Morgenkaffee

Mika Baumeis­ter schildert Schülerein­drücke aus Hal­tern nach dem Flugzeu­gunglück:

Wir fühlten uns, als würde die Presse nur auf unsere Reak­tion zur endgülti­gen Affir­ma­tion warten, um zer­störte Men­schen abzu­fil­men.

Hans Hoff ver­ab­schiedet sich vom Jour­nal­is­mus:

Jour­nal­is­mus ist nurmehr ein hohles Gefäß, in das jed­er füllt, was er mag oder was er meint, im Auf­trag sein­er Nutzer ein­fül­len zu müssen. Das dadurch entste­hen­de Gemis­ch ist mir unerträglich gewor­den.

Der Gedanke find­et sich auch im Ste­fan Niggemeier-F.A.S.-Artikel, wozu ich bei wirres.net dies schrieb:

Mir scheint, dass Ste­fan Nigge­meier nicht ganz den Punkt trifft. Jed­er ist so Medi­enkri­tik­er, wie er es vorher auch schon war. Ich wohne im Grun­de wenige Straße von dem Apparte­ment des Co-Piloten ent­fer­nt, aber so aufges­tachelt, wie die Sache online ver­han­delt wur­de, war es offline nicht.

Nur kön­nen sich es die tra­di­tionel­len Medi­en wohl nicht mehr leis­ten, so einen fahri­gen Empörungsjour­nal­is­mus anzuwen­den, ohne online deut­lich hör­bare Kri­tik zu bekom­men. Man muss sich ja auch nicht Medi­enkri­tik­er nen­nen, um Sätze wie “Montabaur weiß noch nicht, wie es mit den neuesten Infor­ma­tio­nen umge­hen soll” für blöd zu hal­ten. Oder wenn Reporter am Flughafen Düs­sel­dorf gefragt wer­den, wie die Stim­mung in Hal­tern ist.

Wer da Kri­tik anbringt, macht auf’s Leicht­este einen Punkt. Es ist nur wun­der­lich, wie leicht es die Medi­en ihren Kri­tik­ern machen.

Bei CNBC hat man raus­ge­fun­den: Bärte sind Aus­druck von Dom­i­nanz und Sex Appeal.

Und während ich mir die Frage stelle: Welche Män­ner­mode kommt nach den Bärten? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

Erin­nern Sie sich eigentlich noch an die merk­würdi­ge Sauna-Bad-Geschichte in der lokalen Häkel­pos­tille vor ein paar Tagen? Ein Pärchen stand wegen eines Dieb­stahles in einem Schwimm­bad vor Gericht. Vor diesem Vor­fall soll es wohl in ein­er Sauna heiß her gegan­gen sein, was man im Lokalteil mit “Erst Sex in der Sauna und dann die Zeche geprellt” anreißen musste. Wer seinen Lokalteil mit Strick- und Kochgeschicht­en vol­lkriegen muss, ist für sowas sicher­lich dankbar.

Der eigentliche Autor des Tex­tes hat­te diesen an die West­fälis­chen Nachricht­en verkauft, wie er dann auch auf Face­book schrieb:

Meine Sauna-Bad-Geschichte wur­de jet­zt auch von den “West­fälis­chen Nachricht­en” (WN) in Mün­ster über­nom­men. Denn die Täter­in kommt aus Ibben­büren — wo diese Zeitung erscheint. Allerd­ings: Den Text kann man online nur lesen, wenn man dafür auch bezahlt. Eine Bezahlschranke gegen die Gratis-Unkul­tur im Netz. Aber immer­hin bekommt man gratis ein Foto geboten, das einen pornografis­chen Text erwarten lässt! 

http://www.ivz-aktuell.de/lokales/ibbenbueren_artikel,-Erst-Sex-in-der-Sauna-und-dann-die-Zeche-geprellt-_arid,445343.html

Jaja, diese Gratis-Unkul­tur, schlim­me Sache sowas. Dass immer noch Leute meinen, sie kön­nten sich im Inter­net frei bedi­enen. Aber Moment mal: Wieso denkt der eigentlich, die WN erscheine in Ibben­büren?

Der Autor und ich sind dann so ins Gespräch gekom­men und ich fragte schlicht, ob nicht bekan­nt wäre, dass das zwei unter­schiedliche Zeitun­gen wären, und ob er denn von bei­den bezahlt wor­den wäre.

Und die Antwort? Tja, sagen wir’s mal so: Eine Bezahlschranke schützt mitun­ter wohl auch die Gratis-Unkul­tur im Netz.

am 27.03.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Morgenkaffee

San­dra Schink berichtet darüber, wie mal Reporter anlässlich ein­er Tragödie in ihre Woh­nung ein­drangen. Sowas wird nicht vergessen, das soll­ten Jour­nal­is­ten im Hin­terkopf behal­ten. Der Pas­tor mein­er Heimat­stadt ist auch heute noch bekan­nt dafür, dass er mal Reporter der Blödzeitung mit den Worten “Schämt euch!” vom Hof gejagt hat.

Mein ehe­ma­liger Biele­feld­blog­gerkol­lege Herm hat einen sehr schö­nen Artikel zur Nicht­tan­genz katas­trophaler Ereignis­se geschrieben. Mir ist ähn­lich­es passiert: Ich habe von den ersten Nachricht­en­fitzeln gehört, bin Zug gefahren, bin dann auf Leute gestoßen, die die ARD-Berichter­stat­tung sahen und habe Witze gemacht. Warum auch nicht? Die Berichter­stat­tung an sich war der­maßen unpro­fes­sionell und lach­haft pietät­los in sein­er vorgegebe­nen, aber nie erre­icht­en Speku­la­tion­slosigkeit, dass dies in der Berichter­stat­tung alles über­strahlte. So wur­de ein Reporter am Düs­sel­dor­fer Flughafen gefragt, wie es den Leuten in Hal­tern gin­ge. Wie will man so ein Gesabbel ern­st nehmen? Den­noch war gestern die Mit­teilung, das Flugzeug sei absichtsvoll durch einen Piloten zum Absturz gebracht wor­den, erschüt­ternd.

Stel­lvertre­tend für all die Fehltrit­te der Medi­en: Die Chefredak­teur­in der taz.

Und während ich mir die Frage stelle: Müssen die Print-Medi­en neu ler­nen, was eine Nachricht ist? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

In let­zter Zeit waren wir auf zwei Bar­camps, eines davon in der Garage­Bilk in Düs­sel­dorf und eines im Unper­fek­thaus in Essen.

Bar­camp Net­zpoli­tik

Dieses Bar­camp wur­de vom Min­is­teri­um für Bun­de­san­gele­gen­heit­en, Europa und Medi­en und ich habe hier darüber gepod­castet, da geschrieben. Im Grun­de war es nur ein Tre­f­fen von Leuten, die sich eh schon kan­nten und Spaß haben woll­ten, Ern­sthaftig- und Nach­haltigkeit waren da nicht so gefragt. Ger­ade der lokale Poli­tik­bezug fehlte vol­lkom­men. Eine für durch die Poli­tik organ­isierte Ver­anstal­tun­gen ganz typ­is­ches aus­sagelos­es Event, in dem sich ein paar Poli­tik­er son­nen woll­ten.

Barcamp.ruhr

barcampruhr

Nach ein­jähriger Pause wur­de dieses Bar­camp wieder aufgelegt, gefühlt allerd­ings mit densel­ben scheubeklappten Papp­nasen und Bar­camp­touris­ten wie vor Jahren. Klassen­tr­e­f­fen nen­nt man das dann gerne, aber wer will schon jedes Jahr auf Klassen­tr­e­f­fen?

Sicher­lich bedeutet das Auf-die-Beine-Stel­len eines solchen Bar­camps viel Zeit und Kraft, aber auch bei diesem Bar­camp zeigte sich, dass oft­mals die Teil­nehmer nicht son­der­lich gut disku­tieren kon­nten — und darun­ter sub­sum­iere ich auch das Kri­tik­ab­wiegeln mit “Irgen­dein­er meck­ert immer”-, debat­tieren dage­gen mit Vor­liebe. Das führt auch hier wieder dazu, dass Nach­haltigkeit hopps geht, wenn man sie nicht auf Meet-and-Greet reduziert. Im Grun­de schade, da die Atmo­sphäre schon mal unüber­hypter als die in Düs­sel­dorf war.

Morgenkaffee

Sowas hat doch mal das Zeug zum Klas­sik­er: In Hal­tern zeigt eine Schü­ler­in der ARD-Presse­meute den Stinkefin­ger. Nicht die einzige ablehnen­de Hal­tung dieser Tage gegenüber der Presse.

Das ZDF nimmt wegen des Flugzeug­sunglücks in Süd­frankre­ich Die Anstalt aus dem Pro­gramm — aber Börsen­nachricht­en, nach denen die Aktien des betrof­fe­nen Unternehmens nach dem Unglück fal­l­en, sowas geht immer.

Michael Kessler gibt eine Lis­te raus mit Din­gen, auf die man nach Flugzeu­gab­stürzen gut und gerne verzicht­en kann.

Die Hal­tern­er Zeitung ist heute auf Grund des Unglücks oft­mals an Verkauf­sstel­len ausverkauft und erscheint online daher heute gratis.

Und während ich mir die Frage stelle: Wie nen­nt man das eigentlich, wenn die Ziel­grup­pe ver­sucht, die Medi­en zu erziehen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

In der IVZ schreibt man über das Frei­funk-Pro­jekt, eine Ini­tia­tive, um an möglich­st vie­len Orten Wlan-Router zur Ver­fü­gung zu stel­len, sei es bei kom­merziel­len oder nicht-kom­merziel­len Dien­stan­bi­etern.

Der Knack­punkt, viele Mit­stre­it­er zu überzeu­gen, wird neben ein­er tech­nis­ch leicht­en und ein­wand­freien Umset­zung die Sicher­heit in rechtlichen Fra­gen sein. Das gilt es, klar her­auszuar­beit­en.

Lei­der leis­tet die IVZ in dieser Hin­sicht keinen Dien­st, son­dern lässt man jeman­den aus dem Vor­stand des Stadt­mar­ket­ing Vere­ins in Ibben­büren kri­tik­los zu Wort kom­men:

Mit dem Router der Frei­funker haben diese eine tech­nis­che Möglichkeit gefun­den, die Stör­erhaf­tung zu umge­hen. Zumal den Frei­funkern sog­ar per Gericht das Provider­priv­i­leg zuge­sprochen wur­de, das son­st nur kom­merzielle Anbi­eter genießen. Und deshalb ist dieser Weg auch rechtlich ein­wand­frei nach aktueller Geset­zes­lage.

Das klingt schön, stimmt nur lei­der nicht. Den Frei­funkern wur­de bish­er nicht per Gericht das Provider­priv­i­leg zuge­sprochen. Somit ist dieser Weg nicht rechtlich ein­wand­frei und schon gar nicht nach aktueller Geset­zes­lage. Es ist besten­falls bei Kla­gen unwahrschein­lich, wegen Stör­erhaf­tung belangt zu wer­den. Heute schon von ein­er Rechtssicher­heit bei Frei­funkern zu sprechen ist schlicht nicht kor­rekt — so sehr es zu wün­schen wäre.

Und auch bei der IVZ selb­st geht es kun­ter­bunt durcheinan­der:

Hin­ter­grund der bish­eri­gen Gericht­sentschei­dun­gen ist die nur in Deutsch­land beste­hen­de Stör­erhaf­tung nach dem Teleme­di­enge­setz.

Sie kön­nen ja mal raten, wo die Stör­erhaf­tung nicht geregelt wird. Klein­er Tipp: Nicht im Teleme­di­enge­setz.

Diese besagt, dass Unternehmen, wie zum Beispiel Hotels, Kneipen oder Cafés dafür ver­ant­wortlich sind, wenn über ihren WLAN-Zugang Nutzer Straftaten bege­hen, indem sie sich beispiel­sweise ille­gal Musik oder Filme run­ter­laden.

Das Gegen­teil ist der Fall: Die §§8–10 des Teleme­di­enge­set­zes regeln das soge­nan­nte Provider­priv­i­leg, dem zufol­ge Inter­net­zu­gangsan­bi­eter, zu denen mitun­ter auch Hotels und Cafés gerech­net wer­den, die einen Inter­net­zu­gang anbi­eten, ger­ade nicht für Straftaten von Nutzern haften, sofern sie sich an die Dien­stan­bi­eterpflicht­en hal­ten. Ob das Provider­priv­i­leg gän­zlich von der Stör­erhaf­tung befre­it, ist somit offen.

Kün­ftig kön­nte es allerd­ings für kom­merzielle Anbi­eter freier Wlan-Net­ze etwas heikel­er wer­den: Der kri­tis­che Punkt ist diese Pas­sage des abges­timmten Ref­er­ente­nen­twurfs des Bun­desmin­is­teri­ums für Wirtschaft und Energie:

(4) Dien­stean­bi­eter, die einen Inter­net­zu­gang nach Absatz 3 geschäftsmäßig oder als öffentliche Ein­rich­tung zur Ver­fü­gung stel­len, kön­nen wegen ein­er rechtswidri­gen Hand­lung eines Nutzers nicht auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men wer­den, wenn sie zumut­bare Maß­nah­men ergrif­f­en haben, um eine Rechtsver­let­zung durch Nutzer zu ver­hin­dern. Dies ist ins­beson­dere der Fall, wenn der Dien­stean­bi­eter
1. angemessene Sicherungs­maß­nah­men durch anerkan­nte Ver­schlüs­selungsver­fahren oder ver­gle­ich­bare Maß­nah­men gegen den unberechtigten Zugriff auf das draht­lose lokale Funknetz durch außen­ste­hen­de Drit­te ergrif­f­en hat und
2. Zugang zum Inter­net nur dem Nutzer gewährt, der erk­lärt hat, im Rah­men der Nutzung keine Rechtsver­let­zun­gen zu bege­hen.

Die Pas­sage soll dazu dienen, Leute zu ver­fol­gen, die Kinder­pornographis­ches aus dem Inter­net saugen, und sowas lässt sich wohl in einem öffentlichen Netz besser an als daheim. Viel Spaß also dabei, wenn die Staat­san­waltschaft auf der Mat­te ste­ht und Namen wis­sen will — denn die hat man laut Entwurf zur Sicher­heit besser zu ken­nen, will man nicht haften.

Hierzu
Thomas Stadler: Wie die Fach­welt auf den Geset­ze­sen­twurf zur WLAN-Haf­tung reagiert

am 25.03.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Morgenkaffee

Eine sehr gute Idee hat da Hol­ger Klein umge­set­zt: Jeman­den von der Straße inter­viewen.

Land of the free, home of the brave: In Utah führen sie wieder Erschießungskom­man­dos ein.

Man kann Anwalt­skosten nur dann von der verk­la­gen­den Gegen­seite wieder­bekom­men, wenn nachgewiesen wird, dass diese wissentlich oder leichtsin­ng eine falsche Klage­be­haup­tung aufgestellt hat.

Vor­sicht bei der Benutzung des Share-Knopfes bei Face­book: Das kann teuer wer­den, wenn man neben­bei Fotos ver­linkt, zu denen man keine eige­nen Veröf­fentlichungsrechte hat.

Und während ich mir die Frage stelle: Müssen Blog­ger mehr auf die Straße? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

  • Die Hand an der Brem­se Por­trait über Kiris­han­than Nadara­jah (30), Lok­führer am Berg­w­erk der RAG in Ibbenbüren.<br>
am 23.03.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

rowlingchamber

Dies ist der zweite Teil der Har­ry-Pot­ter-Rei­he und eher so etwas wie ein Bindeglied zwis­chen dem inter­es­san­ten ersten und dem düsteren drit­ten Teil, den ich noch für den besten der ganzen Rei­he hal­te. Das Buch ist schon 17 Jahre alt, selb­st die Ver­fil­mung ist 13 Jahre her, daher weiß ich gar nicht, ob sowas noch außer­halb der Rei­he gut gele­sen wer­den kann — und ob die Rei­he noch neue Fans bekommt. 
am 20.03.2015 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Let­ztens war ja wieder The Artist for­mer­ly known as Jugen­damt in unserem Strick­fach­blatt für etwas PR in eigen­er Sache zu lesen, was ich im Grun­de gut finde. Aber ich schaue auch gerne über den Teller­rand. Und da erfahre ich, dass Polizeitaxi der neueste Jugend­sport in Düs­sel­dorf ist. Wie funk­tion­iert Polizeitaxi? Sie sind Jugendlicher, lassen sich in der Alt­stadt voll laufen, rem­peln dann einen Polizis­ten an, der schleppt sie in eine Aus­nüchterungszelle, wo Sie die Nacht ver­brin­gen und am näch­sten Tag fährt Sie die Polizei nach Hause. Was das bringt? Es erspart einem die eige­nen Rück­fahrkosten, denn die Kosten für das Polizeitaxi übern­immt meist das Jugen­damt. Da gibt es mit­tler­weile Mitar­beit­er, die tage­lang nur diese Rech­nun­gen begle­ichen.

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