Neu im Bücherschrank (97): Scott Turow — So wahr mir Geld helfe

Auch dieser lesenswerte Finanzthriller ist schon vor ein paar Wochen im Büch­er­schrank gelandet:
turowgeldhelfe


Mein Lieblingsz­i­tat hier­aus ist nach wie vor:

Wer sich heute noch fortwährend sel­ber auf die Schul­ter klopft, weil die Roten auf dem Müll­haufen der Geschichte gelandet sind, wird über die eigentlichen Sieger erst dann nach­denken, wenn Coca-Cola einen Sitz in der UNO beansprucht.

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Schrottware

Vor ein paar Jahren bin ich mal in ein Buchgeschäft gelaufen und habe mich nach dem Autor der Buchvor­lage zu einem Film, den ich mochte, erkundigt. Die Beschäftigte meinte daraufhin abwink­end zu mir, dass das Ware sei, die in Eng­land an der Super­mark­tkasse ver­ram­scht werde. Es hat dur­chaus etwas Erfrischen­des, wenn einem mal in einem Buch­laden ent­ge­genge­hal­ten wird, “Ah, inter­es­sant. So einen Schrott lesen Sie also?”

Ich komme darauf, weil eben diese Beschäftigte mit­tler­weile für die Lokalzeitung schreibt und offen­bar Büch­er, die noch wesentlich schlechter sind als die Schinken von Tom Sharpe, nicht mehr ver­reißt, selb­st wenn ihr Autor darum bet­telt. Das ist ver­wun­der­lich für eine der Weni­gen bei der Ort­spos­tille, dessen Hor­i­zont die Spiegel-Best­seller-Liste erkennbar über­steigt.

Am Dien­stag hat eine Autoren­le­sung in der Rei­he “Mün­ster­land-Krim­is” in der Alten Sparkasse gegeben. Ich hat­te vor einiger Zeit auch mal für das Ibbtown-Blog ebendiese Krim­is gele­sen. Es reicht von boden­los schlecht bis einiger­maßen span­nend. Der in Rede ste­hende Autor zählt noch zu den sprach­lich nicht unterirdisch Schreiben­den, aber in seinem aktuellen Buch verzichtet er zum Baden in Klis­chees gän­zlich auf einen Span­nungs­bo­gen.

Am Dien­stag erzählte er, dass er einen Roman Landgericht betitelt hat­te, und befürchtet hat­te, es könne Ärg­er geben, weil das Buch, das im sel­ben Jahr den Deutschen Buch­preis bekom­men hat, auch so hieß. Sein Ver­lag beschwichtigte ihn aber mit der Aus­sage, dass er sich keine Sorge zu machen brauchte, denn beim anderen Buch han­dele es sich schließlich um Lit­er­atur, und Leute, die Lit­er­atur läsen, läsen sein Buch sicher­lich nicht. Im Kern ist das dieselbe Unter­schei­dung wie damals im Buch­laden. Und es ist beze­ich­nend, wenn schon der Ver­lag meint, für der­ar­tige Büch­er müsse neben dem Begriff “Lit­er­atur” noch ein Platz geschaf­fen wer­den.

Es han­delt sich beim in Rede ste­hen­den Kri­mi bei allen — wegen mir — unter­halt­samen Anek­doten, die der Autor von sich gab, um Lit­er­atur für sim­ple Gemüter, für Leute, die sich bei den Vor­abend­schmun­zelkrim­is vor Lachen hin­ter das Sofa schmeißen. Es gibt noch keine Nach­weise, dass es solche Leute gibt, aber die Lit­er­atur für solche Leute, die hät­ten wir schon mal. Und wenn die Zeitung jet­zt herge­ht und grot­tige Lit­er­atur nicht mehr als solche zu erken­nen gibt, dann haben wir auch die passende Presse.

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