Barcamping

In let­zter Zeit waren wir auf zwei Bar­camps, eines davon in der Garage­Bilk in Düs­sel­dorf und eines im Unper­fek­thaus in Essen.

Bar­camp Net­zpoli­tik

Dieses Bar­camp wurde vom Min­is­teri­um für Bun­de­san­gele­gen­heit­en, Europa und Medi­en und ich habe hier darüber gepod­castet, da geschrieben. Im Grunde war es nur ein Tre­f­fen von Leuten, die sich eh schon kan­nten und Spaß haben woll­ten, Ern­sthaftig- und Nach­haltigkeit waren da nicht so gefragt. Ger­ade der lokale Poli­tik­bezug fehlte vol­lkom­men. Eine für durch die Poli­tik organ­isierte Ver­anstal­tun­gen ganz typ­is­ches aus­sagelos­es Event, in dem sich ein paar Poli­tik­er son­nen woll­ten.

Barcamp.ruhr

barcampruhr

Nach ein­jähriger Pause wurde dieses Bar­camp wieder aufgelegt, gefühlt allerd­ings mit densel­ben scheubeklappten Papp­nasen und Bar­camp­touris­ten wie vor Jahren. Klassen­tr­e­f­fen nen­nt man das dann gerne, aber wer will schon jedes Jahr auf Klassen­tr­e­f­fen?

Sicher­lich bedeutet das Auf-die-Beine-Stellen eines solchen Bar­camps viel Zeit und Kraft, aber auch bei diesem Bar­camp zeigte sich, dass oft­mals die Teil­nehmer nicht son­der­lich gut disku­tieren kon­nten — und darunter sub­sum­iere ich auch das Kri­tik­ab­wiegeln mit “Irgen­dein­er meck­ert immer”-, debat­tieren dage­gen mit Vor­liebe. Das führt auch hier wieder dazu, dass Nach­haltigkeit hopps geht, wenn man sie nicht auf Meet-and-Greet reduziert. Im Grunde schade, da die Atmo­sphäre schon mal unüber­hypter als die in Düs­sel­dorf war.

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Gebrochen deutsch, Düsseldorfer Schauspielhaus, 23.1.2014

Ges­tern waren wir bei der zwei­ten Talk­runde von Staf­fan Val­de­mar Holm mit Vom Rit­chie (Groß­bri­tan­nien, Schlag­zeu­ger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jas­tram (Japan, Musik-Lehrerin), Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kah­kash (Iran, Büd­chen-Inhab­er) dar­über, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wieso man es inzwi­schen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selbst­läu­fer. Man bekommt schwere wie auch lus­tige Geschich­ten über die Auf­brü­che in die Fremde zu hören. Man lernt lebens­lus­tige Men­schen ken­nen, an denen man son­st viel­leicht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Publi­kum kam die ver­suchte Erklä­rung: “Clau­dia Schif­fer.”, wor­auf­hin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Viel­leicht gibt es nicht sol­che Gründe, viel­leicht gibt es nur die geleb­ten Erfah­run­gen, die alle Gäste vor­zu­wei­sen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höf­lich wie offen sind, wenn es um die Geschich­ten der ande­ren geht. Vom Rit­chie erzählt, wie er mit sei­ner Locker­heit stu­ren Münch­ner Poli­zis­ten begeg­net, die seine abge­lau­fene Auf­ent­halts­er­laub­nis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kom­men­tie­ren. Fio­rella Falero Rami­rez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr ers­tes Date mit einem Taschen­wör­ter­buch bewäl­tigt. Kyoko Jas­tram erzählt über die musi­ka­li­sche Größe Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aus­sieht. Und Iraj Farzi Kah­kash berich­tet dar­über, wie er im Iran die Revo­lu­ti­ons­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg mit­er­lebt hat und schließ­lich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleu­ser in West-Berlin aus­ge­setzt wird – ohne die Spra­che zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu ken­nen.

Also ein ganz groß­ar­ti­ges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an die­sem Abend auf­fiel, dass wed­er der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­tion” ein ein­zi­ges Mal gefal­len ist. Wenn er es jet­zt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Publi­kum das Klat­schen bei­zu­brin­gen, ist ihm ein Denk­mal sich­er.

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