Da tre­ffe ich am Woch­enende einen türkischen Mit­bürg­er und irgend­wann kom­men wir auf den Schwein­skopfwurf auf die Moschee in Ibben­büren. Kön­nte ein Deutsch­er gewe­sen sein. – Bess­er wäre das. – Wieso das? – Weisst du, wenn das ein Deutsch­er war, dann wer­den sie sagen: Ah, typ­isch deutsch. Wenn das aber ein Türke war, dann gibt es ein Problem.

Während man in Ibben­büren schmerzbe­fre­ite Berg­bau­folk­lore für 2018 ins Leben zu rufen ver­sucht, wid­met sich aus­gerech­net der SPIEGEL ein­er tief­schür­fend­eren Analyse:

Rund 200 Mil­liar­den Euro habe die Sub­ven­tion­ierung des Steinkohle­berg­baus die Steuerzahler gekostet oder werde sie noch kosten, sagt der Energieökonom Manuel Fron­del vom Rheinisch-West­fälis­chen Insti­tut für Wirtschafts­forschung: “Es ist ökonomis­ch­er Irrsinn, 1200 Meter unter der Erde Kohle abzubauen.” In Ibben­büren, einem der tief­sten Kohle­berg­w­erke Europas, geht es sog­ar noch weit­er hinab: bis auf 1500 Meter Tiefe. Es ist ein irrwitziger Aufwand, den schwarzen Stoff her­aus- und hinaufzuholen.

Und einen Blick auf kün­ftige Prob­leme hat man auch:

Angst vor dem Ende der Kohle­förderung haben hinge­gen viele Bewohn­er der Grund­stücke ober­halb der Stollen. Denn bis­lang ste­ht die RAG für Bergschä­den ger­ade: etwa, wenn sich der Boden absenkt und Risse in den Häusern verur­sacht. Was, wenn die Stollen geflutet wer­den und das Wass­er den Boden wieder hochdrückt? Reichen die Rück­stel­lun­gen der RAG für kün­ftige Bergschä­den aus? Oder muss der Steuerzahler einspringen?

Fair­er Weise muss man auch sagen, dass der SPIEGEL auch schon früher entsprechend über den Ibben­büren­er Berg­bau berichtet hat:

so über­flüs­sig wie die Kohle ist auch der Strom aus Ibben­büren. Das Essen­er Rheinisch-West­fälis­che Elek­triz­itätswerk (RWE) hält den Meil­er für verzicht­bar, und das will was heißen. Vor­standsmit­glied Gün­ther Klätte fände es jeden­falls sin­nvoller, “die Kohle in die Nord­see zu schütten”. 

Und Lokalzeitungskri­tik gab’s oben drauf:

Das Lokalblatt, die “Ibben­büren­er Volk­szeitung”, mochte da nicht abseits ste­hen. Ein im Mün­ster­land ver­bre­it­eter Bericht über eine Aktion von Robin Wood vor dem Kraftwerk wurde für die Ibben­büren­er Leser aus­ge­tauscht: Sie fan­den dort das Pho­to ein­er 80 Jahre alten Dampfmaschine. 

Unsere 15 Lokal- und über 30 Man­telredak­teure recher­chieren sorgfältig, über­prüfen die Nachricht­en­quellen und hin­ter­fra­gen Informationen.

Ja, ja.

Sie meinen alle, für dich da zu sein, aber sobald sie glück­lich sind, ist es ihnen egal wie es dir geht…!“

Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778), Schrift­steller, Philosoph, Päd­a­goge, Natur­forsch­er und Komponist

Zur passenden Ein­stim­mung in den Som­mer gab es vor Kurzem ein Nervling-Konz­ert in Ibbtown. Und ohne das zu wis­sen, war der Ter­min dicht vor der Veröf­fentlichung des ersten ganz in deutsch­er Sprache gehal­te­nen Albums der Ham­burg­er Band. Wenn Lin­da Per­ry und Joe Cock­er einen drauf gemacht hät­ten und Songs auf deutsch raus­ge­bracht hät­ten, es klänge unge­fähr so:

01. Ziem­lich egal Trotziger Ein­stand. Die Musik passt in sein­er Wider­spen­stigkeit zum Text.
02. Schnee­wittchen Eine Art Märchen-Song ein­er Frau, die sich von ein­er Konkur­rentin nicht aus­booten lassen will — wird ger­ade gesan­glich über alle Seichtheit­en getragen.
03. Ros­alie Jede deutschsprachige Band braucht wohl ein Vor­na­men­lied. Dieses hat Ohrwur­mqual­ität — auch wenn es etwas an Aure­lie, so klappt das nie erinnert.
04. In ein­er anderen Welt Schöne Wieder­bele­bung der Power­bal­laden der 80er.
05. Die Gedanken sind frei Wieder durch her­aus­ra­gen­den Gesang getra­genes Protestlied.
06. Der große Blender Erin­nert etwas an The great pre­tender in typ­is­chem Nervling-Sound.
07. Sowieso froh Laut Inter­view war es dieses Lied das nach dem Ver­fassen ein ganzes Album deutschsprachiger Lieder nach sich zog. Froh auf sowieso zu reimen rückt das Lied nahe an Kinderlieder.
08. Energie Energie­strotzen­des Lied, das aber eben auch wie ein Kinder­lied daherkommt. Dann ist es halt für alle was.
09. Der let­zte Schrei Grandios von Tom Baet­zel gesun­gene Ballade.
10. Duett Etwas jam­merig daherk­om­mendes Duett.
11. Keine Ahnung Zum Ende noch ein ohrwurm­tauglich­es Lied, das gesan­glich und instru­men­tal zu überzeu­gen weiß.
12. Ich hör nicht auf (live) Dieses Lied gab es schon auf der let­zten Plat­te zu hören und ist wohl der Grund, weswe­gen es über­haupt den Schritt in das Schreiben deutschsprachiger Lieder gegeben hat.

Endlich mal wieder ein Album, das man abwech­slungsre­ich ganz an hören kann. Rein­hören und bestellen kann man hier.

Eigentlich woll­ten die Donots kom­menden Mittwoch in der Sche­une auftreten, doch ach:

Auf ein­mal waren also 750 Karten für die Sche­une verkauft, wo aber dum­mer­weise nur 250 Leute reinpassen.

250? Weiß doch jed­er, dass sicher­heit­stech­nisch nicht mehr als 199 Zuschauer in der Sche­une zuge­lassen sind.

Die erste Lösungs-Idee, die wir mocht­en kam von Ingo: 

Wir reißen uns den Arsch auf und spie­len in der Sche­une drei Konz­erte an einem Tag!“ So weit, so gut — das schien eine geile Notlö­sung zu sein, wir waren hap­py… Doch lei­der stellte sich diese Idee in den let­zten zwei Tagen auf­grund viel­er ver­anstal­ter­isch unüber­wind­bar­er Hür­den als nicht umset­zbar heraus.

Nun ja, im Grunde doch nur eine: Die 199 max­i­mal zuge­lassene Zahl an Zuschauern. 750 verkaufte Ein­trittskarten wür­den nach Adam Riese 4 Konz­erte benöti­gen. Und die Alternative?

Wir spie­len ein Open Air an der Sche­une, da passen dann bes­timmt alle hin!“ Mit den nöti­gen städtis­chen Freiga­ben und der organ­isatorischen Umset­zung (Bühne, Per­son­al, Tech­nik, Zäune, etc) wurde uns gesagt: Inner­halb der weni­gen Tage lei­der auch nicht machbar.

Lag’s denn nun auch an der Stadt, fragt zumin­d­est ein Face­book-Nutzer.

Das alles wäre vielle­icht nur halb so skur­ril, wenn nicht schon vor ein paar Jahren für ein Donots-Konz­ert in der Sche­une zu viele Tick­ets verkauft wor­den wären. Und damals wurde gemeint:

Die Stadt Ibben­büren hat heute ver­boten, mehr als 199 Zuschauer in die Sche­une zu lassen! Um trotz­dem allen Leuten die Möglichkeit zu geben, das Konz­ert zu besuchen, wer­den wir daher zwei Konz­erte hin­tere­inan­der am gle­ichen Abend spielen! 

Also damals hat die Stadt spon­tan die zuge­lassene Besucherzahl in der Sche­une von 300 auf 199 run­terge­set­zt? Das hat wer in die Welt gesetzt?

30.05.2017 | | 4530 | 1x kommentiert

5. Fall für Com­mis­sario Mon­tal­bano, der es ja inzwis­chen, wenn auch betulich, ins Fernse­hen geschafft hat. So weit bin ich in der Rei­he gar nicht gekom­men, aber wer auf ital­ienis­ches Flair und eine seichte Krim­igeschichte ste­ht, dem ist hier­mit geholfen.

Die NOZ hat übri­gens etwas geschafft, was die IVZ nicht hin­bekom­men hat: Alle Kan­di­dat­en der Land­tagswahl im Wahlkreis 83 zu inter­viewen. Den Kan­di­dat­en der AfD inter­viewt man bei der IVZ wohl nur, wenn es nicht um Poli­tik geht.

12.05.2017 | | 4530 | 1x kommentiert

Eine doch eher zähe Schreibübungsansamm­lung des Feuil­leton­lieblings. Hat mich nicht berührt und die meis­ten Lit­er­aturkri­tik­er auch nicht.
12.05.2017 | | 4530 | 1x kommentiert

Ich war der fes­ten Überzeu­gung, dieses Lied­chen schon mal ver­postet zu haben, aber ich scheine mich zu irren. Na, denn: Kobayashi war eine Punkband aus Bre­men, die von 1997 bis 2016 existierte. Ihr Sänger Peter kommt gebür­tig aus Ibben­büren und schrieb das Lied “Ibb Ibb Hur­ra”, wozu er aus­führte:

Ich bin halt in einem Kaff namens Ibben­büren aufgewach­sen. Das Mot­to von dem dor­ti­gen Stadt­fest ist eben “Ibb Ibb Hur­ra”. Und der Text han­delt eben genau von dem Gefühl, das ich habe, wenn ich dor­thin fahre um meinen Pa zu besuchen- Fürchter­lich, wie dort die ganzen Leute in meinem Alter ausse­hen- wie mein Vad­der (obwohl- so scheisse sieht der gar­nicht aus) Da ist men­sch echt froh, den Absprung “geschafft” zu haben.

A30, Abfahrt 11, hier raus
Kle­in­stadt­mief und Spiesserblick
Ibb Ibb Hur­ra, wieder „zu Haus’“
Prov­inz ste­ht diesem Land echt pri­ma zu Gesicht
hier wohnt schon immer vieles von dem, was ich heute hass’
viel zu spät abge­hauen, die frage „was hab ich verpasst?“

der Hor­i­zont hier hört früh auf
zu oft am eige­nen Jägerzaun
Kle­in­fam­i­lie willst Du auch
und wenn’s dann eng wird, wird bei Vati angebaut
und das wichtig­ste bleibt, das alles bleibt so wie es ist
Gen­er­a­tio­nen wech­seln, unter­schei­d­bar sind sie nicht

Alt­bekan­nte kreuzen Wege
gemein­sames liegt lei­der viel zu weit zurück
neue Drähte nur zu wenigen
in vie­len begeg­net mir zuviel von dieser Stadt

Abfahrt 56 Auto­bahn 1
Son­ntag abend, wieder „daheim“
die Kusch­elecke hat mich wieder, so ein Glück

Dieser Schmök­er hat auch schon wieder ein paar Jahre auf dem Buck­el. Er ist namentlich an den Erstling Stuck­rad-Bar­res, Soloal­bum, angelehnt und bein­hal­tet Anek­doten des Schrift­stellers. Mit­tler­weile sind diese so anges­taubt wie sein Schreibstil.
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