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Mehr als 300.000 Mal wurde dieser Schmök­er alleine in den Nieder­lan­den verkauft. Es han­delt vom Ensched­er Hochschullehrer Sierius, dessen Kinder sein­er Patch­work-Fam­i­lie im Erwach­se­nenal­ter Prob­leme machen, was als heil­lose, gewaltvolle und sex­uelle Katas­tro­phe sein Leben zer­stört.

Der Ver­gle­ich mit Jonathan Franzen hinkt, denn bei Boni­ta Avenue

han­delt es sich weniger um eine gesellschaftliche Analyse über eine Fam­i­lie als um die Odysee eines famil­iären Nieder­gangs. Im Nieder­ländis­chen reißt der Roman durch seine Wort­ge­walt mit, welche in der deutschen Über­set­zung lei­der oft­mals hol­prig daher kommt. Man braucht sicher­lich einen län­geren Atem, um mit dem Werk zurecht zu kom­men, aber es lohnt sich.

Hubert Nörgelmöller ist sauer. Die Vor­rats­be­häl­ter mit den Kot­beuteln in der Innen­stadt erfreuen sich stark­er Beliebtheit, sind aber dementsprechend dauernd leer. Eine unzu­mut­bare Sit­u­a­tion, so der Tier­lieb­haber. Ich sprach mit dem Hun­de­fre­und bei einem Schlenz durch die Innen­stadt.

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Herr Nörgelmöller, schildern Sie unseren Lesern doch ein­mal in aller Ruhe die Sit­u­a­tion.

Ja nun, das ist fol­gen­der­maßen: Dien­stags wer­den hier die Kot­beutel­hal­tevor­rich­tun­gen bestückt. Das ist ja soweit auch schön und gut. Damit kann man gut über die Woche kom­men. Aber wenn Fre­itag das Woch­enende begin­nt und die jun­gen Leute abends raus gehen, dann soll­ten Sie das mal erleben: Die Beu­tel sind schneller weg als warme Sem­meln. Da muss man sich dann immer heim­lich um die Ecke ver­pieseln.

Haben Sie sich schon ein­mal bei der Ver­wal­tung beschw­ert?

Aber nicht zu knapp. Aber an denen prallt das alles ab. Diese Mül­lentsorgung sei nicht deren Prob­lem. Ja, was glauben diese alten Säcke im Rathaus denn, wen sie vertreten müssen? Doch wohl die schwachen, aufrichti­gen Mül­lentsorg­er! Da müssten auch mal wieder ein paar junge Hüpfer rein, die den Laden mal auf Vor­der­mann brin­gen. Eine Zumu­tung ist das.

Vielle­icht soll­ten Sie sich zuvor an das zuständi­ge Unternehmen wen­den, das die Tüten bere­it hält. Vielle­icht stellen die Ihnen pri­vat welche zu.

Pap­per­la­papp. Die Fritzen scheren sich doch auch einen feucht­en Kehricht um uns. Es muss immer erst was passieren. Bish­er ist das ja gut gegan­gen, aber das ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Wo sollen die armen alten Leute wie ich denn Son­ntags hin, wenn’s drückt? Hat doch alles zu. Und Windeln sind ja auch nicht jed­er­manns Sache.

Naja, eigentlich sind diese Tüten ja auch eher für Hunde…

Ja, ja. Mit die Tiere gehen die Leute heute sowieso viel bess­er um als mit uns Alten. Für uns bückt sich kein­er mit dem Kot­beu­tel und sam­melt…

Sagen Sie ein­mal, haben Sie über­haupt einen Hund?

Wieso Hund? Was haben denn Sie dauernd mit diesen Fußhu­pen? Sie lenken ja nur vom The­ma ab. Aber mit uns kann man es ja machen: Erst die Tüten weg­nehmen und dann hin­ter­rücks aus­fra­gen, ob man die Hun­des­teuer prellt. Das hat man gerne.

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am 17.10.2013 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

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Nach­dem man ja gestern fest­stellen kon­nte, dass das Rathaus ja nicht nur Art-, son­dern auch eine Art Funkhaus ist, passend dazu unser lustiges Bilder­rät­sel:

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am 17.10.2013 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

Über den Zebras­treifen gehen? Kein Prob­lem! Schuhe trage ich seit über 50 Jahren, dutzende Paare habe ich aufge­braucht, diverse Län­der beschrit­ten und gegen Bälle getreten. Über den Zebras­treifen gehen mit einem Fach­mann, nur mal so zum Spaß? Warum nicht?

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Ich tre­ffe mich mit dem aus­gewiese­nen Langzeit­fußgänger Hubert Nörgemöller. Wie hat er eigentlich damals seinen Lap­pen ver­loren?

Ja, och Gott, da war halt dieser alte Oppa, der mit seinem Gehgestell am Zebras­treif­f­en wartete. Ja, kann ich denn watt dafür, dass der es doch noch rechtzeit­ig vor die Küh­ler­haube meines VW Jet­ta schafft? Das war ein knappes Ding, das kann ich ihnen sagen. Die Trauer­feier soll aber dann ganz schön gewe­sen sein, jet­zt.

Wir treten an den Zebras­treifen, gle­ich die erste Frage: Der Zebras­treifen beste­ht aus 9 gemal­ten Lin­ien und wird von zwei gepflasterten einger­ahmt, ist das verkehrstech­nisch zuläs­sig?

Ja nun, das war eine Idee von Pagelkäm­pers Dieter. Wenn er da mor­gens mit seinen Treck­er ent­langkommt, dann störten diese Fußgänger halt. Da hat er dann mal selb­st zugepflastert und nun kommt er flüs­siger durch den Verkehr, weil die Fußgänger länger warten müssen. Den blauen Pöh­ler hat er da auch zu Irri­ta­tion­szweck­en angek­lebt.

Was muss man nun genau beacht­en, bei der Über­querung des Zebras­treifens?

Ja, als allererstes soll man guck­en, dass Pagelkäm­pers Dieter nicht aus Rich­tung Laggen­beck kommt, der ken­nt keine Ver­wandten im Straßen­verkehr. Und dann zählt man durch, ob da auch ord­nungs­gemäß 9 Streifen ange­bracht sind. Alles andere wäre zunächst ein­mal vol­lkom­men fahrläs­sig.

Soll man nicht zuerst nach links schauen und dann nach rechts?

Pap­per­la­papp. Wenn Sie ein­er ummän­geln will, glauben Sie den inter­essiert, ob sie nun auf dem Zebras­treifen ste­hen oder kurz davor? Der trifft Sie wohl, dass kann ich ihnen aber flüstern!

Das heißt, Dieter Pagelkäm­per hat immer Vor­fahrt und der Rest ist Glückssache, so lange die Anzahl der Zebras­treifen­streifen passt?

Das kann ich Ihnen aber mal hus­ten!

Ich bedanke mich für diese kurze Ein­führung in die Hand­habung eines der let­zten noch aktiv­en Zebras­treifens vor Ort. Es hat Spaß gemacht, aber ich hätte doch große Fehler began­gen ohne Anleitung.

Harald Tribüne

Was wäre Ibbtown ohne seine Orig­i­nale, seien wir ehrlich. Hubert Nörgelmöller, Philibb und Knechthild bere­ich­ern den Prov­in­za­ll­t­ag wie kaum jemand anders. Doch was wäre das Lokalgeschehen ohne einen Zeitzeu­gen, der alles doku­men­tiert. Sie ahnen schon, worauf ich hin­aus möchte. Auf diesen Seit­en wer­den sie for­t­an ein weit­eres Orig­i­nal zu lesen und zu lieben ler­nen bekom­men, den unver­gle­ich­lichen Lokalre­porter Har­ald Tribüne . Wir wünchen Ihnen schon jet­zt gute Unter­hal­tung!
am 16.10.2013 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

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Philosophis­che Dialoge zu schreiben hat nie­mand so gut wie Pla­ton beherrscht, daher sollte man von so einem Vorhaben lieber Abstand nehmen, wenn man sich diesem Ver­gle­ich nicht aus­set­zen will. Nun ist das Buch von Hösle zwar pop­ulär­wis­senschaftlich angelegt, aber den­noch: Wieso nicht gle­ich Orig­i­nale lesen?

am 16.10.2013 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben

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Kurz zur Hand­lung: Cora Hüb­sch lernt einen Arzt ken­nen. Will sich cool ver­hal­ten und dabei geht alles in die Hose. Am Ende wird alles gut, und es ist immer anders als man denkt.

Obwohl die Hand­lung sich banal und kitschig anhört war es erfrischend anders erfrischend anders. Es ist ein ständi­ger Dia­log mit sich selb­st, der so authen­tisch wirk­te voller Selb­stzweifel und Ironie. Damals hat­te ich den Ein­druck, dass die Schrift­stel­lerin meinem 22 jährigem ICH aus der Seele spricht.

Vor kurzem war es mal wieder ein lang­weiliger Abend und um die Zeit zwis­chen der 20 Uhr Nachricht­en und der Zeit, zu der es nicht pein­lich ist ins Bett zu gehen, zu über­brück­en, schmiss ich die DVD zu dem Buch ein.

Den Film habe ich vorher nicht gese­hen, aber genau­so habe ich es mir vorgestellt. Er ist anders. Und obwohl mein 22 jähriges ICH mir im Spiegel längst nicht mehr gegenüber ste­ht, war es ein net­ter Aus­flug in eine emo­tion­al chao­tis­che Zeit, von der man froh ist, dass sie vor­bei ist, aber sie den­noch nicht mis­sen möchte.

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Konz­ert zum CD-Release von Arbeit­er der Liebe und gle­ichzeit­ig Auf­takt der Tour mit gle­ichem Namen. Die Kleine Frei­heit in Osnabrück bedeutet ein ausverkauftes Heim­spiel für Chris­t­ian Steif­f­en, das merkt man schnell. Der Ein­stieg bei vor­freudi­ger Atmo­sphäre mit “Wie gut, dass ich hier bin” fällt bom­bastisch aus.

Lei­der wird das Konz­ert dadurch etwas getrübt, dass der Sound der Box­en nicht überzeugt. Während der Sänger gut durchkommt, hört man von der eigentlichen Musik, die einen raf­finierten Begleit­part spielt, wenn, dann nur dröh­nend etwas. Die Über­schwänglichkeit des Kleine-Frei­heit-Pub­likums machen es dem Sänger im Fol­gen­den dann auch nicht so ein­fach, seinen gewohn­ten Charme anzubrin­gen. Auf neue Songs reagiert das Pub­likum kaum. Immer­hin schafft Steif­f­en es, die Konz­er­tat­mo­sphäre zu hal­ten, auch im Über­gang zur Met­al-Inter­pre­ta­tion sein­er Songs durch die For­ma­tion Motor Steif­f­en.

Und beim Met­al­teil ist der Sound gle­ich unge­mein bess­er, weil Schlagzeug und Bass sich bess­er gegen die Box­en durch­set­zen kön­nen. Da lässt sich Chris­t­ian Steif­f­en dann auch nicht aus der Ruhe brin­gen, als er der Forderung des Pub­likums nach Zugabe zus­timmt, die Band aber die Bühne ver­lässt. Als Qual­i­fika­tion, Schlager-Nach­fol­ger von Heino in Wack­en zu wer­den, dürfte das aber lock­er aus­re­ichen. Der Abschluss des Konz­erts fällt mit einem belan­glosen Cov­er von “Drum leb dein Leben” und dem drit­ten Mal “Sex­u­alverkehr” unaufgeregt aus, vielle­icht ist das an diesem Abend auch bess­er so.

Und damit kom­men wir zur CD-Kri­tik, denn das Konz­ert diente ja auch zur Vorstel­lung seines Debü­tal­bums. Auch wenn 7 der 14 Lieder schon von der let­ztjähri­gen EP bekan­nt sind, braucht sich die CD nicht zu ver­steck­en. “Wie gut, dass ich hier bin” eröffnet die Scheibe genau­so mitreißend, wie es beim Konz­ert funk­tion­iert. “Ich hab’ die ganze Nacht von mir geträumt” und die Neuauf­nahme von “Sex­u­alverkehr”, wobei die der EP bess­er ist, dür­fen nicht fehlen. “Cham­pag­n­er und Kaviar” ist ein net­ter Tabubruchver­such­er, “Eine Flasche Bier” wird als Getränkbesin­gung unvergessen bleiben. Bei “Ich hab’ dir den Mond gekauft” hat selb­st meine Mut­ter gelacht. “Selb­st­mitleid” klingt gesan­glich etwas neben der Spur, und genau das macht “Mein bester Fre­und” wieder wett, das the­ma­tisch zwar etwas irri­tiert, aber beein­druck­end gesun­gen wird. “Ich habe Haschisch pro­biert” wirkt auf Konz­erten bess­er, “Ein Leben lang” ist wieder schön aus­ge­sun­gen, der “Flasche Bier Marsch” ist das Polonasen-Muss der Plat­te und “Eine Rose” ein san­fter, passender Abgang.

Kurz und gut: Die Befürch­tung, Steif­f­en kön­nte auf CD gepresst über­pro­duziert daherkom­men, wenn es sie denn gab, war nicht berechtigt. Ohne Aus­set­zer unter­hält Steif­f­en seine Hör­er for­mi­da­bel. Seit langem über­haupt man wieder ein Album, dass man in einem Rutsch anhören kann.

[ Chris­t­ian Steif­f­en, Kleine Frei­heit, Osnabrück, 200 Gäste. Aktuelle Tour: “Arbeit­er der Liebe”, weit­ere Ter­mine: 16.10 Han­nover, 17.10. Dort­mund, 18.10. Wiet­marschen, 19.10. Karl­sruhe, 20.10. Stuttgart, 21.10. Köln, 01.11. Wein­heim, 02.11. Biele­feld, 03.11. Dres­den, 05.11. Berlin, 06.11. Ham­burg, 07.11. Kiel, 08.11. Braun­schweig, 28.11. Bre­men, 29.11. Leipzig ] 

Manche Dinge ste­hen halt nicht in der IVZ. In Met­tin­gen ist eine tote Frau gefun­den wor­den. Dazu hat man bei der IVZ eine Art Tick­er mit den neuesten Mel­dun­gen Gerücht­en instal­liert:

Sam­stag, 17 Uhr 50

[…] Ob es sich um eine Straftat han­delt, ob ein Selb­st­mord vor­liegt oder ob es sich möglicher­weise auch um einen Unfall han­deln kön­nte, dazu kann die Kripo vor Ort derzeit noch keine Angaben machen. Die Todesur­sache ist völ­lig unklar, die Ermit­tlun­gen laufen. […]

Sam­stag, 18 Uhr 10 

[…] Auf der Hand scheint zu liegen, dass Mord­kom­mis­sion und Staat­san­waltschaft von ein­er Straftat aus­ge­hen. […]

Son­ntag, 9 Uhr 5

[…] Wie Ober­staat­san­walt Herib­ert Beck gestern am Abend erk­lärte, sollte die tote Frau in Mün­ster obduziert wer­den. Die Staat­san­waltschaft Mün­ster und auch die einge­set­zte Mord­kom­mis­sion scheinen demzu­folge von einem Gewaltver­brechen auszuge­hen, das in Met­tin­gen verübt wor­den ist.

Klar sein dürfte nach Ver­laut­barun­gen der Staatsanwaltschaft/Polizei inzwis­chen auch, dass die Frau aus Met­tin­gen stammt. Es ist damit zu rechen, dass die Ermit­tlun­gen der Mord­kom­mis­sion heute auf Hoch­touren weit­erge­führt wer­den. […]

Son­ntag, 10 Uhr 15

Son­ntag, 10.15 Uhr: […] Die tote Frau in Met­tin­gen ist an ein­er Unterküh­lung gestor­ben, das hat die Obduk­tion bestätigt. […]

Bestätigt? Wie bestätigt? Die Antwort darauf find­et man woan­ders:

Son­ntag, 9 Uhr 39

Tote Frau in Met­tin­gen starb an Unterküh­lung – Obduk­tion bestätigt Ver­mu­tung der Ermit­tler

[…]“Da auch die inten­siv­en Ermit­tlun­gen der Mord­kom­mis­sion unter Leitung von Krim­i­nal­haup­tkom­mis­sar Ulrich Bux am gestri­gen Tage und Abend keine Anhalt­spunk­te für Fremd­ver­schulden erbracht haben, haben wir – die Polizei und die Staat­san­waltschaft – die Ermit­tlun­gen in der Nacht been­det,” so Ober­staat­san­walt Beck. […]

Die Obduk­tion bestätigt die Ver­mu­tung von Staat­san­waltschaft und Mord­kom­mis­sion, die in Fällen unklar­er Todesur­sache ein­fach immer hinzuge­zo­gen wird, dass kein Gewaltver­brechen vor­liegt. Dass eine Mord­kom­mis­sion beteiligt war, berechtigt zu über­haupt kein­er Mut­maßung, außer dass ein Arzt eine Todesur­sache nicht zweifels­frei erken­nen kon­nte. Während andere Medi­en aus den Angaben von Mord­kom­mis­sion und Staat­san­waltschaft schließen, dass ein Tod ohne Fremdein­wirkung ver­mutet wurde, spekuliert man sich bei der IVZ um ihre Rep­u­ta­tion. Denn dort unter­titelt man den Bericht weit­er­hin mit:

Am Sam­stag ist die Leiche ein­er 52 Jahre alten Frau gefun­den wor­den. Polizei und Staat­san­waltschaft sind zunächst offen­bar von einem Gewaltver­brechen auge­gan­gen.

Zumin­d­est die IVZ.

am 13.10.2013 von unter 4530 abgelegt. | Kommentar schreiben
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