am 30.12.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

In Ibben­büren ist das Stolper­stein­pro­jekt angestoßen wor­den. Und da das Pro­jekt zum Stolpern qua­si ani­mieren soll, legt man bei der IVZ am Sam­stag gle­ich vor:

Lang ist es her, wer­den so manche stöh­nen. Was geht mich das an, ich war nicht dabei, ich bin nicht schuld. Darum geht es nicht. Es geht um Ras­sis­mus.

Äh, nein. Es geht um Anti­semitismus, und der ist keine Unter­form von Ras­sis­mus — solange man nicht das Vok­ab­u­lar der Nation­al­sozial­is­ten ver­wen­den möchte oder jüdisch für eine genetis­che Eigen­schaft hält. Es geht aber auch um die Gle­ich­heit der Per­so­n­en vor dem Gesetz, scheint auch nach dem Zweit­en Weltkrieg nicht über­all für voll genom­men wor­den zu sein:

Krim­i­nalpolizei­wacht­beis­ter Gat­tner kam am 21. Feb­ru­ar 1950 zu dem Schluss, dass die Täter des Progroms in Hop­sten nicht ein­deutig iden­ti­fiziert wer­den kon­nten und dass die verur­sacht­en Schä­den “gegenüber anderen Städten in keinem Ver­hält­nis ges­tanden haben” (Lars Boe­sen­berg, Jür­gen Düttmann, Nor­bert Ort­gies, Macht­sicherung, Aus­gren­zung, Ver­fol­gung: Nation­al­sozial­is­mus und Juden­ver­fol­gung in Ibben­büren, mit einem Beitrag von Mar­lene Klatt und Rita Schlaut­mann-Over­mey­er, His­torisch­er Vere­in Ibben­büren, S. 94)

Stolpern war gar nicht notwendig, denn Ger­nold Mudrack hat­te in der­sel­ben Aus­gabe mit Verve vorgelegt:

Es sind eine ganze Menge Ini­tia­tiv­en im Sande ver­laufen, weil der lange Atem und der notwendi­ge Biss fehlten. Es gab auch Vor­be­halte: Kön­nten wir Ärg­er kriegen mit Leuten, denen nachge­sagt wird, sie hät­ten sich an jüdis­chem Eigen­tum ver­grif­f­en? Dann fällt ein schlecht­es Licht auf ser­iöse und ange­se­hene Mit­bürg­er, und das wollen wir doch nicht… Im Grunde: Es ist verzögert wor­den.

Das ist in der Tat in ganz kurz die Vorgeschichte einiger bish­eriger Ver­suche der Aufar­beitung Ibben­büren­er Geschichte von pri­vater Seite. Über­set­zt heisst das: Wie groß ist die Gefahr, von bes­timmten Per­so­n­en verk­lagt zu wer­den? Manch­mal sind der­ar­tige Per­so­n­en ja finanziell auch so gut aus­ges­tat­tet oder so erbost, dass eine wenig Erfolg ver­sprechende Klage angestrebt wird, nur um den Beklagten zu schaden. 

Klage­an­dro­hun­gen funk­tion­ieren sich­er auch als Druck­mit­tel nicht schlecht. Seit 2009 ist allein dieses Blog mit Klage­an­dro­hun­gen mit ange­blichen Stre­itwerten bis unterm Strich über 300.000 € kon­fron­tiert wor­den. Vor Gericht ist noch nie­mand gegan­gen.

Um beim The­ma Nation­al­sozial­is­mus zu bleiben: Während die Stadt Ibben­büren finanzieller Forderun­gen ehe­ma­liger jüdis­ch­er Bürg­er nachkam, sahen Bürg­er dies anders:

Andere “Käufer” arisiert­er Immo­bilien waren nicht so ein­sichtig, vor allem wurde in der frühen Nachkriegszeit der Zusam­men­hang zwis­chen Juden­ver­fol­gung und Arisierung teil­weise heftig bestrit­ten. Ehe­ma­lige “Ariseure”, also “Aufkäufer” jüdis­ch­er Immo­bilien, stellen sich als, Opfer der Zeit und der dama­li­gen Recht­slage dar, ver­weisen auf das NS-Sys­tem oder die Kriegszeit und lehnen eigene Ver­ant­wor­tung vehe­ment ab (Fre­und, Susanne; Jako­bi, Franz-Josef; Johanek, Peter; His­torisches Hand­buch der jüdis­chen Gemein­den in West­falen und Lippe, Ardey-Ver­lag, 2008, S. 421f.)

Man darf ges­pan­nt sein, ob die Stolper­steine sich so ein­fach ver­legen lassen.

am 29.12.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Dima Wolf hat als Seri­ous das Video zum Lied Dream veröf­fentlicht. In gle­ich drei Sprachen zeigt ein­er der vielver­prechend­sten Nach­wuchsmusik­er aus Ibben­büren ein­drucksvoll, was man aus Rap machen kann.

am 28.12.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Morgenkaffee

Chris­t­ian Steif­f­en präsen­tiert als vorzeit­iges Wei­h­nachts­geschenk einen ersten Videoteil aus dem Konz­er­tauf­tak­tkonz­ert in Osnabrück: Eine Flasche Bier.

Schüren Medi­en Äng­ste oder bericht­en sie über vorhan­dene? Gute Frage.

Udo Jür­gens ist gestern abge­treten und Ger­hard Matzig find­et richtige Worte:

Er kon­nte seine Lieder — mehr als 1000 hat er kom­poniert, und zwar tat­säch­lich: kom­poniert, als kom­plex­es Ganzes -, er kon­nte seine Lieder also uns nah und für uns doch selt­sam erhaben wirken lassen. Ja, auch pathetisch. Sie waren, sie sind, denn sie bleiben: wahr. Auch dann, wenn sie natür­lich gel­o­gen waren — wie jede große Kun­st nicht allein der Wahrheit verpflichtet ist, son­dern dem, was größer ist: der Gewis­sheit, dass etwas so sein kön­nte, wie es klingt, unab­hängig von der Real­ität.

Und während ich mir die Frage stelle: Sollte man sich kün­ftig mehr um die Lie­der­ma­ch­er küm­mern? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

Opu­lent ges­tartet, stiekum einge­stampft: Während wir dieses Jahr unser 5jähriges gebührend feierten, macht die IVZ ihre öffentlich zugängliche Video­plat­tform Maz­zTV zum 5. Geburt­stag dicht. Das ist schon vor ein paar Tagen geschehen: Man nen­nt das Ende von Maz­zTV, mit dem man einst die Abo-Erhöhung begrün­dete, offiziell eine Inte­gra­tion in die IVZ-Fam­i­lie, und ist darüber wohl so glück­lich, dass man diese schon ini­ti­ierte Verän­derung in den IVZ-Pro­duk­ten bis heute ver­schweigt. Auch in den sozialen Net­zw­erken, in denen man sich doch son­st so gerne aufregt, dass man bei der IVZ deren Arbeit nicht kosten­los ins Inter­net stellt, scheint die Verän­derung bis­lang gar nicht wahrgenom­men wor­den zu sein.

Die Geschichte von Maz­zTV ist die Geschichte ein­er miss­lun­genen Markene­in­führung (Weiß irgend­je­mand, wass Mazz heißen soll?) anhand eines For­mats, dass andere Zeitun­gen schon vor Jahren einge­mot­tet haben. Statt wie vois.tv Pro­jek­te zu entwick­eln auszupro­bieren, die die Marke nach­haltig auf den Radar der Öffentlichkeit gebracht hät­ten, blieb es meist beim Kam­era-draufhal­ten. Und die Balkon-Show der Sportjour­nal­is­ten ent­larvte meist nur, wie triv­ial ihre Sicht auf das Sport­geschehen ist. Nun wurde Maz­zTV bei Face­book schon der Steck­er gezo­gen. Auf der Twit­ter-Seite liest man:

maz­zTV war von 2009 bis 2014 die regionale Video­plat­tform für das Teck­len­burg­er Land

Wobei diese Beze­ich­nung ja schon Unsinn ist, wenn ein Pro­jekt mit Teck­len­burg, Lad­ber­gen, Lengerich, Lienen, Lotte und West­erkap­peln — sprich mit der Hälfte des Teck­len­burg­er Lan­des — nichts zu tun hat. So hört sich die Beschrei­bung dann auch eher nach einem Ende als nach ein­er Fam­i­lien­auf­nahme an. Videos der IVZ ver­schwinden von nun an unter­halb des öffentlichen Radars hin­ter ein­er Bezahlschranke und ob die Com­e­dytruppe von der Sportredak­tion weit­er­hin ihre nichts erk­lären­den Woch­enen­do­rakel dort zum Besten gibt, ist unklar — seit dem 5. Dezem­ber erscheint die Rubrik nicht mehr.

am 20.12.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Mehr als zwei Monate nach ihrer unkri­tis­chen Berichter­stat­tung kommt man bei der IVZ mal auf die Idee, die Preise der Stadtwerke Teck­len­burg­er Land in Hin­sicht auf son­stige Anbi­eter zu betra­cht­en — nicht ohne zu beto­nen, dass wer nicht Kunde bei den Stadtwerken Teck­len­burg­er Land werde, auf Heimatver­bun­den­heit pfeiffe.

Wie war das noch

[E]s gibt nach wie vor gute Gründe, eine Tageszeitung im Haus zu haben: Nur hier erhalte ich höchst aktuell alle wesentlichen Infor­ma­tio­nen aus mein­er Stadt

[Quelle]

Das Wörtchen aktuell scheint offen­bar region­al unter­schiedlich aufge­fasst zu wer­den.

am 19.12.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Gäß´ton seg­gt Hilde, dat niäch­ste Wiäke Wiehnacht­en is. Ick hebb noch gar keen Dann´nboom … Dan fohr ick an´t Sater­dag maol in de Wohld van Cre­spel. Daor sün veele Boomen. Ick heff de Dann´nboom lesst Joahr afsägt, wiel of umdat Hein (de Dös­pad­del) seg­gt, dat daor Krabbeltieken in wöörnt.

Hebb´t iar dat in de Kaas­blatt liäsen, met di Folter­bericht van de USA? In de groote Krieg wullt de Amerikon­er miene Dong hebben, aww­er ick wiät nich, wat de dormee mak­en hefft.

Ick wün­sch ji en Moi­je Wiehnacht­en en glück­selig Neei­jaar. Wenn je Piep­ko­ken hebben musst, kom vor­bie.

am 17.12.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

BaaderMeinhofBS

Soweit ich mich erin­nere, war dies jahre­lang der Klas­sik­er unter den pop­ulären RAF-Analyse-Schmök­ern, der allerd­ings nur die so genan­nten ersten zwei RAF-Gen­er­a­tio­nen behan­delt. Inzwis­chen hat man das Buch auch ver­filmt. Als über­sichtlich­er Ein­stieg in das The­ma ist der Schmök­er immer noch hil­fre­ich.
am 17.12.2014 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Morgenkaffee

Der Dezem­ber rauscht aber unge­mein an einem vor­bei. In 10 Tagen ist schon Heilig Abend, ich habe ger­ade mal zwei Wei­h­nachtsmärk­te durch Vor­beis­chlen­dern mitgenom­men, die Geschenke sind teils noch nicht ein­mal angedacht und heute Mor­gen kommt hier die Sonne raus, als wär’s das Früh­lingserwachen.

Wet­ten, dass ..? war wohl wieder so schlimm, wie man es unter Lanz jed­er Zeit erwarten musste. Mich stört ja immer das Aus­ruhen der Kom­men­ta­toren auf ver­meintlichen All­ge­mein­plätzen, die aber nur das Ver­weigern eigen­er Den­kleis­tun­gen aus­drückt. Anders bei der Wiener Zeitung:

Dass es dann aus­gerech­net Her­mann Maier war, der als erster vorzeit­ig “zum Flieger musste” war nur ein­er der selb­stiro­nis­chen Momente an diesem an Nos­tal­gie und Wehmut dur­chaus nicht armen unwider­ru­flich let­zten “Wet­ten, dass..?”-Abend. […] All das Gerede von den verän­derten Fernse­hge­wohn­heit­en, all das Beschwören des sozusagen am natür­lichen Lebensende ange­langten Show-Dinosauri­ers und natür­lich das Gefasel von der Unmöglichkeit, heute noch Fernse­hen für die ganze Fam­i­lie machen zu kön­nen: Es sind in Wahrheit nur leere Floskeln. Fakt ist: Die Leute haben nach wie vor einen Bedarf an gut gemachtem Fernse­hen und sie lieben Shows, die sie unter­hal­ten und bei denen sie sich als Zuschauer ver­standen fühlen.”

Und: Ja, das darf und sollte man auch nach der let­zten Folge des Schlachtschiffs noch kri­tisieren.

Büch­er schreiben ist nicht so ihr Ding, aber diese affizierten, leicht verklemmten All­t­ags­be­tra­ch­tun­gen, die machen Johan­na Ador­ján bemerkenswert: Män­ner in Großstädten.

Und während ich mir die Frage stelle: Kom­men die Öff­is mal wieder auf den Trichter, dass man Enter­tain­er langsam auf­bauen muss, weil Mod­er­a­toren keine Shows abliefern kön­nen und hat Her­mann Maier den let­zten Flieger nach Öster­re­ich über­haupt gekriegt? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

Seite 1 von 212