Ein ausgebranntes Thema

Ich glaube, Pla­ton würde im Grab rotieren, wenn er hörte, dass der Begriff der Akademie heutzu­tage auch auf Auto­häuser angewen­det wird. Bei dieser Akademies­tunde ging es um das The­ma Burnout — lei­der. Das The­ma wurde unglück­licher­weise als Lifestyle-The­ma dargestellt — passend einge­führt mit Titel­blät­tern von Focus und Spiegel. Der Ref­er­ent bricht das The­ma grob auf drei Fak­toren runter, die Burnout her­vor­rufen: Ungek­lärte Sinnsuche, zu wenig Sport und zu wenig Schlaf. Es sei zunächst ein­mal ein vorde­pres­sives Phänomen, beim dem dem Betrof­fe­nen selb­st zunächst ein­mal die Schuld trifft, sich wesentliche Aspek­te seines Lebens nicht bewusst gemacht zu haben.

Die Frage ist, ob das Phänomen durch diese Lifestyle-Herange­hensweise über­haupt erfasst wird: Ich kenne Leute, die wenig Sport treiben, die 4–5 Stun­den schlafen, viel arbeit­en und sich um den Sinn ihres Lebens nicht scheren. Aber die haben kein Burnout.

Das Prob­lem hier­bei ist, dass die zu Burnout führende Kausalkette, wenn man nicht alle Fak­toren ken­nt, nicht umkehrbar ist. Aber das ist ger­ade das Prob­lem mit diesem Vor­tra­gen­den: Die indi­vidu­ellen Fak­toren, die im Einzelfall für einen Betrof­fe­nen zu Burnout führen, wer­den in dieser Präsen­ta­tion über­haupt nicht ange­sprochen. So erweckt man den Ein­druck, als wäre Burnout nur ein kom­biniert­er Schlaf-, Sport- und Sinn-Man­gel. Über­haupt würde mich mal inter­essieren, wie viele Patien­ten der Ref­er­ent schon wie kuri­ert hat.

Aber hier haben wir es eben mit Burnout als Lifestyle-The­ma zu tun. So genau will es da kein­er wis­sen.

Weiterlesen

Bücherverbrennung

Ich sach ja, Tach ein, Tach aus, es ist unterm Strich doch zu dunkel inne Stadt. Zu viele dun­kle Gässken. Da gehen se von ein­er beleuchteten Straße kurz in eine Gasse und schwupss, da wis­sen se doch gar nicht mehr, was man da tut, wenn da was passiert. Es müsste heller wer­den. Sich­er. Son­st zün­den da die Jun­gens gle­ich Büch­er und Zeitun­gen an, wie jet­zt.

Ja, gut ich weiß auch nicht, was diese Büch­er im Glass­chrank da ver­loren haben. Liest doch kein­er, was soll man die da nicht mal anders ver­wen­den? Früher, ja früher wurde öffentlich mehr gele­sen. Da hätte man sich bei Bücherver­bren­nun­gen auch noch mehr erregt. Zu mein­er Zeit nahm man sich die Zeitung und set­zte sich inne Stadt auffe Mauer. Dann fal­tete man sie zusam­men, schaute dem Treiben in der Stadt zu, pro­minierte etwas und dann ließ man die Zeitung irgend­wo liegen. Sollte doch ein ander­er sie fer­tigle­sen.

Das braucht man heute ja auch nicht mehr, ste­ht ja bei denen heute alles im Schaufen­ster. Fehlte nur noch, dass die den Schaufen­sterkiek­ern auch noch ein schlecht­es Gewis­sen einre­den, was ihnen denn ein­fällt, kosten­los ins Schaufen­ster zu kieken.

Auslei­h­bare Taschen­lam­p­en am Ein­gang der Stadt. Das wäre mal eine Maß­nahme. Dann müsste man auch nicht extra hell machen.

Weiterlesen

Bi us … Froöjor

In Froöjor is dat ja alles moi. Auk in die Innen­stadt van Büren. De Nord­stadt-Arkaden wassen, de Top-Cen­ter nich.

Up de Plaggen van de Top-Cen­ter kann de Börg­er­meester n Huus van de Dok­ters bauen. Heb we nich genug van in Büren, jüss so wie die Klam­ot­ten­lä­den.

Wie wär et, Herr Ste­in­gröver, wenn wi de oude Mag­nus-Plaggen met een Ärztehu­us en een Klam­ot­ten­laden bouen?
Dann hett Büren noch een Ärztehu­us un noch een Klam­ot­ten­laden, un noch een Ärztehu­us un noch een Klam­ot­ten­laden un noch een Ärztehu­us un noch een Klam­ot­ten­laden, dann starbt de Stadt ut. Ick kün­nt auk die Plaggen koopen un een Bio­gasan­lage upbouen un de Energie anne Stadt verkoopen.

Ick kün­nt auk up die Plaggen mien Dong loswern, dann brukt de Hol­län­der die nich moer koopen un in sin Goorn sprüt­ten.

In Lang­wi­eschke sin ja auk noch een paar Plaggen frie. Wat is door denn met een Ärztehu­us un een Klam­ot­ten­laden un een Ärztehu­us un een Klam­ot­ten­laden … ?

Up de Plaggen kün­nt we ook Knö­terich voor miene Bio­gasan­lage plantn. Heb ick toch die Dage inne Land­wirtschaftliche Wochen­blatt lesen, datt dat beter is als die Mais.

So, ick moet naor de Stall hen, met mien Hein schnaken wegen die Plaggen te koopen

 

Weiterlesen

Innenstadtverscheuchungen

Wis­sen Sie, was das ist?

Das sind die Park­bänke vor der Kreiss­parkasse. Das heißt, das ist das, was von ihnen übrig blieb. Da saßen früher die Pen­ner drauf, um ihr Bierchen zu zis­chen. Bis die Park­bänke abgesägt wur­den.

Und wis­sen Sie, was das ist?

Das ist die neue begärt­nerte Ecke beim Extra-Markt. Da saßen die Pen­ner, nach­dem sie keine Bänke mehr hat­ten, um ihr Bierchen zu zis­chen. Das heißt, sie saßen da, als da alles nur aus Beton war und nichts begärt­nert. Da kon­nte man da auf ner Mauer und auf den Stufen sitzen. Ich denke, das Kalkül ist, dass sie sich in die Erde da wohl nicht set­zen wer­den.

Und wenn Sie mich fra­gen: Wenn die Pen­ner sich auf dem Mag­nus-Gelände bre­it gemacht hät­ten, der neuen Media-Markt wäre schon längst hochge­zo­gen wor­den.

Weiterlesen

Neuwahlen in NRW

Es ist zwar nur noch eine For­mal­ität, aber man darf wohl davon aus­ge­hen, dass die Parteien um 15 Uhr Neuwahlen in NRW beschließen wer­den. Gestern Abend sind die Land­tagspoli­tik­er darüber informiert wor­den, dass der gesamte Haushalt, so wie er von den regieren­den Parteien vorgeschla­gen wor­den ist, abgelehnt ist, wenn nur ein Teil hier­von abgelehnt wird. Und eben das ist heute mor­gen passiert.

Man hat zwar noch kurzfristig darüber spekulieren kön­nen, ob aus den Rei­hen der FDP oder der Linken irgend­je­mand sich der Stimme enthält, was zur Akzep­tierung des Haushalt­sun­ter­punk­ts geführt hätte, aber das war ab dem Moment, als die CDU namentliche Abstim­mung gefordert hat, Maku­latur. Es geht doch nichts über Frak­tion­szwang.

Jet­zt wird es also Neuwahlen geben, die so nie­mand gewollt hat: Der CDU passt es nicht in den Kram, weil sie ger­ade erst das Präsi­den­ten­de­bakel hin­ter sich hat und keine direk­ten Chan­cen hat, eine Mehrheit­skoali­tion in NRW von Beginn an auszu­rufen und zu führen. Zudem wird offen­bahr Nor­bert Röttgen in NRW als Spitzenkan­di­dat antreten und so seine bun­de­spoli­tis­chen Ambi­tio­nen erst­mal wird vergessen kön­nen. Immer­hin hat man aber soviel Selb­stver­trauen, dass man kein der­ar­tiges Wahlkampfde­bakel wie bei der let­zten Wahl erwartet.

Linkspartei und FDP sind in Umfra­gen derzeit bei­de unter 5% und da bei nicht über bekan­nte Per­so­n­en ver­fü­gen wird dies eine schwierige Wahl. Die Pirat­en sind laut Umfrage über 5%, sie wären aber wohl kaum regierungs­fähig. Soll­ten sie in den Land­tag kom­men, würde es allerd­ings für Rot-Grün schwieriger, eine Regierungskoali­tion mit eigen­er Mehrheit zus­tande zu bekom­men.

Weiterlesen

Die kaum vermittelbare Diätenerhöhung

Der Frak­tion­schef der CDU im NRW-Land­tag, Karl-Josef Lau­mann, war im Inter­view­stu­dio von maz­ztv. Und ich finde es schon schön, dass da nun auch ges­tandene Redak­teure der Zeitung Inter­views führen. Das Inter­view geht u.a. über die Diäten­er­höhun­gen der Land­tagsab­ge­ord­neten in NRW und da geste­ht Lau­mann ein, dass diese Erhöhung, die nur das Sys­tem stützen solle,

kaum ver­mit­tel­bar

sei. Und wohl weil sie kaum ver­mit­tel­bar ist, redet er nur vom Sytem und ver­sucht gar nicht erst zu erk­lären, was da wie nicht funk­tion­iert.

Das Prob­lem des Sys­tems beschreibt MdL Mar­ti­na Maaßen übri­gens wie fol­gt:

ein Ver­sorgungswerk der Abge­ord­neten ist ein kleines Ver­sorgungswerk, in das nur 181 Abge­ord­nete ein­zahlen, und das in der Folge das Prob­lem hat, einen Kap­i­tal­stock aufzubauen, der die anvisierte Auszahlung­shöhe leis­ten kann. Schon vor 7 Jahren ist gese­hen wor­den, dass eigentlich eine Ein­zahlung­shöhe von rund 2000 Euro notwendig ist – man scheute sich jedoch davor, bei Ein­führung des neuen Sys­tems an die 10.000 Euro-Marke für Abge­ord­ne­tendiäten zu kom­men und hat darum den notwendi­gen Schritt in die Zukun­ft ver­schoben.

Das heißt also: Es beziehen ger­ade oder in naher Zukun­ft mehr Ex-Abge­ord­nete aus diesem Topf Rente als ein­zahlen oder es muss mehr aus­gezahlt wer­den für eine vorge­se­hene Rente­nauszahlung als eingezahlt wird. Was wiederum heißt, dass es unterm Strich mit­nicht­en so ist, wie Lau­mann sagt, dass die Abge­ord­neten dem Land nach ihrer Man­dat­stätigkeit nicht mehr auf der Tasche liegen. Das ist ja ger­ade durch die Erhöhung der Fall.

Und jet­zt kom­men wir mal an den Punkt, der kaum ver­mit­tel­bar ist: Wenn die Erhöhung nur den Zweck hat, das Sys­tem abzu­sich­ern, in dem Geld fehlt, weswe­gen führt die Erhöhung auch dazu, die Renten der Abge­ord­neten zu erhöhen? Vielle­icht, weil die Begrün­dung Mumpitz ist?

Find­en Sie das jet­zt zu kri­tisch von mir? Zu haarspal­ter­isch? Zu partei­isch? Zu unfundiert? Dann lesen Sie mal, was die CDU 2005 zu der nun kor­rigierten Renten­re­form der Land­tagsab­ge­ord­neten geschrieben hat:

Die Reform darf nicht daran scheit­ern, dass die einzel­nen Schritte für die Öffentlichkeit nicht nachvol­lziehbar sind.

Schnöff tä tääääääää!

Weiterlesen

Die Mär von der Gehaltskürzung von NRW-Landtagsabgeordneten

Auch Karl-Josef Lau­mann bläst in der IVZ in das beliebte Horn, durch die kür­zlich sich selb­st genehmigte Diäten­er­höhung sei es eigentlich so, dass die Land­tagsab­ge­ord­neten weniger Geld zur Ver­fü­gung hät­ten, da sie nun mehr Steuern zahlen müssen. Ja, das sind schon schlimme 4 Monate, die die Abgenord­neten aushal­ten müssen, bis es die näch­ste Einkom­menser­höhung im Som­mer gibt. Man kön­nte fast Mitleid kriegen. Für diese Zeit ist es in der Tat so, dass WENN MAN DAVON ABSIEHT, DASS DIE ABGEORDNETEN SICH UNTERM STRICH IHRE RENTE ERHÖHEN, sich das rein monatlich betra­chtete Einkom­men senkt.

Aber Lau­mann hat da auch noch seine ganz eigene Inter­pre­ta­tion von der Erhöhung:

Als das jet­zige Ver­sorgungssys­tem 2005 beschlossen wurde, ging es um ein ganz anderes Ver­sorgungssys­tem. Jet­zt wis­sen wir nach sieben Jahren, dass Annah­men, die man gemacht hat, nicht funk­tion­ieren. Im Grunde sind diese 500 Euro nur dafür da, das Ver­sorgungswerk zu sta­bil­isieren.

Inter­es­san­ter­weise glauben FDP und Linkspartei, dass die Annah­men sehr wohl funk­tion­ieren und haben der Erhöhung nicht zuges­timmt. Diese Ver­wässerung der eigentlichen Angele­gen­heit halte ich, sagen wir mal, für gewagt: Das ganz andere Ver­sorungssys­tem, also der Gedanke, der dahin­ter stand, war, dass die Abge­ord­neten aus der Bürg­erkri­tik her­aus­ge­holt wer­den soll­ten, dass sie ein­fach nach eigen­em Ermessen ihre Gehäl­ter erhöhen kön­nen. Und genau das wurde nun durch die Hin­tertür wieder einge­führt. Aber es klingt natür­lich sehr sachkom­pe­tent, wenn man sagt, es diene nur der Sta­bil­ität des Ver­sorgungswerks. Als ob bei Poli­tik­ern mal eine Rente­nauszahlung nicht geklappt hätte.

Weiterlesen

Jasper schafft den Hattrick

Das nenne ich mal einen Lauf: Zum drit­ten Mal in Folge ist Dieter Jasper, wenn er denn mal im Bun­destag eine Rede hal­ten darf — bei so unwichti­gen Sachen wie Kohleausstieg darf er ja gar nicht erst ans Pult-, von sein­er Frak­tion als let­zter Red­ner in ein­er Debat­te benan­nt wor­den. Also, wenn das mal kein ungestörtes Ver­hält­nis zur eige­nen Partei ist, dann weiß ich es auch nicht. Und im Video kann man sich jet­zt auch mal aus­suchen, ob die Leute im Hin­ter­grund wegen des lah­men Vor­trags gäh­nen oder wegen der fort­geschrit­te­nen Sitzungszeit.

Weiterlesen

Demo gegen den Naziaufmarsch in Münster

Die Ibben­büren­er Bands Donots & Water­down wer­ben für eine Teil­name an der Demo Keinen Meter den Nazis gegen den Nazi­auf­marsch am 3.3. in Mün­ster (Bahn­hof Zen­trum Nord):

Ins­ge­samt haben mit­tler­weile mehr als 120 Ver­bände, Grup­pen und Organ­i­sa­tio­nen zu dieser Demo aufgerufen. ch sel­ber bin let­zte Jahr an Heilig Abend auf ein­er der­ar­ti­gen Demo in Biele­feld gewe­sen, wo 68 Recht­sradikale gegenüber 6500 Gegen­demon­stran­ten immer­hin marschieren durften. Ges­pan­nt darf man sein, wieviel Platz die Recht­en in Mün­ster bekom­men wer­den.

Weiterlesen

Recker Aschermittwochsreden

André Elshoff hat da mal einen sehr inter­es­san­ten Beitrag auf maz­ztv vom poli­tis­chen Ascher­mittwoch in Recke gemacht. Und ja, McAl­lis­ter ist rhetorisch gut in Schuss, das kann man nicht bestre­it­en. Lau­mann ist schon etwas erregt, kommt damit aber an. Bei näher­er Betra­ch­tung zeigen sich Wider­sprüche.

Denn Lau­mann betont, dass die CDU im Gege­satz zu der FDP und den Grü­nen nie eine Klien­tel­partei gewe­sen sei, was bei ein­er Partei die so ein­deutig für ihre christliche Klien­tel ein­ste­ht doch eine etwas beschmun­zel­bare Darstel­lung zu sein scheint. Ander­er­seits hat­te McAl­lis­ter ja ger­ade davon gere­det, dass er mehr über die Mit­telschicht, qua­si die Leis­tungs­bringer, in unserem Land reden wolle.

Zur Mit­telschicht gehören nach Angaben der CDU diejeni­gen, die 40.000€ brut­to, das sind 2.000€ net­to monatlich zur Ver­fü­gung haben. Wenn in Recke nur die geklatscht hät­ten, die dazu gehören, dann hät­ten deut­lich weniger geklatscht.

Dage­gen kann man nun ein­wen­den, dass McAl­lis­ter all diejeni­gen, die nicht Hartz-IV beziehen als Mit­telschicht beze­ich­net, was widerum eine Überzeuch­nung von Prob­lem­feldern darstellt. Und wenn er nur die Mit­telschicht als “nor­male Leute” beze­ich­net, sind wohl die anderen die Nicht­nor­malen. Pop­ulis­mus auf Kosten von Rand­grup­pen — so genau wollte in Recke dann wohl nie­mand hin­hören.

Weiterlesen