiz davon aus, das Buch zu einem Film zu lesen. Tati hat wohl nur von der Geschichte an sich gehört, ohne den Film zu ken­nen, und war dann von der Roman­nach­schrei­bung eher ent­täuscht. Ich habe damals das Buch zu Sieben erwor­ben und war eher beglückt, den Film nochmal nach­hallen lassen zu kön­nen. Ob das Buch auch ohne Ken­nt­nis des Films inter­es­sant ist, ver­mag ich daher nicht zu sagen, aber einiger­maßen kom­plex war die Geschichte des Films halt schon. Vielle­icht passt das jeman­dem bei Big Fish auch in den Kram.

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Brid­get Jones ist eine über­tieben tol­patschig dargestellte Englän­derin, die selb­st mit Anfang dreißig durch ihre Unbe­holfen­heit jede 17jähirge erblassen lässt. Das Lesen der Schmök­er ist eine Mis­chung aus Mitleid und Fremd­schä­men, aber den­noch unterhaltsam.Wer sich da ver­sucht wieder zu find­en, der tut mir leid.

Das Buch ist lei­der etwas in Ver­ruf ger­aden, als es 2001 ver­filmt wurde. Während ich mir beim Lesen die Haupt­fig­ur als eine durch­schnit­tliche Frau, die sich von ein­er Pra­li­nen und 100 Zigaret­ten am Tag ernährt und dabei trotz­dem ständig über ihr Gewicht jammer,t vorstellte, wurde die Haupt­darstel­lerin nicht müde stets zu erwäh­nen, wie schwierig die Rolle doch war, da sich dafür soooooooo viel zunehmen musste. Zu allem Über­fluss wurde sie für ihre Tapfer­keit von den Medi­en gelobt. Da wird mal wieder die Kluft zwis­chen Real­ität und Fik­tion bewusst, als nor­male Frau ist man nur fett und lächerlich.

Wer nach anspruchsvoller Lit­er­atur sucht, ist hier ein­deutig falsch. Wer allerd­ings ein­fach nur unter­hal­ten wer­den und ein­fach nur lachen will, dem kann ich die Schmök­er empfehlen.

Neu im Bücherschrank
15. Isabel Allende — For­tu­nas Tochter 14. A.C. Bhak­tivedan­ta Swa­mi Prab­hu­pa­da – Bhak­ti-Yoga 13. Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse 12. Ulrich del Mestre – Prax­is Bülow­bo­gen 11. Eike von Sav­i­gny – Grund­kurs im logis­chen Schließen 10. John le Car­ré – Der Spi­on der aus der Kälte kam, 9. Ken Fol­lett – The Ham­mer of Eden, 8. Sue Townsend – Das Intim­leben des Adri­an Mole, 13 3/4 Jahre , 7. Das Lexikon der pop­ulären Irrtümer, 6. Stend­hal – Rot und Schwarz, 5. Lud­wig Wittgen­stein – Trac­ta­tus logi­co-philo­soph­i­cus, 4. Vladimir Nobokov – Loli­ta, 3. Yann Mar­tel – Life of Pi, 2. Con­nie Pal­men – Die Geset­ze, 1. Cees Note­boom – Rituale