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  • Aus­län­der: Ver­liebt, ver­lobt, ver­haftet — DER SPIEGEL 49/2014 ” Das Hochzeits­bild ist näm­lich noch etwas anderes, eine Art Zielfo­to: Sina Rosen­berg, 22, Stu­dentin aus Ibben­büren, und Aboudou Raza­ki Yeki­ni, 27, abgelehn­ter Asyl­be­wer­ber aus Benin, haben einen Wet­t­lauf gegen die Zeit gewon­nen. Hochzeit­ster­min stand gegen Abschiebeter­min. Am Ende kam der Bescheid vom Gericht, dass Yeki­ni alle Papiere für die Trau­ung zusam­men hat, einen Tag bevor das Flugzeug abge­flo­gen ist, das ihn zurück­brin­gen sollte. Aus dem Abschiebek­nast nach Benin.”<br>
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Kellercourage

Es ist schon bemerkenswert, wie man bei der IVZ sich, nach­dem man auf Face­book vehe­ment wegen Nichte­in­greifens gegen frem­den­feindliche Kom­mentare zu einem IVZ-Beitrag kri­tisiert wurde, mit einem De-Höh­n­er-Zitat zum Vor­re­it­er gegen Extrem­is­mus auf­schwingt:

Jede Art von Extrem­is­mus, der Men­schen schadet, ist abzulehnen. Dazu müssen wir deut­lich die Stimme erheben, uns abgren­zen, Posi­tion beziehen. Wenn nicht wir, wer son­st?

Wer ist wir? Die Zeitung, die ihre Leser in Fast-Nazis, Fakt-Nazis und Ich-bin-kein-Nazi-aber-Nazis ein­teilt? Zu let­zterem sei mal gesagt, dass der Einzige, der im betr­e­f­fend­en Beitrag die Redeweise, er sei kein Nazi, ver­wen­dete, gemeint hat, er sei kein Nazi, aber der Mei­n­ung, man solle sich mit den Leuten, die sich frem­den­feindlich äußerten, inhaltlich auseinan­der­set­zen. Nur mal so für Sie als Test, wer so alles laut Zeitung Nazi ist.

Es ist dieselbe Zeitung, die nicht ein­greift, wenn Nutzer auf Ihrer Seite recht­es Zeugs über Asyl­be­wer­ber hin­ter­lassen:

Wir bit­ten Asyl an und die verkaufen Dro­gen an unsere Kinder. Dazu wer­den sie mit meinen Steuergeldern die jeden Monat bezahlen muss unter­stützt. Nochmals Danke.

So klin­gen die Recht­en heute: An der Gren­ze zur Straf­barkeit mosert man, die Kinder des deutschen Steuerzahlers befän­den sich in unmit­tel­bar­er Todes­ge­fahr. Und über­haupt: Was fällt denen ein, sichere deutsche Arbeit­splätze zu gefährden.

Wer son­st, wenn nicht Ihr, liebe IVZ?

Zum Beispiel die drei Per­so­n­en, die vor euch Anzeige wegen des Artikels bei der Polizei gestellt haben. Oder diejeni­gen, die auf euer­er Face­book-Seite zün­del­nde NPD-Aktivis­ten iden­ti­fiziert und durch pro­vokante Stel­lung­nah­men ver­scheucht haben. Die, die einge­grif­f­en haben, als ihr noch glaubtet, man könne den Artikel ver­steck­en. Die, die Leuten ihre frem­den­feindlichen Kom­mentare vorge­hal­ten haben, worin Ihr nur das Weit­er­führen rechter Het­ze sehen kon­ntet. Sowie alle anderen, die öffentlich sicht­bar deut­lich ihre Stimme erhoben haben.

Diese guten Beispiel für Zivil­courage aber wur­den auf Face­book samt aller weit­eren Kom­mentare und des Artikels ein­fach zu Gun­sten eines eige­nen, selb­st­ge­fäl­li­gen Artikels hin­ter ein­er Pay­wall gelöscht. Im eige­nen Keller ist Zivil­courage halt immer noch am schön­sten.

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Fast-Nazis und Fakt-Nazis

Die IVZ ist auf Face­book von Kom­men­ta­toren mit aus­län­der­feindlichen Mei­n­ungsäußerun­gen unter einem ihrer Artikel über­rascht wor­den. Darauf war man offen­sichtlich nicht vor­bere­it­et und hat zunächst kaum reagiert. Gestern Abend sprach man davon, man habe den betr­e­f­fend­en Artikel samt sein­er Kom­mentare “inak­tiv” gestellt, was so nicht stimmte. Er war nach wie vor online ein­se­hbar.

Heute Abend veröf­fentlicht man einen Artikel, der die Erre­gung und das ungute Gefühl, über­rüm­pelt wor­den zu sein, wiedergibt. So klingt das dann lei­der auch: Auf Face­book

ging es der­art zur Sache, dass sich unsere Redak­tion am Dien­stagabend entsch­ied, die besagte Diskus­sion nicht mehr öffentlich sicht­bar zu lassen, son­dern sie zu ver­ber­gen.

So ganz weiß man bei der IVZ halt nicht, wie Face­book funk­tion­iert. Zum Zeit­punkt der Veröf­fentlichung dieses IVZ-Artikels war der betr­e­f­fende Thread nach wie vor öffentlich sicht­bar, auch wenn man eine Anzeige des Artikels von sein­er Face­book-Time­line genom­men hat­te. Dies hat­te eine Nutzerin bere­its in der Nacht ange­merkt. Erst 18 Stun­den später wurde er gelöscht, der Artikel kön­nte also nun dahinge­hend verän­dert wer­den, dass man schreibt, es wurde gelöscht.

Da het­zen sie alle durcheinan­der. Die Nazis – denn wer KZ- oder Gaskam­merver­gle­iche nutzt, der ist genau das – und die „Ich-bin-kein-Nazi-aber“-Nazis.

Äh, nein. Ver­gle­iche mit Konzen­tra­tionslagern oder Gaskam­mern kön­nen selb­stre­dend sach­lich aus­fall­en und durch das Erstellen eines sach­lich richti­gen Ver­gle­ichs wird man nicht zum Nation­al­sozial­is­ten. Mit den “„Ich-bin-kein-Nazi-aber“-Nazis” kann eigentlich nur ein Face­book-Kom­men­ta­tor sein, dessen Fehler es wohl war, seinen Beitrag anders einzig mit “Ich bin kein” zu begin­nen. Er schlug vor, das Gespräch mit denen zu suchen, die frem­den­feindliche Äußerun­gen getätigt zu haben, statt Men­schen ein­fach nur zu ver­dammen. Und das ist für die IVZ ein Nazi?

Jene frus­tri­erten Fast-Nazis bere­it­en den Boden der Fakt-Nazis.

Ja, super: Die IVZ hat eine dritte Nazi-Form aus­gemacht: Den Fast-Nazi. Den Satz soll man wohl selb­st zuende denken, mir erschließt sich die Sinnhaftigkeit des Satzes nicht. Vielle­icht nicht doch genau anders herum?

Einige andere Face­book­er nutzten Dien­stag den dig­i­tal­en Pranger, um die einen wie die anderen zu ent­tar­nen. Prob­lem: Damit ver­bre­it­eten sie die Het­ze noch weit­er.

Der Stachel sitzt tief. So viel habe ich ver­standen. Wer hier mit welch­er Aus­sage konkret gemeint sein soll: Ein einziger argu­men­ta­tiv­er Unfall.

sie macht­en den früheren, mut­maßlich rechtswidri­gen Beitrag des besagten Nutzers mit eige­nen Screen­shots wieder sicht­bar. Offenkundig zwar, um ihn an den Pranger zu stellen. Doch damit wieder­holten sie zwangsläu­fig den unerträglichen KZ-Ver­gle­ich.

Ern­sthaft, liebe IVZ? Ihr habt pos­i­tive Ken­nt­nis von einem Beitrag, den ihr für inhaltlich rechtswidrig hal­tet und löscht als zuständi­ger Face­book-Seit­en­be­treiber den Ein­trag nicht? Das wollt ihr mor­gen in euere Zeitung schreiben?

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Der vierte Kandidat

Ja, wer hätte es gedacht, ganz knapp vor Ende der Vorschlags­frist gelangt noch ein weit­er­er Kan­di­dat für das Amt des Bürg­er­meis­ters aufs Tableau: Hein­rich Pröttgenkrögel von der Tri­fI wirft mit let­zter Kraft seinen Hut in den Ring. Herr Pröttgenkrögel, was hat sie bewogen, doch noch zu kan­di­dieren?

Ich ste­he für das alte Denken, das ist ja noch lange nicht über­holt. Wenn alle schon von was Neuem reden, erin­nere ich mal daran, dass man immer an das Alte anknüpft, Sie kön­nen ja nicht alles gle­ich über Bord schmeis­sen. Für Neues bin ich dabei aber auch offen, das sehen Sie ja. Aber Neues ist auch nicht immer bess­er.

Wir erwis­chen Sie ger­ade joggend mit einem umgeschnall­ten Grill die Würstchen drehend, die noch auf dem Rost bleiben, gefol­gt von Press­esprech­er Hubert Nörgelmöller samt ein­er Videokam­era, der zudem Fly­er in Vorgärten wirft. Ist das nicht ein wenig zu viel des Guten?

Ja, nun, es geht um die Wurst und die Zeit wartet nicht. Das kann ich ihnen sagen. Und deswe­gen machen wir das jet­zt alles in einem Abwasch. Grillen und Sport treiben, direkt vor Ort und auf YouTube, meck­ern und disku­tieren, joggen und wählen gehen, kurzum: Altes und Neues verbinden. Darüber will ich The­men ver­han­deln. Sie ver­ste­hen.

Wo Sie ger­ade von The­men sprechen, was meinen Sie genau?

Das Stadt­mar­ket­ing war eine gute Idee, aber das ver­sumpft ja ger­ade. Die erstar­rte Baustelle in der Innen­stadt, das einge­hende Eis­fest, der Kirch­platz, den die Autos erobert haben. Wir müssen das Han­deln wieder auf unsere Seite kriegen. Das haben Sie sich­er auch schon gemerkt.

Wie wollen Sie den fest­ge­fahre­nen Din­gen denn nun ent­ge­gen­treten?

Wir müssen alle ins Boot holen, auch wenn es dann sinkt. Ich habe da an ein gemein­sames Fest gedacht: Ibb on Eggs. Wenn der Win­ter schon zum Feiern nicht geht, erobern wir den Früh­ling zurück. Auf dem Chris­tus­platz set­zen wir in die einzel­nen Fugenspal­ten 250.000 Eier, das fördert den Einzel­han­del, die Land­wirtschaft, erin­nert an Ostern, den Kindern macht das Eier­laufen Spaß, Mut­ti nippt am Eier­pun­sch und Vati gön­nt sich ein W-Ei-zen. Die kaput­ten Eier kann die Jugend dann ja aus Protest auf’s Mag­nus­geläde wer­fen. Das fällt dann ja nicht mal unter Sachbeschädi­gung.

Was sich den­noch etwas mit den Park­möglichkeit­en auf dem Chris­tus­platz beißen kön­nte.

Wenn die so viel trinken, wie ich mir vorstelle, darf von den Brüdern eh’ kein­er mehr fahren.

Herr Pröttgenkrögel, vie­len Dank für das Gespräch.

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Mai Thu

So son­der­lich oft geben wir hier ja keine Essensempfehlun­gen her­aus. Das hat damit zu tun, dass der gemeine West­fale etwas schon dann für unge­mein toll find­et, wenn er viel auf die Gabel bekommt. Zum anderen sind einige Restau­rantbe­suche zwar dur­chaus was für das ein­heimis­che Pub­likum — mich irri­tiert es aber, wenn man Gerichte für 25€ bestellt und dann seine Fer­tigkroket­ten mit dem Nach­barn teilen sollen. Da verzichtet man schon mal lieber auf einen Kom­men­tar.

Seit fast zwei Jahren ist an der Ost­straße das Mai Thu behei­matet. Inzwis­chen sind wir ein paar Mal dort gewe­sen, anfangs nur auf der Suche nach einem pass­ablen veg­a­nen Gericht und das ist in Ibben­büren beileibe keine ein­fache Auf­gabe. Zur Sicher­heit gin­gen wir am Restau­rant an der Ost­straße vor­bei, weil wir da schlicht noch nie waren, es dur­chaus für qual­i­ta­tiv gut hiel­ten und pro­bierten das Etab­lisse­ment dann auch ein­fach mal aus. Wir bestell­ten ein veg­anes und ein nicht-veg­anes Gericht und an den Tisch gebracht wur­den uns bei­de in köchel­nden Töpfen:IMG_0115

Und unterm Strich mundete es uns dann so gut, dass wir in der Fol­gezeit nochmal dort Essen zum Abholen bestell­ten und weit­ere Restau­rantbe­suche fol­gen ließen. Es hat jedes Mal außeror­dentlich gemu­ndet und das zu Preisen, bei denen man sich manch­mal die Frage stellt, wie die bei der­art hochqual­i­ta­tiv­en Zutat­en für den Betreiber rentabel sind.

Ger­ade für Veg­an­er ist das Mai Thu ein Glücks­fall, ger­ade weil veg­ane Speisen in der asi­atis­chen Küche abso­lut nichts ungewöhn­lich­es sind. So hat man die Auswahl zwis­chen unter­schiedlichen Gericht­en und bes­timmt wird man einige Gerichte der Karte auch ein­fach veg­an zubere­it­en kön­nen. Wer der asi­atis­chen und indis­chen Küche nicht abgeneigt ist, dem sei hier­mit ein beson­der­er Aus­ge­htipp ans Herz gelegt.

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