Gutgegennordwind


Leicht und lock­er geschriebene Liebesgeschichte zweier E-Mail-Schreiber. Wenn ich mich recht erin­nere, war vor einiger Zeit Ralf Bauer in der Büh­nen­fas­sung dieses Stück­es in Ibben­büren. Tief­gang gibt es hier keinen, dafür nervt die Sprache Glat­tauers nicht.

herrlehmann

Herr Lehmann ist ein neu­ro­tis­cher Kauz mit psy­chis­ch angeschla­ge­nen Kün­stler als bestem Fre­und, der die Wen­dezeit in Berlin erlebt. Ich erin­nere mich, die Anfangs­geschichte noch am meis­ten gemocht zu haben und den Rest nett zu find­en.

Ich hat­te schon auf Face­book angekündigt, dass ich zu diesem The­ma noch was schreiben woll­te, jet­zt sind schon ein paar Tage ins Land gegan­gen, aber ich kom­me dem den­noch mal nach.

Bei der KAB Bosco hat­te Man­fred Spiek­er einen Vor­trag hal­ten. Der Titel lautete: “Gen­der-Wahnsinn: Eine absur­de Ide­olo­gie will unseren All­t­ag erobern”. Es ging natür­lich nicht um die merk­würdi­gen moralis­chen Hal­tun­gen der Katholis­chen Kirche, son­dern einem weitaus größeren Kampf: Dem Kampf gegen die Schwu­len­lob­by, die die Ehe bedroht:

Als „treiben­de Kraft“ hin­ter dem Gen­der-Main­stream­ing machte Spiek­er die „Lob­by der Homo­sex­uel­len“ aus und beklagte, dass sich Poli­tik­er weltweit das Ziel zu eigen gemacht hät­ten, schwule, les­bis­che, trans­sex­uelle und inter­sex­uelle Anliegen zu legal­isieren. In der Fig­ur des öster­re­ichis­chen Sängers und Trav­es­tiekün­stlers, der als Kun­st­fig­ur „Con­chi­ta Wurst“ in diesem Jahr den Euro­vi­sion Song Con­test gewann, finde diese Entwick­lung aktuell Aus­druck.

Man merkt gle­ich: Argu­men­ta­tiv gibt es hier nur die Brech­stange, ser­iöse Argu­men­ta­tion muss man im Kampf gegen solche Geg­n­er wohl auch mal sein lassen. Bunt verklei­de­te Män­ner in lan­gen Gewän­dern, und das außer­halb der Katholis­chen Kirche! Im gle­ichen Artikel beschw­ert sich Spiek­er übri­gens, für homo­phob gehal­ten zu wer­den. NEIN! DOCHOH!

Das war dann der KAB wohl doch zu grob und so wur­de die Ver­anstal­tung auf dem Plakat mit “Gemein­wohl ohne Ehe? Die Fam­i­lie als Ressource der Gesellschaft” bewor­ben.

Das ist nur die hal­be Wahrheit. Spiek­ers Mei­n­ung ist, die Fam­i­lie sei die einzige Lebens­ge­mein­schaft, von der die Gesellschaft etwas habe. Völ­lig ohne Belege, völ­lig ohne den Ver­such von Objek­tiv­ität: Hier zeigt ein Wis­senschaftler wis­senschaftlicher Erörterung den Stinkefin­ger. Und die KAB Bosco darf sich mal fra­gen lassen, ob sie dem The­ma über­haupt gewach­sen war.

Nach Spiek­er zöge der aus der Luft her­beigewunkene Umstand, die Fam­i­lie sei die einzige für die Gesellschaft vorteil­hafte Lebens­ge­mein­schaft, mit sich, dass ein­er Fam­i­lie bei Wahlen eine eigene Stim­me neben der Wahlstim­me des Vaters, der Mut­ter und weit­er­er Wahlberechtigter zustün­de. Ein zweck­ge­bun­de­nes Wahlrecht. Hat­te Spiek­er sich bis hier­her noch auf Hegel berufen kön­nen, der ursprünglich in der Fam­i­lie die Keimzelle moralis­cher Erziehung sah, ste­ht er nun alleine da. Somit stün­den einzel­nen Erwach­se­nen ein­fach so mehrere Stim­men bei Wahlen zu, was sich mit dem aktuel­len Grundge­setz nicht vere­in­baren lässt. Auch aus streng argu­men­ta­tiver Sicht ist es unver­ständlich, da das Wahlrecht an sich nicht auf ein­er Zweck­be­grün­dung beruht. Hegel fand das Wahlrecht übri­gens ger­adezu obso­let, da es die Hoheit des Staates unter­höh­le.

Spiek­er hat seine Forderung bere­its 2006 im Hof­blatt des deutschen Recht­spop­ulis­mus herun­terge­betet. Und eben dort kann man dann auch nach­le­sen, wohin die Reise noch führt: Denn wenn Fam­i­lien so wichtig ist, wieso bei zusät­zlichen Wäh­ler­stim­men aufhören? Wieso nicht eine Bevorzu­gung von Eltern­teilen bei Arbeit­se­in­stel­lun­gen? Und wieso da aufhören?

Spiek­er plädiert unter dem Deck­man­tel der Wis­senschaft für das, was er gut find­et. Nur diskri­m­iniert das eben alle, die nicht in seinem Sin­ne ver­heiratet sind: Unver­heiratete, Homo­sex­uelle und Alle­in­ste­hen­de (Mehrfach­nen­nun­gen möglich).

Im Hin­ter­grund ste­ht bei Spiek­er eine anti­aufk­lärerische Hal­tung:

Die Selb­sthingabe, nicht die Selb­st­bes­tim­mung ist der Schlüs­sel zu einem gelin­gen­den Leben.

Die Ein­stel­lung des kri­tis­chen Denkens ist dem­nach der Schlüs­sel zu einem gelin­gen­den Leben und ich darf sagen, Herr Spiek­er gehört wohl in dieser Hin­sicht zu den Fort­geschrit­te­nen. Selb­st­bes­tim­mung ist der zen­trale Begriff in der Ethik Kants. Für Spiek­er ist sie ein Schreck­ge­spen­st, da auch der Selb­st­mord durch Selb­st­bes­tim­mung erlaubt sei. Dass Kant trotz des Aufrufs zu einem selb­st­bes­timmten Leben den Selb­st­mord als rechtlich erlaubte Möglichkeit auss­chließt, das hat Spiek­er gar nicht auf dem Radar.

08.05.2015 | | 4530 | 1x kommentiert

coelho11minuten

Ich habe ja let­ztens einen Stapel Bücher zum Büch­er­schrank geschleppt, weil die alle ganz drin­gend da rein mussten, und die Karte, auf der ich die Bilder davon gemacht habe, die habe ich dann in mein Pod­cas­tauf­nah­megerät gesteckt, weil mir ger­ade eine Karte fehlte und das Gerät, das machte mir dann erst mal die Karte platt und jet­zt sind die Bilder futsch. So viel zu diesem Buch. Nein, ich habe es ein­fach nicht gele­sen. Das Buch stand in ein­er Dio­genes-Buchhrei­he, die ich wohl ab irgend­wann so aufgerei­ht ganz schön fand, aber als ich die qual­i­ta­tiv let­ztens mal durchgeschaut habe, sind da doch einige auf die Abschus­slis­te geset­zt wor­den und die Aufrei­hung habe ich auch aufge­hoben. Und ein­er der betrof­fe­nen Schinken war dieser hier.

Ich gehörte am Son­ntag zu den Zuhör­ern des Vor­trag von Prof. Spiek­er, wie die Zeitung richtig berichtet. Im weit­eren Ver­lauf des Artikels kann man lesen, dass die The­sen von Spiek­er von allen Anwe­senden viel Zus­pruch und Beifall erhiel­ten. Damit hier kein falscher Ein­druck entste­ht: Ich stim­me den Aus­führun­gen von Prof. Spiek­er aus­drück­lich nicht zu und habe das auch gesagt.

Die Fam­i­lie ist ein schützenswertes Kollek­tiv, bis dahin noch kein Wider­spruch. Das war jedoch nur ein sehr klein­er Teil des Vor­trags.

Ins­ge­samt hät­te das, was dann fol­gte, vielle­icht noch in Brautschu­len der 50er Jahre und 60er Jahre gepasst, aber nicht aber mehr in das Jahr 2015. Das ist kein Kon­ser­vatismus was Spiek­er fordert, das ist Fun­da­men­tal­is­mus und wir erleben derzeit weltweit, wohin Fun­da­men­tal­is­mus führt.

Wer seinen Pos­tu­laten zum Gen­der Main­stream­ing zus­tim­mend applaudiert, muss sich darüber im Klaren sein, dass das ein­er Ablehnung des Gle­ich­stel­lung­sprozess von Mann und Frau gle­ichkommt und man z. B. den Frauen, die für gle­iche Bezahlung, bei gle­icher Beschäf­ti­gung kämpfen, in den Rück­en fällt.

Die Aus­führun­gen Spiek­ers zur Ehe an sich und zur rechtlichen Gle­ich­stel­lung der Ehe von Men­schen gle­ichen Geschlechts, sind mehr als frag­würdig und haben mit ein­er offe­nen, aufgek­lärten und sol­i­darischen Gesellschaft nichts gemein. Die Ehe, so erk­lärte mir Pro­fes­sor Spiek­er, sei in seinem Sin­ne nur dann eine Ehe, wenn sie die Schaf­fung von Nachkom­men als Ziel habe. Meine Nach­frage, wie er er Paare beurteile, die bewusst oder auch unfrei­willig kinder­los bleiben, kom­men­tierte er mit den Worten: „Das ist dann keine Ehe“.

Für mich bleibt die Fest­stel­lung, dass eine Gesellschaft, wie sie Prof. Spiek­er fordert, ein Rückschritt ist. Ich hat­te auch nicht den Ein­druck, dass die Mehrheit der Zuhör­er so begeis­tert war, wie es der Zeitungs­bericht aus­drückt.

Faz­it: Emo­tion­al­ität vor Sach­lichkeit, Appelle an das, was aus mein­er Sicht Gott sei Dank längst über­wun­de­nen ist, das war wohl die eigentliche Inten­tion des Vor­trags von Her­rn Prof. Dr. Spiek­er.

Ern­st Gold­beck
Kan­di­dat für die Bürg­er­meis­ter­wahl 2015
DIE LINKE.

Klein­er Spaß am Ran­de zum The­ma Qual­ität der IVZ-Experten: Vor einem hal­ben Jahr bemühte sich ja ein Sparkassen-Mitar­beit­er bei ein­er IVZ-Experten­run­de unwider­sprochen, Pay­pal madig zu machen. Möchte jemand mal raten, wer Pay­pal jet­zt Konkur­renz machen möchte?

Das Han­dels­blatt zitierte aber schon aus inter­nen Unter­la­gen, denen zufol­ge der Dien­st “Pay Direkt” heißen soll und sich mit Leis­tun­gen wie Käufer­schutz und Zahlungs­garantie für Händler stark an Pay­pal ori­en­tiere.

Manch­mal stinkt der Fis­ch vom Kopf her, aber wie soll ein toter Fis­ch so etwas bemerken? Die Jugend in Ibben­büren sei poli­tikver­drossen, so meint man bei den Parteien. Sie müsse aber zu ihnen, den Parteien, kom­men. Man müsse jeden Stro­hhalm ergreifen, sei darauf angewiesen, Jugendliche mehr an Poli­tik zu beteili­gen.

Die poli­tis­chen Parteien haben den Anschluss an Erwach­sene unter 35 Jahren kom­plett ver­loren. Das soll­te man sich ein­mal eingeste­hen. Und darüber sieht es bis in die 50 Jahre auch nicht ger­ade berauschend aus. Das Prob­lem ist haus­gemacht und kein spez­i­fis­ch jugendlich­es Prob­lem. Men­schen in Ibben­büren sind parteiver­drossen, poli­tik­erver­drossen, nicht poli­tikver­drossen. Und wenn man sich das unin­spiri­eren­de Unter­gangs­gere­de im Zusam­men­hang mit dem Jugend­par­la­ment anhört: Wer kann es ihnen ver­denken?

Ein­sicht ist der erste Schritt zur Besserung. Eine sachgerechte Analy­se der Lage ist damit Voraus­set­zung. Aber wenn man schon hört, dass man bei der CDU halt das näch­ste “Pro­jekt Kom­mu­nalpoli­tik” aus der Schublade holt, der weiß, dass das Pro­jekt Jugend­par­la­ment für diese Partei tot ist. Es ist schlicht zu teuer. 

Es liegt nicht an den Jugendlichen, es liegt an den Kosten. Schon allein der Wahl­gang in Mün­ster für das dor­tige Jugend­par­la­ment kostet mehrere zehn­tausend Euro. Dazu kom­men Per­son­alkosten und Gelder, über die Jugendliche ver­fü­gen müssen, denn man wird keine Jugendliche für Kom­mu­nalpoli­tik begeis­tern kön­nen, wenn diese nur Bei­w­erk sein sol­len. Das ist viel Geld für eine Klien­telpoli­tik des immer klein­er wer­den­den Mit­tel­standes.

Wer etwas beleben will, muss da anset­zen, wo noch etwas Leben ist.

meint man bei der kon­ser­v­a­tiven Seite der IVZ. Das stimmt, nur geht es genau genom­men eben nicht um die Bele­bung von Poli­tik, die kann an noch vie­len anderen Stel­len belebt wer­den und das weitaus gün­stiger. Es geht um die Bele­bung von Parteipoli­tik. Und die ist eben schon ziem­lich tot. Doch die unan­genehme Wahrheit für die Kla­gen­den ist: Poli­tik geht auch ohne diese Parteien.

Warum die Prob­le­me der Parteien nun allerd­ings die Stadtver­wal­tung lösen soll, das erschließt sich wohl nur den Parteien selb­st.

Wir basteln ger­ade wieder mal an kleineren Soft­ware­pro­jek­ten und ein Forum schwirrt uns immer wieder mal im Kopf herum. Es erin­nert mich auch noch sehr stark an die gute, alte Bnet-Zeit, als man dort Kleinigkeit­en im Forum aus­tauschte. Und jet­zt kam mir halt eine kleine Soft­ware-Lösung unter die Augen, die bis­lang einen ziem­lich sta­bilen Ein­druck hin­ter­lies. Wer mag, darf also gerne mal im Ibbtown Forum vor­beis­chauen.

Das Forum ver­fol­gt ger­ade kein Ziel, außer dass ich mal wis­sen möchte, ob es über einen bes­timmten Zeitraum sta­bil läuft. Und wer weiß, vielle­icht kann man das Forum irgend­wann mal gut gebrauchen.

Das The­ma Daten­sicher­heit ist schon sehr abgenudelt, lap­i­dar­er wird es allerd­ings nicht: Das Bun­desin­nen­min­is­teri­um und das Bun­desjus­tizmin­is­teri­um haben sich auf die Ein­führung ein­er Vor­rats­daten­spe­icherung geeinigt. Ähn­lich­es hat­ten schon EU und Bun­desver­fas­sungs­gericht kassiert, aber man kann es ja nochmal ver­suchen. Deutsch­land ist auf dem Weg zu einem Präven­tion­sstaat, der alle Bürg­er unter Gen­er­alver­dacht stellt:

Gespe­ichert wer­den sol­len dem­nach alle an einem Tele­fonat beteiligten Tele­fon­num­mern, das Datum und die Uhrzeit des Gesprächs, bei Mobilge­sprächen außerdem die Funkzelle. Wenn es sich um Inter­net-Tele­fon­di­en­ste han­delt sol­len auch die IP-Adressen pro­tokol­liert wer­den.

Weswe­gen so ein näch­ster Überwachungss­chritt beden­klich ist, schreibt Sascha Lobo so dahin:

Es geht darum, ob Ihre Tochter noch ein Fleckchen in ihrem durchdig­i­tal­isierten Leben haben wird, in dem sie nicht überwacht und damit poten­ziell auf Kon­for­mität über­prüft wird. Die Vor­rats­daten­spe­icherung bedeutet ganz konkret: Ihre Tochter wird Angst haben müssen, in der schlimm­sten Krisen­si­t­u­a­tion ihres Lebens die Tele­fon-Hot­line der Seel­sorge anzu­rufen. Weil dadurch Daten­spuren entste­hen kön­nten, die ihr gesamtes späteres Leben zer­stören.

Protestieren gegen die Vor­rats­daten­spe­icherung kann man am 18. April in Biele­feld und am 20. Juni in Berlin.

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heute.de: Der Staat über­schre­it­et eine rote Lin­ie

Hier kommt schon wieder so ein Fehler unser­er Häkel­pos­tille, der sich bei ihrer Copy&Paste-Berichterstattung schon mal eingeschlichen hat:

Die Beamten leit­eten ein Strafver­fahren ein und ord­neten die Ent­nah­me ein­er Blut­probe an.

Nein, noch immer dür­fen Polizeibeamte keine Strafver­fahren ein­leit­en. Aber immer­hin kön­nen sie seit 2014 Blut­proben ohne richter­lichen Beschluss anord­nen.

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