Nachtigall, ick hör dir salafieren

Es ist schon erstaunlich, wie reißerisch man bei der WN mit der Prob­lematik, für den Heili­gen Krieg ange­wor­ben­er Jugendliche umge­ht:

In Ibben­büren hat sich vor einiger Zeit ein salafistis­ch­er Predi­ger aufge­hal­ten, der den Sicher­heits­be­hör­den bekan­nt ist. Die Polizei hat­te darüber die islamis­chen Vere­ine und Ver­bände informiert. Deren Vertreter hat­ten vor ein paar Tagen noch beteuert, nichts von extrem­istis­chen Strö­mungen in ihrer Stadt zu wis­sen.

Für die WN gibt es dem­nach in jed­er Stadt, in der sich ein Salafist mal aufhält, eine salafistis­che Strö­mung? Ern­sthaft?

Ich weiß nicht, was Vertreter der islamis­chen Gemein­den und Vere­ine alles gesagt haben. Was ich nur im Kopf habe ist, dass Seluk Özdemir vom Ibben­büren­er Aus­län­der­begeg­nungszen­trum bestrit­ten hat, dass es eine salafistis­che Szene in Ibben­büren gibt. WN und IVZ hat­ten geschrieben:

Salafis­ten im Raum Ibben­büren schick­en junge Mus­lime nach Syrien und in den Irak

In und um Ibben­büren haben sich offen­bar radikal-islamis­che Kräfte etabliert, die junge Mus­lime für die Ter­ror­gruppe Islamis­ch­er Staat (IS) rekru­tieren.

Eine bis heute unbelegte Behaup­tung. Aber man muss ja irgend­wie den Ein­druck erweck­en, dass da irgend­was dran sei. Und sei es ein­fach so, dass man im sel­ben Text sich ein­fach mal wieder­holt:

Während die islamis­chen Ver­bände in Ibben­büren beteuern, von der Radikalisierung der Jugendlichen vor Ort nichts bemerkt zu haben und vor weni­gen Tagen öffentlich erk­lärten, dass das über­all, aber nicht in ihrer Stadt geschehen sein kann, ste­ht inzwis­chen fest, dass min­destens ein den Behör­den bekan­nter Salafist unlängst in Ibben­büren in Erschei­n­ung ge­treten ist.

Der Autor ver­wen­det “in Erschei­n­ung getreten” für “gewe­sen ist”. Die Ver­wen­dung ist unge­fähr so sin­nvoll wie “Ich bin unlängst bei meinem Bäck­er in Erschei­n­ung getreten, um Teig­waren an mich zu nehmen”. Ein har­los­er Vor­gang wirkt auf ein­mal ver­schwörerisch. Da wird schon irgend­was gewe­sen sein. Aber es geht auch noch etwas drama­tis­ch­er:

Die erste der vier Gemein­den in der Stadt hat ihn raus­ge­wor­fen, die zweite jedoch war verun­sichert und hat ihn in ihre Moschee gelassen“ – wohlwis­send, dass es sich dabei wom­öglich um einen radikalen Predi­ger han­delt.

Aha. Von der Behaup­tung “Salafis­ten im Raum Ibben­büren schick­en junge Mus­lime nach Syrien und in den Irak” ist dem­nach “Ein radikaler Predi­ger war ein­mal in ein­er Ibben­büren­er Moschee” geblieben. Und was heißt “wom­öglich”? Wom­öglich war das auch gar kein radikaler Predi­ger?

[…] In der Nähe eben dieses Beethaus­es sollen auch junge Mus­lime aus anderen Städten mit salafistis­chen Ideen in Berührung gekom­men sein. Unter anderem der 18 Jahre alte Tol­u­nay G. aus Ahlen

Tol­u­nay G. aus Ahlen ist in Ibben­büren für die IS rekru­tiert wor­den mit salafistis­chen Ideen in Berührung gekom­men oder wie der­selbe Autor in der IVZ schreibt

radikalisiert wor­den

Das ist doch mal eine These. Was in diesen Tex­ten bloßes Gerücht ist, was Infor­ma­tion des Ver­fas­sungss­chutzes, was eine Tat­sache, was der Phan­tasie des Autors entspringt – das alles gibt sich die Klinke in die Hand.

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Schnüffelspaß

Das Watze­fack des Tages geht heute mal an den Fach­di­enst Kul­tur auf seinem Exper­i­men­tier­trip:
schnueffel

Ich weiß ja nicht, welche Sub­stanzen in der Alten Sparkasse da ger­ade geschnüf­felt wer­den, aber beim ver­harm­losenden Na und? sei mal ange­merkt: Beson­ders bei Schwanger­schaften sollte man von der Inhala­tion von flüchti­gen, flüs­si­gen oder gas­för­mi­gen Sub­stanzen, dem so genan­nten süchtig machen­den Schnüf­feln, Abstand nehmen, denn der Kon­sum kann sich gesund­heitss­chädi­gend auf sich selb­st und das Kind auswirken.

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Lesezeichen

  • Mün­ster­sche Zeitung”: DJV-Ver­band­stag kri­tisiert Aschen­dorff Ver­lag scharf Nach der Schelte über die Aushöh­lung der Mün­ster­schen Zeitung der näch­ste Nack­en­schlag für den Ver­lag der West­fälis­chen Nachricht­en:

    Die Ver­leger krem­peln aber nicht nur die Medi­en­land­schaft in Mün­ster um, sie set­zen auch neue Neg­a­tiv-Maßstäbe im Umgang mit Tar­ifen und Mitar­beit­ern. Aschen­dorff will laut DJV aus dem Zeitungstar­ifver­trag auss­cheren und hat laut DJV die rund 140 Redak­teure der West­fälis­chen Nachricht­en (WN) ulti­ma­tiv aufge­fordert, auf die Tar­if­bindung zu verzicht­en. Mit Hin­weis auf anson­sten dro­hende Kündi­gun­gen wur­den ihnen bere­its neue Arbeitsverträge zugestellt, die mehr Arbeit, weniger Gehalt und weniger Freizeit bedeuten.

  • Wir freuen uns auf Ibben­büren Bäck­erei Liesenköt­ter investiert sechsstel­lig in Ibben­büren.
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Die zwei Anträge für ein Jugendparlament

Die Junge Union hat als erste poli­tis­che Kraft beim Stad­trat einen Antrag für ein Jugend­par­la­ment gestellt. So weit, so gut. Denn wenn alle Parteien gegen Poli­tik­erver­drossen­heit ange­hen wollen, ist das sich­er nicht der verkehrteste Schritt, den man ein­schla­gen kann.

Aber Jugend­par­la­ment und Antrag, war das nicht was? Ach ja:

So wollte ein Besuch­er wis­sen, wieso es in Ibben­büren noch kein Kinder- und Jugend­par­la­ment gebe. Karl-Heinz Otten­hus (IFI) las auf dem Podi­um daraufhin einen Antrag vor, wonach „der Rat die Prü­fung und Instal­la­tion“ eines Par­la­mentes prüfen und beschließen solle – und sig­nierte das Schreiben. Dr. Mar­lene Klatt (Grüne) unterze­ich­nete eben­falls.

Muss wohl ins Alt­pa­pi­er gewan­dert sein, dieser vor Jugendlichen unterze­ich­nete Antrag. Was für ein schönes Zeichen gegen Poli­tik­erver­drossen­heit.

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Platt gechattet

Wieder ein­mal fand die so genan­nte “Siemon Akademie” statt, dieses Mal zum The­ma “Mob­bing im Inter­net. Und irgend­wie trifft der Titel meines ersten Textes zur Siemon Akademie zu: Ein aus­ge­bran­ntes The­ma.

Dabei ist es eigentlich natür­lich gut, eine Gesellschaft für das The­ma Mob­bing zu sen­si­bil­isieren. Aber es ist auch nicht ver­boten, auf die Mit­tel zu schauen, die ver­wen­det wer­den. Insofern ist die Frage der Jour­nal­istin, was denn der pein­lich-anbiedernde Titel “Du Opfer, ich chat­te dich platt!” sollte, ein guter Ansatz.

Im Vor­trag des “Spezialisten”(Veranstalter-Ankündigung) wurde offen­bar der Fall von Aman­da Todd aufge­grif­f­en, wohl weil es ein Youtube-Video von ihr gibt. Was dieser Fall mit Sit­u­a­tio­nen an deutschen Schulen zu tun hat, ist mir eigentlich gän­zlich unklar. Ver­all­ge­mein­ert man damit nicht ein­fach alle Tragö­di­en, deren Opfer Jugendliche sind? Das scheint mir gegenüber Jugendlichen mit spez­i­fis­chen lokalen Prob­le­men nicht passend zu sein. Während Inter­net­mob­bing mit Suizid­folge in Ameri­ka wieder­holt vorkommt, ist mir ein der­ar­tiger Fall in Deutsch­land nicht bekan­nt.

Das aktuelle The­ma in Deutsch­land ist Stalk­ing. Ein Beispiel aus dieser aktuellen Diskus­sion hätte ich passender gefun­den.

Die Quin­tes­senz des Vor­trags ist dann auch nicht überzeu­gend:

trotz jed­er Menge schlim­mer Erfahrun­gen einiger, tap­pen immer noch viele in die Inter­net-Falle. Sichere Alter­na­tiv­en für What­sApp, Face­book und Co.? Fehlanzeige! „Sich­er ist, dass nichts sich­er ist“, so Siebert. Er rät, wieder E-Mails schreiben zu ler­nen, „so richtig mit Betr­e­ff und Absender“.

SCHNÖFF TÄÄÄÄÄ! Wenn nichts mehr geht, ein­fach mal irgend­wie Kul­turpes­simis­mus raushauen. Was zum Teufel ist denn die “Inter­net-Falle”? Es gibt Alter­na­tiv­en zu Face­book und What­sApp, nur ken­nt sie der Urhe­ber des zitierten Satzes offen­bar nicht. Abge­se­hen davon: Was hat die Frage nach Face­book-Alter­na­tiv­en über­haupt mit dem ganzen The­ma zu tun?
Der Brüller ist natür­lich, dass Jugendliche statt Face­book E-Mails nutzen sollen. Als ob E-Mails so ein­fach für Jugendliche ver­schlüs­selt zu nutzen wären. Das Prob­lem hier­bei ist ein­fach, dass es nicht son­der­lich ver­bre­it­et ist, seine E-Mails selb­st zu ver­schlüs­seln.

Das ist jet­zt nicht ganz das, was man nach der Ankündi­gung erwarten durfte:

Ein Spezial­ist packt aus: Wie Sie sich und Ihre Kinder vor Cyber-Mob­bing, Cyber-Groom­ing und steigen­der Inter­netkrim­i­nal­ität prak­tisch schützen kön­nen: Tipps zum besseren Umgang mit Sozialen Net­zw­erken und Online-Dien­sten.

Der Punkt, an dem man wirk­lich anset­zen kön­nte, ist Medi­en-Erziehung für Jugendliche. Das Inter­net stellt nie­man­den vor zuvor unbekan­nte moralis­che Prob­lematiken, nur die ein­set­zbare Tech­nik ist vari­anten­re­ich­er. Lei­der scheint es im Vor­trag nicht darum gegan­gen zu sein.

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Meine expertisierte Welt

Mit ihren Experten hat die IVZ kein Glück, auch das The­ma Inter­net ist irgend­wie nicht ihres. In der dieswöchi­gen Ver­anstal­tung sollte es zu “Einkaufen, bezahlen und über­weisen im Inter­net” gehen, auf gut deutsch: Um die Sicher­heit von Über­weisun­gen über das Inter­net. Dazu hat­te die IVZ Experten ein­ge­laden, die sie dann auch in der Über­schrift des dazuge­höri­gen Artikels Experten nen­nt und die sowas wohl von sich gegeben haben:

Brinkmann: Pay­pal ist aber ein Drit­ter, ein Dien­stleis­ter. Sie hin­ter­lassen dabei Ihre Dat­en. Wenn Sie dann im Netz bezahlen, geben Sie Ihr Pass­wort ein – mehr Schutz ist da aber nicht. Wenn es jemand schafft, an Ihr Pass­wort zu kom­men, dann ste­ht die Sche­une offen.

Falsch. Man kann seine Über­weisun­gen bei Pay­pal mit SMS absich­ern. Außer­dem kann man mit Pay­pal nur über­weisen, wenn sich auf einem dor­ti­gen Kon­to Geld befind­et oder wenn eine Verbindung zu einem Girokon­to beste­ht — welche man aber auch löschen kann.

Brinkmann: […] Echte Mah­nun­gen müssen in Deutsch­land übri­gens postal­isch zugestellt wer­den.

Falsch. Mah­nun­gen per E-Mail sind zuläs­sig.

Noch schön­er wird es im Video zur Ver­anstal­tung, wenn Herr Brinkmann fragt, ob man für Pay­pal-Transak­tio­nen zahlt. Die richtige Antwort wäre gewe­sen, dass es Transak­tion­s­ge­bühren gibt, die manch­mal der Rech­nun­gaussteller und manch­mal der Rech­nungs­be­gle­ich­er übern­immt. Herr Brinkmanns Antwort auf das Zahlungsmit­tel für Transak­tion­skosten bei Pay­pal dage­gen ist:

Die Dat­en, ja.

Willkom­men in der Welt der Ver­schwörungs­the­o­rie: Für Brinkmann ist Pay­pal wohl eine Datenkrake, bei der Kun­den mit Dat­en statt Transak­tion­skosten zahlen, ohne dass diese Behaup­tung irgend­wie belegt wird. Die IVZ ver­ste­ht ihn in ihrer gedruck­ten Aus­gabe eben­so:

Ste­fan Brinkmann über Bezahl­dien­ste wie “Pay­pal”, die mit den Dat­en ihrer Kun­den Geld ver­di­en­ten.

Zum Schluss des Videos gibt er noch 10 Ver­hal­tensweisen zum Schutz vor nicht autorisierten Über­weisun­gen preis, von denen ihm nur drei ein­fall­en und die dritte ist schon die Rückbesin­nung auf den gesun­den Men­schen­ver­stand, um auch noch zu sagen:

Eine Rück­über­weisung wird es nicht geben.

Möchte jemand rat­en, wer Rück­über­weisun­gen anbi­etet? Pay­pal.

Auf den Vor­trag Brinkmanns fol­gte Herr Feck:

[Feck:] bei grober Fahrläs­sigkeit – dazu gehöre übri­gens auch, ohne Viren­scan­ner zu sur­fen – habe der Nutzer selb­st den Schwarzen Peter.

Falsch. Geschädigte haften bei nicht autorisierten Über­weisun­gen nur, wenn die Bank ihnen grobe Fahrläs­sigkeit nach­weisen kann. Daher schreibt der WDR:

Sobald die Bank dies nicht nach­weise oder nicht nach­weisen könne, müsse sie dem Kun­den das fälschlicher­weise über­wiesene Geld erstat­ten.

Übri­gens hat laut Chris­t­ian Solmecke der Bun­des­gericht­shof bis­lang immer verneint, dass es seit­ens Win­dows-Benutzer grob fahrläs­sig wäre, keinen Viren­scan­ner instal­liert zu haben.

Als Leser weiß man an dieser Stelle auch nicht, ob Fehler beim Experten oder beim Textver­fass­er zus­tande kom­men, denn auch die Hil­festel­lung bei Phish­ing ist eher so…

Feck: Wenn Sie noch mal diese Mail bekom­men, dann kön­nen Sie es an den „Phish­ing-Read­er“ der Ver­braucherzen­trale senden. Wir prüfen das, gegebe­nen­falls wird die Adresse ges­per­rt.

Wenn sie jet­zt den “Phish­ing-Read­er” über Google nicht find­en kön­nen, kön­nte es daran liegen, dass er Phish­ing-Radar heisst. Und was für eine E-Mail-Adresse da dann ges­per­rt wer­den soll, ist mir auch nicht ganz ersichtlich.

Ich habe heute viel gel­ernt. Vor allem: Man sollte seinen Com­put­er schützen“, fasste Dr. Peter Erf, stel­lvertre­tender Leit­er der Volk­shochschule Ibben­büren, den Abend in seinem Schluss­wort zusam­men.

Und immer schön beim Kaf­feetrinken den Löf­fel aus der Tasse nehmen, damit man sich nicht ins Auge sticht.

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